Rechnet für sein Unternehmen im laufenden Jahr mit einem Umsatzplus von rund 10 Prozent.:

Rechnet für sein Unternehmen im laufenden Jahr mit einem Umsatzplus von rund 10 Prozent.: ZF-Vorstandsvorsitzender Hans-Georg Härter. - Bild: ZF

Härter sieht zwar aktuell nur eine zögerliche Erholung der Märkte und hält gewisse Restrisiken für möglich. Doch 2010 soll das Unternehmen zumindest operativ wieder in die schwarzen Zahlen kommen. Der ZF-Vorstandsvorsitzende sagte auf der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns in Stuttgart, er rechne für sein Unternehmen im laufenden Jahr mit einem Umsatzplus von rund zehn Prozent. Zwischen Januar bis März 2010 seien die Einnahmen bereits um gut ein Drittel (34 Prozent) auf etwa 2,86 Milliarden Euro gestiegen.

Die stärksten Umsatzzuwächse erzielte ZF in den Regionen Asien-Pazifik und Südamerika mit 67 beziehungsweise 75 Prozent. Allerdings lagen die Umsätze im ersten Quartal 2009, der Hochphase der Finanz- und Wirtschaftskrise, besonders niedrig. Deshalb kann aus dem Quartalsplus keine entsprechende Umsatzsteigerung für das Gesamtjahr 2010 abgeleitet werden.

“Wir haben im ersten Quartal 2010 in allen Regionen kräftige Umsatzzuwächse in zweistelliger Prozenthöhe verzeichnet”, sagt der ZF-Vorstandsvorsitzende Hans-Georg Härter. “Besonders stark sind wir in den Regionen Asien-Pazifik und Südamerika gewachsen, wo wir in den vergangenen Jahren am meisten in den Ausbau unserer weltweiten Präsenz investiert haben. Dort ernten wir nun die Früchte unserer enormen Anstrengungen.”

Das Umsatzwachstum in Nordamerika betrug im ersten Quartal 2010 rund 40 Prozent, in Europa lag es bei 31 Prozent. Im Kernmarkt Deutschland erreichte ZF in den ersten drei Monaten 2010 ein Wachstum von 29 Prozent.

2009 in schwerer See

Montage von Doppelkupplungsgetrieben bei der ZF Getriebe GmbH, Werk Brandenburg. - Bild: ZF

Das Geschäftsjahr 2009 hingegen war für ZF eines der schwersten Jahre der Unternehmensgeschichte. Infolge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise kam es zu massiven Produktionsrückgängen in den Werken.

Auch die Umsatz- und Ertragslage der ZF Friedrichshafen AG spiegelte die globalen konjunkturellen Rückgänge wider. So lag das operative Ergebnis mit 361 Millionen Euro im Minus. In der Folge sank der Umsatz des Konzerns um 25 Prozent auf 9,371 Milliarden Euro. Besonders betroffen: die Bereiche und Geschäftsfelder, die für die Nutzfahrzeug- und Baumaschinenbranchen tätig sind.

Sie mussten teilweise Umsatzeinbrüche in der Größenordnung von über 50 Prozent verkraften. Im Pkw-Geschäft sowie bei Landmaschinen lagen die Rückgänge zwischen 10 und 30 Prozent.

Andere Marktsegmente – wie zum Beispiel Stadtbusse – verzeichneten geringere Rückgänge. Auch die regionale Geschäftsentwicklung war im Jahr 2009 unterschiedlich. Einem geringeren Rückgang von 7 Prozent in der Region Asien-Pazifik oder 8 Prozent in Afrika standen deutliche Umsatzrückgänge von 30 Prozent in Westeuropa, 27 Prozent in Osteuropa, 24 Prozent in Nordamerika und 21 Prozent in Südamerika gegenüber.

Die Mitarbeiterzahl ging um etwa 3.500 Personen zurück und lag Ende 2009 bei rund 59.800 Beschäftigten. „Am Standort Deutschland konnten wir dabei komplett auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten“, unterstrich Härter. Stattdessen nutzte der Konzern flexible Möglichkeiten wie Altersteilzeit oder Abfindungsregelungen. Frei werdende Stellen wurden grundsätzlich nicht wieder besetzt.

In großem Umfang setzte ZF auf Kurzarbeit. Weil es dieses flexible Instrument der Beschäftigungssicherung nicht an allen Auslandsstandorten gibt, wurden hier eine Reihe von Umstrukturierungen und Produktionsverlagerungen in die Wege geleitet. Teilweise wurden Standorte geschlossen und den Mitarbeitern sozialverträgliche Lösungen angeboten. In der Folge sank die Zahl der internationalen ZF-Produktionsgesellschaften von 125 auf 123 in 27 Ländern.

Hohe Priorität hatte bei Deutschlands drittgrößtem Autozulieferer das Thema Liquidität. „Mit einer soliden Eigenkapitalquote von 38 Prozent und einer Nettofinanzposition in Höhe von nahezu einer Milliarde Euro fühlen wir uns gut gerüstet für die Zukunft“, betonte ZF-Chef Härter. Gesichert werde diese hohe Liquiditätsrate zum einen durch eine solide Finanzierungsvorsorge über Kredite, zum anderen durch ein umfangreiches Sparprogramm. Konzernweit liegen die Einsparungen bei jährlich 600 Millionen Euro. Kostenreduzierungen gab es unter anderem innerhalb der Materialwirtschaft, bei Verwaltung und Vertrieb, bei Investitionen und beim Personal.

Trotz des schwierigen Geschäftsverlaufs im Jahr 2009 sei es ZF laut Unternehmensangaben gelungen, die eigene internationale Marktposition zu festigen und die Technologieführerschaft auszubauen. So startete im vergangenen Jahr der Serienanlauf der neuen 8-Gang-Automatgetriebe-Baureihe in Saarbrücken. Die Kraftstoffeinsparung mit diesem neuen Getriebe betrage sechs Prozent gegenüber der Vorgängergeneration. Weiteres Beispiel für Produktinnovationen von ZF sei das gemeinsam mit Porsche entwickelte weltweit erste Doppelkupplungsgetriebe mit einer Start-Stopp-Funktion. In Serienfahrzeugen verfügbar ist seit 2009 auch Hybridtechnik von ZF. In der Hybridvariante der Mercedes-Benz S-Klasse kommt beispielsweise das Hybridmodul DynaStart von ZF Sachs zum Einsatz. Im BMW 7er Active Hybrid ist das Modul in das 8-Gang-Automatgetriebe integriert. Für kleinere Fahrzeugklassen hat ZF zudem 2009 die Studie eines Stufenautomatgetriebes für Fahrzeuge mit front-quer eingebauten Motoren vorgestellt.