| von Christian Klein
Aktualisiert am: 18. Sep. 2017
Peter Fintl von Firma Altran im Exklusiv-Interview mit Herrn Christian Klein.
Fintl: "Wir sehen noch Bedarf an verbesserten Analystics- und Social-Funktionen als Schlüssel zu Entwicklungseffizienz". Bild: Robert Sommerauer/pixelmaker.at

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Parameter sind neben Schnelligkeit noch wichtig?
Ein maßgeblicher Parameter für alle OEMs ist natürlich die Entwicklungseffizienz. Die Erfahrung lehrt, dass durch geschickte Zusammenstellungen und Zuweisungen der Entwicklungspakete an Dienstleister immer noch erhebliche Einsparungen möglich sind. Wir sehen, dass gerade Hersteller, die bevorzugt die kleineren Fahrzeugsegmente bedienen und die einem viel höheren Kostendruck ausgesetzt sind, sich dem Thema Core/Context schon frühzeitig gewidmet haben. Und in der Folge sehr effizient entwickeln können.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Altran hat 2016 in Paris eine zusammen mit Jaguar Land Rover entwickelte, offene Softwareplattform für intelligente Fahrzeuge und Maschinen vorgestellt. Wie ist der Stand der Dinge?
Eine der Anwendungen, die wir auf dieser Software-Plattform gezeigt haben, war eine Fahrzeugsimulation, um den Anwendungsfall automatisiertes Fahren zu beschreiben. Eine wichtige Fähigkeit  dieser  Plattform besteht darin,  eine sanfte Migration existierender Codes von bestehenden Steuergeräten hin zu einer Domain-Controller Architektur zu ermöglichen.  Genau das wird derzeit in Richtung Serienreife weiter entwickelt. Die klassische Architektur von bis zu hundert im Fahrzeug verteilten Steuergeräten stößt bei komplexen Systemen ja in jeder Hinsicht an ihre Grenzen. Altran hat mit JLR einen Partner gefunden, der diese Anforderungen ähnlich sieht.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Blicken wir auf den Produktentstehungsprozess: Was zeichnet zukunftsfähige CAD- und CAE-Systeme aus?
Der Schlüssel ist hier aus unserer Sicht in jedem Fall eine durchgängige Plattform für Design, Simulation und Kollaboration. Das ist ganz wichtig. Die Entwicklung wird ja immer stärker verteilt, nicht nur vom OEM zum Zulieferer, sondern auch noch geografisch auf alle möglichen Entwicklungsstandorte. Und das betrifft nicht nur die Software, sondern auch die existierenden Prozesse wie Freigabeprozesse. Die müssen ganz dringend mitgezogen werden. Ebenso sehen wir noch Bedarf an verbesserten Analytics- und Social-Funktionen als Schlüssel zu Entwicklungseffizienz. Ein großer Trend im Kontext der Entwicklung derartiger Plattformen färbt sozusagen auf die Automobilindustrie ab: die Fähigkeit, aus der Entwicklungsplattform heraus auch später dann noch die Internet-der-Dinge-Plattform mit zur Verfügung zu stellen und die benutzte Entwicklungsplattform auf die Nutzungsphase der Produkte auszudehnen. Die so gewonnenen Daten können auch neue Geschäftsmodelle ermöglichen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Stichwort Produktionsprozesse: Wo stoßen Sie auf den größten Informationsbedarf, wenn es um die Smart Factory geht?
Das Thema Smart Factory, Industrie 4.0, steht bei allen führenden OEMs und Tier1 auf der Tagesordnung. Neben den ganz großen Leuchtturm-Beispielen, auf die jeder OEM und jeder Tier1 zumindest in einzelnen Produktionsschritten oder für eine einzelne schmale Produktreihe verweisen kann, sehen wir immer noch ein ganz großes Potenzial bei den klassischen Prozessthemen sowie in der Migration von Altsystemen, um die Datensilos in den einzelnen Produktionsschritten niederzureißen und den Datenaustausch über Systeme hinweg einfacher und schneller zu machen.