| von Christian Klein
Aktualisiert am: 18. Sep. 2017
Vita Peter Fintl, Altran

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Produktions-Zukunftsthemen will Altran besetzen, wie werden die zugehörigen Kompetenzen ausgebaut?
Wir  haben uns in Deutschland im Bereich Manufacturing bisher vorwiegend mit den Kernbereichen Digital Factory, Produktions- und Logistikplanung sowie Prozessberatung beschäftigt. Die Potenziale einer Smart Factory fordern es geradezu heraus, neu zu denken. Denn sie wirken sich in jedem Fall auch auf das Design und die Konstruktion der Produkte aus. Deshalb haben wir uns seit einiger Zeit – kommend aus dem Luftfahrtbereich – in einer Fachgruppe Advanced Manufacturing etwa auch Know-how rund um die gesamte generative Fertigung von Bauteilen und die dafür notwendigen Konstruktionsprinzipien aufgebaut. Und wir planen, uns hier weiter zu verstärken und unser Angebot kurzfristig weiter aufzubauen. Das ist sicher etwas, was wir binnen Jahresfrist angehen werden.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Audi hat jüngst das „Ende des Fließbands“ angekündigt. Ist das realistisch – zumal für die Volumenfertigung?
Der Vorstoß von Audi ist natürlich grundsätzlich zu begrüßen. Die Frage ist, ob sich mit den bestehenden Konstruktions- und Produktionsprinzipien die Fertigung wirklich so weit modularisieren lässt, dass das Ende des Fließbandes tatsächlich mit hohen Produktivitätsgewinnen verbunden ist. Wir glauben, dass eine Anpassung des Produktdesigns dazu notwendig ist. Mittelfristig sehen wir auch die Möglichkeit einer Abkehr von den heutigen Mega- hin zu Mikrofabriken.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was bedeutet das genau?
Die so genannten Micro Factories bedeuten dezentrale Fertigung in kleineren Stückzahlen. Das klingt  mit Blick auf den Automobilbau heute vielleicht utopisch, aber mittelfristig kann es für bestimmte Fahrzeugklassen Sinn machen.  Denn mit der zunehmenden Automatisierung der Fahrfunktion geht eine potenzielle Kommodifizierung der automobilen Mobilität und möglicherweise eine geänderte Kundenpräferenz einher. Daher hat sich Altran kürzlich gemeinsam mit der PSA-Gruppe an dem in Los Angeles ansässigen Unternehmen Divergent Technologies beteiligt, das eine Software-Hardware-Plattform entwickelt hat, die mit Hilfe des 3D-Drucks die Wirtschaftlichkeit und die Umweltauswirkungen der Entwicklung und Herstellung von komplexen Strukturen wie Autos radikal verändern kann.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie wird dieser Ansatz weiterentwickelt?
Altran und Divergent planen hier einen gemeinsamen Markteinstieg in den Vereinigten Staaten, Europa und China. Als weltweit tätiger Entwicklungspartner für Divergent wird Altran Engineering-Dienstleistungen erbringen, um Divergents Kernkompetenzen zu stärken.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was sind die Next Steps in Richtung von Altran 2020.Ignition? Ist die Einkaufstour schon beendet?
Die vier Treiber unserer Strategie sind augmented value, industrialized global shore, operational excellence und geographical expansion.  In diesem Zusammenhang werden wir unser Konzept der World Class Center sicher kurzfristig weiter ausbauen, um genau in den Zukunftsbereichen Digitalisierung, automatisiertes Fahren und Analytics noch stärker zu werden. Das heißt, hier wird man von Altran ganz sicher noch etwas hören.