Peter Mertens, Audi-Entwicklungsvorstand
Peter Mertens: "Superwichtig sind für uns die Ladezeiten. Wir wollen und werden signifikant besser sein als die anderen.". Bild: Audi

AUTOMOBIL PRODUKTION: Zum Beispiel?
Wir haben damit andere Möglichkeiten beispielsweise beim Batterie-Package, bei den Proportionen der Fahrzeuge und wir werden in der Zukunft in der Lage sein, Fahrzeuge flacher im Frontbereich zu machen sowie eine völlig andere Raumaufteilung vorzunehmen. Die Grenzen einer  Multitraktionsplattform sind da sehr viel enger. Dazu kommen Gewichtsvorteile.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie weit sind Sie mit der Umstellung der Produktion auf den Elektrobaukasten?
Wir haben ja in Brüssel ein komplettes Werk umgebaut, auch mit der Modulfertigung, das heißt, wir kaufen die Zellen, fertigen die Module in Brüssel. Das ist übrigens auch Wert, sich anzuschauen, super spannend. Ende August haben wir den Audi Summit in Brüssel mit der Weltpremiere des e-tron. Nehmen Sie sich ein bisschen Zeit mit und schauen Sie sich auch die Fertigung an. Wir stellen das Werk Brüssel also komplett um und haben ja auch die nächsten Elektromobile verortet in den deutschen Werken, insbesondere in Neckarsulm und in Ingolstadt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Gibt es zwischen dem MEB und dem PPE nicht dennoch einen großen Überlappungsbereich? Wenn man die Spreizung der von VW vorgestellten E-Modelle vom I.D. bis zum I.D. Buzz anschaut, dann reicht das Spektrum vom Polo- über das Passat-Format bis zum Bus. Würde da eine Adaptierung des MEB für den Premiumbereich nicht ausreichen? 
Nein, tatsächlich gibt es einen nur kleinen Überlappungsbereich. Entscheidend ist dabei nicht die Größe des Fahrzeugs. Wir sprechen bei den PPE-Fahrzeugen von anderen Anforderungen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ganz konkret welche?
Im Sinne von Höchstgeschwindigkeit, im Sinne von Beschleunigung, im Sinne von Reichweite, im Sinne von Geschwindigkeit des Ladens. Wenn Sie nicht 95, 100 Kilowattstunden oder ähnliche Größenordnungen in Batterien unterkriegen, bekommen Sie niemals die Reichweite und die Beschleunigungswerte, die wir als Audi brauchen und die Porsche braucht, um eine sportliche, nachhaltige Mobilität zu generieren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Steht die Reichweite in diesem Setting ganz oben auf der Agenda?
Die Reichweite ist ein wichtiges Thema, aber nicht das einzige. Superwichtig sind für uns die Ladezeiten. Für uns ist hier ganz klar: Wir wollen und werden da signifikant vorne sein.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Charging-Zeiten sind das Ziel?
Wir werden signifikant unter dem bleiben, was heute handelsüblich ist. Und handelsüblich sind um die 40 Minuten für den Ladevorgang von 20 auf 80 Prozent.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Aber es gibt doch schon Systeme, die das in 25 Minuten schaffen ...
Nein, es gibt keine. Zumindest nicht für eine 95 Kilowattstunden-Batterie. Im heutigen Angebot all unserer Wettbewerber gibt es aber nichts, was auch nur annähernd in die Richtung geht, die wir uns vorstellen. Unser Ziel ist eine Halbierung der aktuellen Ladezeiten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: AUTOMOBIL PRODUKTION: Bis wann?
Wenn wir mit der PPE 2021 so weit sind.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie Sie sagen, kommen die PPE-Fahrzeuge 2021. Nun wird aber bereits 2019 in China die NEV-Quote eingeführt. Wie wollen Sie das schaffen?
Darauf sind wir gut vorbereitet, eben durch elektrifizierte Modelle die – wie der e-tron – vom modifizierten MLB kommen. Zudem werden wir mit unserem Joint Venture-Partner FAW das Angebot verfügbarer E-Modelle erweitern und die Produktionskapazitäten erhöhen. Last but not least pushen wir in China wie auch in Europa die Plug-in-Hybride.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Schmerzt es Sie nicht, dass man in eine Übergangstechnologie, die Plug-in-Hybride eindeutig darstellen, relativ viel investieren muss. Sie haben ja durchaus Spardruck im Konzern …
Das mit dem Sparen ist ja relativ. Wir haben die größte Modelloffensive seit Bestehen der Audi AG vor uns und investieren im Volkswagen Konzern 34 Milliarden und davon einen Großteil in Elektromobilität und damit auch in Audi. Daher würde ich lieber von priorisieren als von sparen sprechen. Und um auf Ihre Plug-in-Hybrid-Frage zu kommen: Ich bin mir sicher, es schmerzt mich nicht. Fakt ist: Wir brauchen sie. Einfach deshalb, weil wir auch alle miteinander, und da nehme ich uns und mich persönlich überhaupt nicht aus, ein großes Maß an Verunsicherung und Unsicherheit haben, wie sich in Zukunft das gesamte Thema der Elektromobilität und der potenziellen Einfahrverbote in Städten, der Penetration von Diesel etc. weiter entwickelt.

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