Version EB Assist ADTF 3 des Entwicklungswerkzeugs
Die seit Januar 2017 verfügbare, erweiterte Version EB Assist ADTF 3 des Entwicklungswerkzeugs soll es Automobilherstellern und Zulieferern ermöglichen, hochautomatisierte Fahrzeuge zügig zu entwickeln, zu testen und auf den Markt zu bringen. Bild: EB

AUTOMOBIL PRODUKTION: Mit EB Assist ADTF zeigen sie überdies ein Software-Tool, mit dem Sie sich an die Entwickler hochautomatisierter Fahrfunktionen wenden. Worin liegen die Herausforderungen bei der Entwicklung solcher Software-Tools?
Zunächst einmal müssen die Tools für die Entwicklung leicht bedienbar sein, stabil und zuverlässig laufen sowie die vorhandenen Rechenkapazitäten effizient nutzen. Darüber hinaus sollte die entwickelte Software einfach portiert und auf dem Steuergerät in Serie gebracht werden können. Dies sind wichtige Grundpfeiler, die aber im Grunde für jedes Tool zur Softwareentwicklung gelten. In allen Bereichen, besonders aber in der Fahrerassistenz wächst die Komplexität der Software mit der zunehmenden Automatisierung von Fahrfunktionen deutlich. Daraus ergibt sich die besondere Herausforderung, diese Komplexität sinnvoll und verständlich abzubilden und das Softwaremanagement zu vereinfachen. Darüber hinaus sind an der Entwicklung hochautomatisierter Fahrfunktionen viele Personen beteiligt, die auch team- oder abteilungsübergreifend zusammenarbeiten müssen, wie beispielsweise beim Zusammenspiel von Daten aus verschiedenen Sensoren wie Kamera, Radar und Lidar. Ein Entwicklungstool muss die Grundlage für diese Zusammenarbeit schaffen. EB Assist ADTF (Automotive Data and Time-Triggered Framework) ermöglicht dies zum Beispiel durch ein gemeinsames Dateiformat, die Möglichkeit zur unabhängigen Programmierung von einzelnen Modulen sowie definierte Programmierschnittstellen für den Datenaustausch.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was leistet EB Assist ADTF und die Version 3 im Besonderen im Vergleich zu ihren Vorgängern?
EB Assist ADTF ist ein flexibles und erweiterbares Entwicklungs-Framework für Fahrerassistenzsysteme und hochautomatisierte Fahrfunktionen. ADTF sammelt und synchronisiert die Informationen aus verschiedenen Sensoren, wie Radar, Lidar und Kameras, und ermöglicht es, diese Daten in Echtzeit anzuzeigen, zu verarbeiten, aufzuzeichnen und wiederzugeben. Das Tool unterstützt sowohl Prototypen- als auch Serienprojekte und ermöglicht den einfachen Austausch von Daten und Modulen über offene Schnittstellen. Neu in EB Assist ADTF 3 ist die Fähigkeit zum Multi-Processing. Dabei ist die Software in mehrere Prozesse gegliedert. Wenn einer dieser Prozesse, wie etwa die Visualisierung, fehlerhaft ist, hat das, anders als bisher, keine Auswirkungen auf die Leistung der anderen Prozesse. Dadurch läuft die gesamte Software stabiler und zuverlässiger. Nutzer können außerdem eigene Softwaremodule ergänzen oder nicht benötigte Elemente aussetzen und so Rechenressourcen sparen. Ein weiterer Vorteil ist das überarbeitete Triggern von Funktionen. Dabei folgt das Programm beim Abarbeiten von Aufgaben nicht mehr zwangsläufig dem einmal in der Entwicklung festgelegten Vorgehen. Der Nutzer kann nun individuell festlegen, in welcher Reihenfolge und mit welchen zeitlichen Abständen die einzelnen Prozesse ausgeführt werden sollen - scheduling. Dadurch können die Entwickler effizienter arbeiten und sich stärker an den tatsächlichen Abläufen auf den Seriensteuergeräten orientieren. ADTF 3 kann außerdem mit der Version 2.14 parallel genutzt werden, was die Portierung von Modulen von der alten in die neue Version vereinfacht. Auch die Benutzeroberfläche wurde in der neuen Version verbessert.
Insgesamt gibt es kein Tool, das die gleichen Vorteile wie EB Assist ADTF bietet. Dadurch hat sich ADTF zu einem Quasi-Standard entwickelt, der von vielen Automobilherstellern gefordert und gefördert und als Grundvoraussetzung in ihren Lastenheften verankert ist. Diese einzigartige Marktabdeckung, fast zehn Jahre Erfahrung mit ADTF und die Zusammenarbeit mit so vielen Unternehmen, ermöglicht es uns, EB Assist ADTF schnell an die wachsenden Anforderungen der Industrie anzupassen und das Tool kontinuierlich zu verbessern. 

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welchen Anteil am Umsatz haben Software-Tools fürs automatisierte Fahren innerhalb des Hauses Elektrobit und wie wird sich dies in den kommenden Jahren entwickeln?
Die Bedeutung von automatisierten Fahrfunktionen bis hin zum autonomen Fahren steigt weiter an – das haben wir auch gerade auf der CES und in Detroit wieder gesehen. EB Assist ADTF und die dazugehörigen Toolboxen, die Entwicklungs- und Testumgebung von Elektrobit für diese automatisierten Fahrfunktionen, sind bereits jetzt ein wichtiges Standbein für EB. Wir erwarten in diesem Feld ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich in den nächsten Jahren.