| von Bettina Mayer

AUTOMOBIL PRODUKTION: Die laufen unter ‚Gefahrgut‘, richtig?
Li-Ion-Zellen gehören zu Gefahrgutklasse 9, so wie zum Beispiel auch Airbag-Module oder Gurtstraffer. Wir stellen unter anderem über geringen Ladezustand der Zelle den normgerechten 6-8- wöchigen Transport sicher.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Die Batterieproduktion in ihrem Werk in Tiexi, China, ist 1:1 das Gleiche, was Sie hier in Europa machen?
Tiexi ist ähnlich aufgebaut wie die jetzige Produktionslinie in Dingolfing und macht im Module und Batterien für die lokalen Hybrid-Modelle.

30% an Kosteneinsparung sind ab 2021 möglich - nicht nur auf der Batterieseite, sonder auf den Antrieb bezogen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Entwickeln Sie die Batterieproduktion in China oder in Dingolfing weiter?
Entwickelung und Produktplanung, wird in München in der Taunusstraße durchgeführt. Hier befindet sich auch der Prototypenbau. In Dingolfing wird nur produziert. Was wir in München entwickelt haben - die Anlagen, die Prozesse - werden 1:1 nach China transferiert und vor Ort in Betrieb genommen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie viel Kosteneffizienz können Sie mit dem Baukasten für die 5. Batterie-Generation heben?
Ungefähr 30 Prozent an Kosteneinsparungen sind ab 2021 möglich – nicht nur auf der Batterieseite, sondern auf der Antriebsseite. Auf der Batterieseite kommt es immer drauf an, wie die Volumeneffekte inklusive Umlageeffekte in den Jahren 2020 oder 2025 liegen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Verraten Sie mir die Stückzahlen, die Sie zur iNEXT-Einführung benötigen?
Zu Stückzahlen kann ich Ihnen in diesem Fall leider noch keine Angaben machen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Die Batterie wird im iNEXT immer im Unterboden sein, richtig?
Ja, die Batterie wird immer im Unterboden verbaut sein in allen Leistungsgrößen. Um hier möglichst viel Reichweite, also Batteriekapazität, hineinzubekommen, haben wir zwei verschiedene Akku-Formate entwickelt: flache und hohe. Die flachen verwenden wir für Limousinen, die hohen in unseren X-Modellen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Der Batterie-Baukasten und der dazugehörige Prozeßbaukasten sollen sicherstellen, dass die Kapazität innerhalb von 12 Monaten verdoppelt werden kann.
Das erste Fahrzeug, in dem wir eine Generation-5-Batterie verbauen werden, ist der angekündigte X3 BEV. Dann kommt der iNEXT und so weiter. Das heißt also, wir müssen schnell und flexibel sein. Sinnvollerweise investiert man nicht in 500.000 Einheiten im Jahr 2020 und wartet dann bis 2025, bis die 500.000 Stück gebraucht werden. Deswegen haben wir Punkte festgelegt, wo wir bestimmte Volumen innerhalb von 12 Monaten – wenn es neue Derivate gibt zum Beispiel – verdoppeln können. Wir wollen minimal bis zum richtigen Zeitpunkt investieren; können aber die Kapazitäten sehr schnell hochfahren, wenn nötig. Für die großen Komponenten wie E-Maschine und Leistungselektronik machen wir das gesamte Produktionskonzept inklusive Volumenplanung und den Lieferantenvereinbarungen so, dass wir eine steile Ramp-up-Phase fahren können.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und was passiert bis zur Generation 5?
Derzeit verbauen wir Batterien der dritten Generation. Die fünfte Generation erhält so ab 2021 aber bessere Zellen, Reichweiten von bis zu 700 Kilometern und E-Motoren mit einer Leistungsbandbreite von 100 bis 300 Kilowatt. Bis dahin setzen wir als Zwischenschritt Generation vier ein, die auch schon an der einen oder anderen Stelle mehr Reichweite und Leistung beinhaltet. Diese Technologie wird beispielsweise im BMW i8 Roadster und im Mini BEV verbaut. Mini und X3 bilden eine Art Übergangslösung, weil hier der Elektroantrieb in jeweils bestehende Plattformen integriert wird. Der X3 BEV bekommt jedoch schon die neue, hochintegrierte E-Antriebs-Einheit und auch den Hochvoltspeicher von der Generation 5. Im Klartext: Der batterieelektrische X3 in 2020 wird schon E-Maschine, Getriebe und Steuerungseinheit von der Gen 5 bekommen.
Neben der Akkutechnologie spielen außerdem eine „modulare Fahrzeugarchitektur mit vielfach skalierbaren und extrem flexiblen Komponentenbaukästen, die eine exakte Anpassung an die Wünsche der Kunden erlauben“, eine zentrale Rolle.