Hermann Bohrer (re.) im Gespräch mit Redakteur Frank Volk
"Unser Ziel ist es, neue Derivate und erforderliche Erweiterungen innerhalb von drei Wochen in den Fertigungsfluss einzubinden – ohne Störung des Betriebs" - Hermann Bohrer (re.) im Gespräch mit Redakteur Frank Volk. Bild: Fabian Kirchbauer/BMW

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie haben eben die drei Wochen als Ziel genannt, um ein Derivat in eine laufende Produktion zu integrieren. Wie lange dauert das denn heute?
So pauschal lässt sich das nicht sagen. Wie lange man letztlich braucht, hängt von der Werksstruktur ab. Aus meiner eigenen Zeit als Werkleiter weiß ich, wie schwierig das beispielsweise im Werk München ist, weil der Platz dort aufgrund der Innenstadtlage absolut ausgereizt ist. Es fehlt schlicht an nötigen Wechselflächen und es bedeutet jedes Mal einen riesigen Kraftakt, ein neues Derivat in die Produktion aufzunehmen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie dehnbar ist durch die definierte Struktur das Produktionsvolumen in San Luis Potosi?
Wir können die Kapazität nahezu stufenlos erhöhen, theoretisch auch verdoppeln, wenn das einmal nötig sein sollte. Grundsätzlich sehe ich eine Produktionskapazität von etwa 400.000 Einheiten pro Jahr als natürliche Grenze für eine Werksstruktur – unabhängig, ob in Mexiko oder anderswo auf der Welt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie starten mit einer installierten Kapazität von bis zu 150.000 Einheiten. Wie ist der Hochlauf zum Produktionsstart 2019 geplant?
Ja, wobei ich betonen möchte, dass es sich hierbei um die Maximalkapazität handelt, die wir sicher nicht im ersten Produktionsjahr erreichen werden. Unser Ziel ist ein schrittweises Erreichen der Kammlinie für die erste Schicht innerhalb von nur acht Monaten. Beim Hochlauf steht die Sicherstellung unserer Qualitätsansprüche im Vordergrund. Die Basis, dass dies gelingt, muss jetzt in der Planungsphase, in den frühzeitigen Trainings der Mitarbeiter und der Industrialisierung unserer Lieferanten gelegt werden...

…Digitalisierung, Elektrifizierung des Antriebsstrangs und die Prinzipien von Industrie 4.0 inklusive?
Ja, selbstverständlich.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie betonen, dass San Luis Potosi das modernste Werk im BMW Group-Verbund sein wird. Muss das inzwischen so sein, dass jedes neue Vollwerk auch immer gleich das modernste ist?
Ja absolut, das muss so sein. Mit jedem neuen Werk wollen und müssen wir die Weiterentwicklung unseres weltweiten Produktionssystems sicherstellen. Stillstand oder gar einen Rückschritt kann man sich nicht leisten. Wir produzieren in Mexiko ja im Wesentlichen nicht nur für Mexiko, sondern für die NAFTA-Region und darüber hinaus. Dazu muss das Werk in den Produktionsverbund integriert sein. Es darf letztlich keine Rolle spielen, in welchem unserer 31 weltweiten Produktionsstandorte das Fahrzeug produziert wird. Wir lernen mit jedem Werk. Ob das beim Aufbau von Leipzig oder von Tiexi gewesen ist. Und aus diesem permanenten Lernen ziehen wir unsere Schlüsse, entwickeln unser Produktionssystem weiter und planen entsprechend die Werksstrukturen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Lässt sich dieses Lernen in Effizienzzuwachs umrechnen? Mit welcher Steigerung rechnen Sie im Werk in Mexiko?
Wir streben mit jedem Werk nach Prozessoptimierung und einem stabilen Produktionsprozess. Das führt wiederum zu hoher Produktionsqualität und steigender Effizienz. Wie viel das in Prozenten ist, will ich derzeit nicht sagen. Es ist aber ein Sprung.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was ist die besondere Schwierigkeit oder die große Herausforderung beim Bau des Werks in Mexiko?
Es gibt jede Menge Herausforderungen, aber auch jede Menge Chancen. Wir haben hier sehr gute Partner auf der politischen Ebene, das Lieferantennetzwerk ist durch die etablierte Autoindustrie bereits gut entwickelt. Was sicherlich eine gewisse Herausforderung darstellt, ist die Weiterentwicklung der mexikanischen Infrastruktur, also zum Beispiel Straßen, Häfen oder der öffentliche Verkehr. Gleiches gilt für den Qualifizierungsaufwand unserer künftigen Mitarbeiter. Wir arbeiten daran, die Stärken der deutschen Kultur mit den Stärken der mexikanischen Kultur so in Einklang zu bringen, dass beide Seiten gewinnen. Wo man ein gutes Händchen braucht, ist, die richtigen Leute zur richtigen Zeit und mit den richtigen Fähigkeiten an den richtigen Platz zu bringen.

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