AUTOMOBIL PRODUKTION: Frau Horstmeier, die BMW Group legt in der Fertigung großen Wert auf die Themen Flexibilität und Reaktionsfähigkeit. Wie weit sind Sie diesbezüglich mit Blick auf die Umstellung des Antriebs-Produktionsnetzwerks?
Dazu muss man verstehen, dass wir uns im Moment in einer Parallelphase der drei Antriebsarten Verbrennung, teil- und vollelektrisch befinden. Auf der einen Seite müssen wir konsequent unsere Verbrennungsmotoren und die entsprechenden Produktionssysteme weiterentwickeln. Parallel dazu müssen wir das Thema Elektromobilität ergänzen und dort, wo es sinnvoll ist, die Synergien zwischen beiden Systemen nutzen. Auf der mechanischen Fertigungsseite leisten wir dies schon heute, etwa bei unserem neuen E-Antrieb. Die mechanische Bearbeitung des Gehäuses erfolgt am Produktionsstandort für Diesel- und Ottomotoren in Steyr in Österreich. Zudem haben wir bereits einige Mitarbeiter aus der Produktion der Verbrennungsmotoren in die E-Antriebs-Produktion überführt und qualifiziert, so dass bereits ein Austausch und eine Verbindung zwischen beiden Welten stattfindet, auch wenn die Produktionssysteme noch nicht verschränkt sind.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Gibt es diese Flexibilität auch zwischen den Diesel- und Benzin-Antrieben im Werk Steyr?
Absolut. Der Ottomotor, insbesondere der Vierzylinder, ist über alle Standorte hinweg das dominierende Flexibilitätselement. Hinzu kommt am Standort Steyr die Kernkompetenz für die Dieselantriebe - nicht nur in der Produktion, sondern auch in der Entwicklung. Dies hat uns enorm bei den Marktveränderungen in den letzten zwei Jahren geholfen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sehen Sie einen Switch vom Diesel in Richtung Plug-in-Hybrid?
Im Moment sehen wir eine vielfältige Entwicklung. Einerseits haben und bringen wir sehr gute Dieselmotoren auf den Markt. Es gibt also keinen Grund, vom Dieselkauf Abstand zu nehmen. Andererseits sehen wir natürlich Veränderungen durch Verunsicherung. Die Tendenz geht sowohl in Richtung des klassischen Otto-Verbrennungsmotors, als auch in die zunehmend attraktiveren Plug-in-Hybride mit rein elektrischen Reichweiten von zukünftig bis zu 100 Kilometern.   

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie haben Sie es geschafft, diese hochflexible Produktion in die bestehenden Produktionsprozesse zu integrieren? Mussten Sie auch völlig neue Prozesse aufsetzen?
Als wir 2013 das Baukastensystem für die Motoren entwickelt und das Produktionssystem dazu gestaltet hatten, erfolgte in der Montage ein radikaler Umbruch. Wir haben alle Montagelinien erneuert und damit sichergestellt, dass wir an allen Standorten ein kommunales Produktionssystem installieren. Das bietet uns heute genau die gewünschte Flexibilität.
In der mechanischen Fertigung haben wir die Basis dafür bereits vor zehn Jahren gelegt, indem wir neue Flexlinien installiert haben. Diese konnten wir dann nutzen, um auch den Baukasten-Motor zu integrieren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Bei den Verbrennungsmotoren besteht zwischen den Drei- und Vier-, sowie den Sechszylindermotoren ein hoher Gleichteilanteil. Wird es den ebenfalls mit Blick auf die  Elektrifizierung geben, etwa für Dämpfungseffekte bei  Nachfrageschwankungen?
Bei unseren Baukastenmotoren haben wir einen Gleichteileanteil von ungefähr 60 Prozent innerhalb des Brennverfahrens und in Höhe von 40 Prozent zwischen den Brennverfahren realisiert. Dies können wir auch gut auf den elektrischen Antrieb übertragen. Schon jetzt verfügen wir bei der heutigen Generation der elektrischen Antriebe über einen Baukasten. Wenn die Varianz in Zukunft zunimmt, werden wir diesen Baukasten auf die Stufe des heutigen Verbrennungsmotors führe. Damit schaffen wir auch die Möglichkeit abtauschflexibel zwischen den Standorten auf die Marktnachfrage reagieren zu können.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Mit Blick auf die V8- und V12-Zylinder-Aggregate: Wie sehen hier Ihre Gleichteilestrategie und die produktionstechnische Zukunft aus?
Für die V-Motoren haben wir ein flexibles Produktionssystem im Werk München installiert. Auch dort sind wir in der Lage auf Veränderungen in der Nachfrage genauso reagieren zu können, wie bei unseren Baukastenmotoren. Am Standort München ist das Thema gut aufgehoben. Dort gibt es eine hohe Identifikation, eine große Leidenschaft für diese Aggregate. Was immer der Markt von uns fordert, werden wir abbilden können.