Lorenz Glaab, Europa-Chef von Chery

Lorenz Glaab, Europa-Chef von Chery: "Für den Exceed arbeiten wir mit Top-Suppliern zusammen. Damit wollen wir sicherstellen, dass wir ein Weltprodukt haben." Bild: Chery

AUTOMOBIL PRODUKTION: Chery will auch aus China heraus expandieren. Welche Länder wollen Sie mit Ihrer Marke erobern?
Unsere Kernkompetenz war einst der Motorenbau. Vor 14 Jahren haben wir begonnen Fahrzeuge zu bauen und dann relativ schnell angefangen, diese auch zu exportieren: Asien, Afrika, Middle East, Russland, Südamerika. Wir sind die Nummer 1 unter den Exporteuren der chinesischen Autohersteller mit etwa 120.000 Einheiten pro Jahr. Jetzt sind wir an der Stelle, wo man entscheiden muss, was ist der nächste Schritt? Die Antwort darauf: Von der Produktentwicklung und vom Portfolio her wollen wir den Anschluss finden an die internationalen Spieler. Wir haben mit unserer Exeed-Modellreihe die richtigen Fahrzeuge, um die reifen, sehr anspruchsvollen Märkte der  Europäischen Union und Nordamerika zu erobern.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welches Preis-Level streben Sie an und auf welche Wettbewerber fokussieren Sie?
Wir wollen natürlich ein attraktives Angebot haben, aber wir werden nicht unter Preis verkaufen. Wir gehen mit drei Themen in diese Märkte: Erstens fokussieren wir uns auf die interessantesten Segmente wie Crossover und SUV. Zweitens wollen wir sehr stark Themen wie ADAS, Telematik und Künstliche Intelligenz spielen. Und drittens legen wir einen klaren Fokus auf New Energy. Das bedeutet, dass wir in Europa keine Standard- Verbrennungsmotoren anbieten, sondern immer einen Elektrifizierungsgrad haben wie bei Hybrid, Plug-in-Hybrid oder BEV.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wann kommen die Autos in Europa in den Verkauf?
In den nächsten Jahren. Der Marktstart in Europa ist keine ganz triviale Sache; wir müssen schon noch ein bisschen daran arbeiten: Kommunikation, Team-Building und Vertrieb. Wenn wir alle Strategien fest gezurrt haben, dann werden wir auch den genauen Zeitpunkt sagen können.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Dann suchen Sie aktuell Kontakte, um beispielsweise ein Händlernetz aufzubauen?
In der Tat. Wir sprechen mit interessierten Parteien.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Können Sie uns nicht in etwa den Zeitpunkt verraten, wann es losgeht in Europa?
Ich schätze, es wird zwei bis drei Jahre dauern.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie fokussieren damit auf Fahrzeuge von Wettbewerbern, die ebenfalls noch nicht auf dem Markt sind. Was ist das Ziel?
Wir wollen auf alle Fälle vorne mit dabei sein. Wir sehen bei New Energy sowie Telematik und Künstlicher Intelligenz niemanden, der hier Benchmark wäre oder gegenüber den anderen Marken schon weit voraus wäre. Das ist eine große Chance für uns.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wen sehen Sie denn für Ihr Modell Exeed als Wettbewerber?
Wir sehen uns zwei Cluster an. Einmal die japanischen Marken wie Mazda und Subaru von deren Design und der Positionierung her. Die sind sehr interessant. Zum anderen beobachten wir, was bei europäischen Marken wie Skoda und Seat passiert. Auch das sehen wir uns ganz genau an.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Chery hat sicherlich schon einige Erfahrung mit NEV-Fahrzeugen. Richtig?
Jawohl. Wir haben bereits 70.000 reine BEV verkauft. Wir haben drei Modelle im Markt und werden ein viertes Modell noch in diesem Jahr vorstellen. Unser neuestes Modell, der Arrizo5 Electric, hat eine Reichweite von 400 Kilometern. Da passiert in China viel. Und das sind Erfahrungen, die wir für unser Europa-Geschäft sehr gut nutzen können.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Warum belassen Sie es nicht bei Chery als Marke?
Wir bleiben ja bei Chery. Wir fügen nur eine zusätzliche - ich sage mal Modellreihe - ein: den Chery Exeed. Wir bauen keine neue Marke auf, sondern wir bleiben unter dem Chery-Dach. Das ist wichtig, weil wir sehr stolz auf Chery sind, das Image nutzen und ausbauen werden.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie viele Leute arbeiten jetzt schon am Europa-Markteintritt?
Für Design und Engineering haben wir bereits Leute in Europa entsendet, die nach der richtigen Location scouten und auch für den Aufbau des Teams sorgen. Denn wir wollen schon relativ schnell das Design und auch Engineering/Research in Europa haben - quasi als unsere Speerspitze. Sales und Marketing kommt dann etwas später nach.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sucht Ihr Scouting-Team nur in Deutschland oder in ganz Europa nach der richtigen Location?
Es muss nicht in Deutschland sein. Deutschland ist sicherlich ein besonders interessanter Kandidat, aber es gibt auch zwei, drei andere Länder für die wir uns interessieren.