| von Bettina Mayer

AUTOMOBIL PRODUKTION: Durch den Verkauf von Opel an PSA könnten Werke und Händler zur Verfügung stehen, die Sie übernehmen könnten. Wäre das eine Option für Chery?
Im Vertrieb gibt es zwei ziemlich extreme Pole. Die eine Variante wäre, dass wir einen relativ standardisierten Markteintritt über Importeure, Händler und Showrooms angehen. Die andere Variante wäre, wir verfolgen ein sehr destruktives Modell und verkaufen unsere Fahrzeuge nur online, also Door-to-Door-Delivery. Meine Einschätzung: Ich denke, wir werden irgendwo in der Mitte rauskommen. Denn alle destruktiven Modelle haben ihre Stärken aber auch ihre Schwächen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Können Sie Ihre Vision dazu verraten?
Ich persönlich denke, dass es bezüglich des Händler- und Importeurgeschäftes noch einige Komponenten gibt, die für Kunden einfach wichtig sind. Mittel- und auch langfristig geht es darum, den Kontakt zum Kunden zu pflegen und die „Fühlbarkeit“ des Produkts zu gewährleisten. Wie wir das konkret angehen und mit wem wir dann konkret zusammenarbeiten werden, wird sich noch herausstellen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Chery gilt als sehr Europa-orientiert, auch bezüglich seiner Zulieferer. Es gibt in Wuhu am Stammsitz sogar Zulieferer-Messen, die speziell auf deutsche oder internationale Zulieferer zielen. Sie orientieren sich auch in den Werken an der deutschen Sauberkeit…
Stimmt. Jetzt für den Exeed arbeiten wir wirklich mit den Top-Suppliern zusammen wie Bosch, Continental, Hella, Bentler oder Getrag. Damit wollen wir sicherstellen, dass wir hier ein Weltprodukt haben.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Werden Sie die Zusammenarbeit mit deutschen Zulieferern weiter intensivieren?
Wir arbeiten vermehrt mit globalen Zulieferern, zum Beispiel mit Valeo, zusammen. Deutschland ist natürlich ein großer Spieler im Automobilbau - sowohl im OEM-Bereich als auch im Zulieferer-Bereich. Wir stellen uns da gerade breit auf. Wichtig ist doch, dass wir die Produktsubstanz und das Fahrerlebnis liefern, das unsere Kunden erwarten bei einer Modellreihe wie dem Exeed.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Als Europa-Chef sind Sie auch der Personalchef. Wie akquirieren Sie wichtige Leute in Europa?Zunächst noch aus Shanghai heraus. In der Aufbauphase habe ich ja noch kein Office hier. Aber sobald wir die Strategie fixiert haben, wird das alles kommen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sind Ihre Zielgruppe allein klassische Familien?
Nicht ganz. Wir fokussieren auf den progressiven Mainstream. Das sind Leute,  die offen gegenüber neuen Marken sind, offen für neue Technologien und vielleicht auch ein bisschen frustriert darüber, wie der ein oder andere Autohersteller das Thema neue Technologien und Antriebe handhabt. Darauf werden wir uns fokussieren. Wir gehen nicht in die volle Breite, sondern gehen in vier oder fünf wirklich interessante Segmente. Wenn wir hier ein interessantes Angebot haben, können wir versuchen, diese modernen und recht offenen Menschen zu uns zu bringen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie bauen in Osteuropa ein Werk auf – für den Exceed?
Ja, wir bauen eine Produktion auf, aber nicht für den Exeed. In der ersten Phase, also bis die Reihe eine gewisse Größe erreicht hat, wird das ein Import aus China sein.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welchen Absatz planen Sie am Anfang?
Es ist noch zu früh, das zu sagen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Man sagte früher, ein Werk rechnet sich ab 250.000 Fahrzeugen pro Jahr.
Es geht auch ein bisschen darunter, aber ganz klar sechsstellig, also so in etwa 150.000 bis 200.000 Einheiten. Das ist eine Zahl, die wir im Visier haben. 

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