Thomas Eutebach und Martin Feuerstein, Constellium, über Status Quo und Zukunft von Aluminium.

Thomas Eutebach und Martin Feuerstein, Constellium, über Status Quo und Zukunft von Aluminium. Bild: Constellium

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Eutebach, Herr Feuerstein, wie ist Constellium innerhalb der Aluminiumunternehmen aufgestellt?
Martin Feuerstein:
Constellium ging aus den drei Unternehmen Pechiney aus Frankreich, der Alusuisse aus der Schweiz sowie Alcan aus Kanada hervor. Diese haben sich in einem längeren Prozess zur Alcan Inc. zusammengeschlossen, die wiederum von Rio Tinto übernommen wurde. Das Minenunternehmen war hauptsächlich am Geschäftsbereich Rohaluminiumerzeugung, an den Minen sowie den Schmelzereien interessiert. Später wurden die Bereiche der Halbzeugfertigung (Walz- und Extrusionswerke) in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert, die heutige Constellium. Wir sind in den drei Bereichen Luftfahrt, Verpackung und Automobil tätig und in den meisten für uns relevanten Märkten entweder die Nummer eins oder die Nummer zwei. Im Wesentlichen geht es um Walzerzeugnisse, Bleche und Folien sowie extrudierte Profile. Im Bereich Automobil dreht sich das Geschäft hauptsächlich um Bleche für die Außenhaut sowie Strukturbauteile und Baugruppen aus Profilen, etwa für das Frontend und den Schweller.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie hoch ist der FuE-Anteil in Ihrem Unternehmen?
Thomas Eutebach: Wir können keine exkaten Zahlen nennen, einmal aus Gründen der Geheimhaltung und zum anderen, weil FuE bei uns zu grossen Teilen anwendungsorientiert in den jeweiligen Business Units stattfindet, wie auch in großen Kooperationen. Nennen möchte ich hier gerne unser Technology Center in Voreppe, in dem wir an Sheets forschen und Materialien entwickeln. Im Bereich Automotive Structures haben wir eine sehr intensive Bindung zur Brunel-Universität in London, mit der wir anwendungsorientiert forschen.

Die Aluminium-Produkte unterliegen hohen Standards im Qualitäts-Check: Endkontrolle CMS bei Constellium in Gottmadingen. Bild: Constellium
Die Aluminium-Produkte unterliegen hohen Standards im Qualitäts-Check: Endkontrolle CMS bei Constellium in Gottmadingen. Bild: Constellium

AUTOMOBIL PRODUKTION: Aluminium ist ein teueres und energetisch aufwendiges Material. Wie wichtig ist das Thema Recycling bei Constellium?
Thomas Eutebach: Gerade weil Aluminium bei der Herstellung einen hohen Energieaufwand erfordert, ist es zwingend notwendig, auf Recycling zu setzen. Um Ihnen eine ungefähre Größenordnung zu geben: Für recyceltes Material benötigt man nur etwa gut fünf Prozent der Energie im Vergleich zur Herstellung von Primäraluminium. Im Moment gibt es aber eine natürliche Grenze beim Einsatz von Recyclingmaterial, da der Markt stark wächst und so viel Recycling-Material gar nicht nicht hergibt. Wir setzen aber wo immer wir können recyceltes Material ein.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Im Wettbewerb hört man von Anteilen bis zu 75 Prozent bei Recycling.
Thomas Eutebach: Eine exakte Zahl können wir leider nicht nennen. So viel aber: In einem stark wachsenden Markt kann man freilich nicht 100 Prozent Recycling-Material einsetzen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Helfen dann besondere Verfahren, um zumindest den Energieeintrag sowie die Kosten bei der Fertigung neuen Aluminiums in Grenzen zu halten?
Martin Feuerstein: Als Weiterverarbeiter und Halbzeug-Erzeuger kaufen wir das Material von Schmelzereien, von Rohaluminiumherstellern ein und sind dabei auf deren Politik angewiesen. Aus meiner Tätigkeit bei der Alusuisse weiß ich jedoch, dass Hersteller ihr Roh-Aluminium dort erzeugen, wo sie günstigen Strom beziehen. Günstig heißt grüner Strom, nicht Atomstrom, sondern Strom aus Wasserkraft. Daher findet man viele Schmelzereien in Norwegen, in Kanada oder in Island, wo Strom auch über thermische Prozesse erzeugt wird. Die Aluminiumkonzerne gehen mit ihren Umschmelzereien an diese Standorte, um dort das Primär-Aluminium herzustellen. Man kann nun argumentieren, dass der Strom auch anderweitig genutzt werden könnte. Dies stimmt aber nur bedingt, denn auch der Strom muss ja transportiert werden.