| von Christian Klein
CTO Schuler Stephan Arnold im Exklusiv-Interview.
CTO Schuler: "Wir werden bald auch virtuelle Inbetriebnahmen und virtuelle Schulungsmöglichkeiten anbieten." Bild: Schuler

AUTOMOBIL PRODUKTION: Täuscht der Eindruck, oder ist es um Carbon als Karosseriebauwerkstoff tatsächlich etwas ruhiger geworden?
Der Punkt ist: Man hat keinen griffigen Ansatz, wie man hier signifikant mit den Kosten in wirtschaftliche Bahnen kommt – so unglaublich phantastisch die Eigenschaften dieses Materials auch sind.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Hier aus Ihrem Büro hat man einen guten Blick auf den Rohbau des neuen, 54 Meter hohen Schuler  Innovation Tower. Was entsteht da genau?
Hier wird unser neues Ingenieurs- und Technologie-Zentrum untergebracht. Wir werden hier ein Future-Lab einrichten, das sich mit eben diesen Themen wie Materialmix und Smart Press Shop auseinandersetzen wird. Mit einem Volumen von über 40 Millionen Euro stellt der Innovation Tower die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Unternehmens und damit auch ein klares Bekenntnis zum Technologie-Standort Deutschland dar. Die Bauarbeiten schreiten planmäßig voran, sodass voraussichtlich ab Sommer 2017 rund 750 Beschäftigte in den Neubau einziehen können.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Vom erklärten Premium-Technologiestandort Deutschland aus hat Schuler erkennbar neue Wachstumsmärkte in China und aufstrebenden Entwicklungsländern im Visier. Wie ist hier die Rolle der chinesischen Schuler-Tochtergesellschaft Yadon definiert?
China ist als Land mit einem Wirtschaftswachstum von immer noch sieben Prozent für uns ein sehr interessanter Absatzmarkt. Wir haben dort in Summe sehr viele Kunden, die sich letztendlich aus unseren Premiumkunden rekrutieren. Das heißt, wir beliefern die klassischen OEMs in China und auch die klassischen Tier 1, welche  die Qualität unserer Produkte schätzen und in ihren chinesischen Fertigungsstätten genauso einsetzen wollen. Die Qualitätsansprüche zum Beispiel an Getriebeteile, die aus unseren Pressen kommen, sind in China dieselben wie bei uns.

Auch im Reich der Mitte steht die flexible und wirtschaftliche Teilefertigung im Mittelpunkt der Automobil- und Zulieferindustrie. Besonders die Schneid- und Umformsysteme mit Servodirekt Technologie bieten hier neue Möglichkeiten, da die Stößelbewegungen individuell programmierbar sind. Als langjähriger Entwicklungspartner von Beijing Benz Automotive BBAC haben wir bereits im ersten Jahr nach der dortigen Einführung der Servo-Pressenlinie im Jahr 2015 den BBAC Innovation Award erhalten.

Es gibt aber in China auch sehr viele Anwender, die nicht so ausgeprägte Qualitätsanforderungen haben. Die mehrheitliche Übernahme der chinesischen Yang-zhou Metal Forming Machine Tool Company – Yadon – eröffnet uns nun Zugang zu einer großen chinesischen Kundengruppe, die wir bisher nicht bedient haben. An drei Standorten fertigt Yadon mechanische Pressen für die Metallumformung wie beispielsweise C-Gestell-Pressen, Stanzautomaten und Pressen in Zugankerbauweise. Damit erweitern wir unser Produktprogramm im mittleren und unteren Preissegment.

Vita Stephan Arnold, Schuler

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ist ein Produktionsverbund mit Yadon geplant?
Die Fähigkeiten von Yadon, preiswerte Pressen zu erzeugen, ist eine Eigenschaft, die uns sehr wichtig ist, um den chinesischen Markt weiter zu erschließen. Das Unternehmen wird sich sicherlich auch technologisch weiterentwickeln und dabei werden wir auch Hilfestellung geben. Wir haben aber nicht vor, Schuler-Pressen im chinesischen Markt in Zukunft von Yadon bauen zu lassen – auch nicht umgekehrt – oder dort ein rein deutsches Management zu installieren. Abnehmer von Schuler-Pressen in China werden weiterhin aus unserer Fertigungsstätte in Dalian bedient mit all den Abläufen, die auch in Europa üblich sind. Und all die Kunden, die wir dort über Yadon dazugewinnen, werden durch unseren Support noch bessere Pressen bekommen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: In was wird Schuler in nächster Zeit investieren?
Mit dem Hot Stamping TechCenter in Göppingen und dem Servo TechCenter Tianjin in China haben wir im Jahr 2016 gleich zwei Vorführ- und Referenzzentren eröffnet. Unsere hochmodernen Anlagen dort stehen für Versuche oder praxisorientierte Schulungen sowie zur Ausweichfertigung bereit. Auch in Zukunft werden wir alles daran setzen, unseren Kunden dabei zu helfen, noch produktiver und damit erfolgreicher zu werden.