Axel Schmidt, Accenture

Axel Schmidt: "Eine vielversprechende Ausbau-Strategie in Zusammenhang mit Ladestationen ist die, die Wettbewerb forciert und begünstigt." Bild: Accenture

| von Werner Beutnagel

Herr Schmidt, Welche Branche wird beim Ausbau der öffentlichen und privaten Ladeinfrastruktur den Ton angeben?

Hierbei gibt es keine Schwarz-Weiß-Antwort, da dieses Rennen noch lange nicht abgeschlossen ist. Betrachtet man den Status Quo, ist eher das Gegenteil der Fall. Aktuell lässt sich beobachten, wie bereits existierende Akteure ihr Engagement massiv ausbauen, beispielsweise die Bundesregierung mit dem jüngst diskutierten Konzept, dass mit knapp zwei Milliarden Euro bis Ende 2023 rund 1000 Ladestationen an Autobahnen, aber auch in abgelegenen Regionen aufgebaut werden sollen. Dazu kommen weitere Subventionen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro, die bis 2024 autonomes fahren, alternative Antriebe und neue Mobilitätskonzepte fördern sollen. Aber auch bislang eher verhaltene Player, wie die Betreiber konventioneller Tankstellen investieren massiv in den Ausbau von Ladestationen.

Welche Rolle spielen die Autohersteller langfristig in diesem Zusammenhang? Etwa über das Joint Venture Ionity bauen die OEMs eigene Schnellladestationen auf, an den eigenen Standorten entstehen ebenfalls Charging Points. Reicht das Angebot der Autoindustrie aus, um im Markt für Ladedienste konkurrieren zu können?

Eine vielversprechende Ausbau-Strategie in Zusammenhang mit Ladestationen ist die, die Wettbewerb forciert und begünstigt. Szenarien, in denen eine Industrie voranpirscht, um Infrastrukturprojekte umzusetzen, wird insofern nicht den gewünschten Effekt einer flächendeckenden Verfügbarkeit erbringen. Vor diesem Hintergrund begrüßen Verbraucher die Tatsache, dass die Automobilindustrie, die Energiewirtschaft, die Bundesregierung und weitere Parteien gemeinsam an einem Strang ziehen und Elektromobilität für Jedermann bereitstellen. Nichtsdestotrotz ist das Engagement der Automobilindustrie zweifellos bemerkenswert, insbesondere wenn man bedenkt, dass es weit über Joint Ventures hinaus geht. Aktuell gibt es Initiativen, die von einzelnen OEMs parallel und mit Milliarden-Investments durchgeführt werden. Wie eingangs erwähnt, gibt es nennenswerte Initiativen, die auch mit durchaus signifikanten Summen aus öffentlicher Hand unterstützt werden, nur mahlen die Mühlen langsam. Insofern bedarf es des Speedboats der Privat-Wirtschaft.

Sehen Sie in Zukunft eher eine Konkurrenz mehrerer Player beim Angebot von Charging Services oder erwarten Sie eine schnelle Konsolidierung der Angebote auf wenige Player oder Plattformen?

Wie in vielen Zusammenhängen liegt der smarte Weg darin, einen Aggregator zu schaffen. Insbesondere in Marktsituationen, die beispielsweise eine separate Registrierung pro Ladesäulenbetreiber vorsehen, bei denen sich zudem auch noch die Zahlungsmodalitäten unterscheiden, was zu Widrigkeiten auf allen Seiten führt. Plattformen, die sich die große Anzahl verschiedener Betreiber zu Nutzen machen und einen standardisierten Service anbieten, beispielsweise mittels eines RFID-Chips, den ich mit meinem Benutzerkonto verknüpfe und somit bei einer großen Anzahl verschiedener Provider Strom beziehen kann, sind gut positioniert. Auch die einzelnen Betreiber profitieren hierbei insofern, als dass sie sich ohne Akquisitionskosten neue Zielgruppen erschließen können, wobei der Kunde von einer einheitlichen Benutzeroberfläche und Prozessen nativ an das Thema „Laden“ herangeführt wird - eine Win-Win-Win-Situation.

Zur Person

Axel Schmidt ist bei Accenture als Senior Managing Director und Industry Sector Lead seit 2017 für das weltweite Automotive-Geschäft des IT-Beratungs- und -Dienstleistungsunternehmens verantwortlich. Zuvor führte Schmidt das Europa- und das Deutschland-Geschäft des Bereichs. Axel Schmidt ist studierter Diplom-Ingenieur und stieg 1991 in das Beratergeschäft ein. Vor seinem Wechsel zu Accenture im Jahr 2012 war Schmidt 21 Jahre lang Partner bei Roland Berger.

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