Christian von Stengel, CEO von Germanedge.

Christian von Stengel befasst sich mit digitalen Wertschöpfungsketten, Industry 4.0, IoT, Plattformen, Blockchain, Analytics, Big Data und agiler Unternehmensführung. Bild: Germanedge

| von Götz Fuchslocher

Herr von Stengel, was ist ein Connected Worker?

Auch in einer hoch digitalisierten und automatisierten Produktion und der entsprechenden Supply Chain kann ein einzelner Mitarbeiter die Chance bieten, einen wesentlichen Unterschied zu erschaffen. Denn er bringt mit, was Maschinen heutzutage nicht bieten: Kreativität, Problemlösungswissen und Erfahrung. „Connected“ bedeutet in diesem Zusammenhang: Der Mitarbeiter wird mit Informationen versorgt, was dem klassischen Bild der Manufacturing Analytics entspricht. Aus unserer Sicht reicht dies jedoch noch weiter. Denn es gilt, den Mitarbeiter in einen Prozess einzubinden, ihn in die Lage zu versetzen, wirksam zu werden und Ergebnisse rückzukoppeln. Dies umfasst Bereiche wie den kontinuierlichen Verbesserungsprozess, das Alarm-Management oder die Maintenance von Maschinen. Informationen können statusorientiert sein, etwa wie Maschinen ausgelastet sind und wie die Qualität aussieht. Ein weiterer Informationstypus ist zukunftsgerichtet, also die Fragen danach, was eine Handlung letztlich bewirken wird. Dabei geht es um Simulationen. Hinzu kommt der Blick in die Vergangenheit.

Wie ist die Autobranche hier aufgestellt?

Was die Themen Automatisierung und Digitalisierung anbelangt, sind die deutschen und die europäischen OEMs sehr weit fortgeschritten. Die anderen ziehen jedoch stark nach. Gerade kleinere E-Mobilitäts-Unternehmen haben diese Themen von Anbeginn verinnerlicht. Die Coronapandemie hat hier zusätzlichen Schub verliehen. Jedoch kann ich heute auch noch kein Unternehmen benennen, das den Connected Worker so, wie wir ihn uns idealerweise vorstellen, realisiert hat. Die Realität sieht häufig noch so aus, dass auf Shopfloor-Ebene mit Excel und Flipcharts gearbeitet wird. Es gibt also noch sehr viel Potenzial. Auch wir selber sind dabei in einem fließenden Prozess und müssen unsere Software-Werkzeuge immer wieder den Bedürfnissen unserer Kunden anpassen. Es gibt nicht den einen für alle passenden Prozess.

Wie sieht der Prozess aus und über welchen Zeitraum erstreckt er sich?

Der ideale Prozess: Einfach mal anfangen! Dazu bedarf es Mut, nicht gleich das gesamte komplexe Gebilde abzubilden, sondern eine konkrete Aufgabe, eine Situation herauszugreifen und zu benennen, mit der man im Unternehmen beginnen möchte. Und die muss nicht zwingend die komplexeste sein. In der IT gibt es das Prinzip der Maturity Levels. Jede Stufe steht für einen entsprechenden Lernprozess, den es zu durchlaufen gilt. Anfangen und auch mal Fehler machen bedeutet, zu lernen, um letztlich die beste Version zu definieren. Die Rollout-Fähigkeit zu erreichen, ist aus unserer Erfahrung ein Prozess, der grob gesagt zwischen sechs bis 18 Monaten dauern kann.

Zur Person

Christian von Stengel ist seit 2018 CEO des mittelständischen Software-Hauses Germanedge, das sich mit der Produktion bis hinein in das Supply Chain Management befasst. Zu den Schwerpunkten des gut 300 Mitarbeiter starken Teams zählen etwa die Themen MES, die zentrale Anlagenüberwachung oder das Qualitätsmanagement. Weitere Schwerpunkte sind der Bereich Planung, das innerbetriebliche Logistikmanagement sowie der Connected Worker mit den Themen digitale Schichtbücher, digitale Checklisten und die digitale Morgenrunde.

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