AUTOMOBIL PRODUKTION: Ihre Mitarbeiter sind Ihnen jüngst – beim Projekt Mission E – schon einen Schritt entgegen gekommen. Wäre es dennoch nicht einfacher gewesen in Leipzig eine Produktion auf die grüne Wiese zu stellen, als nun in Zuffenhausen die nötigen Flächen irgendwo dazwischen zu drängen?
Es ist kein Geheimnis, dass wir verschiedene Standorte für die Produktion des Mission E geprüft haben. Dazu gehören Leipzig und auch einige Standorte im VW Konzern. Ein großer Vorteil bei einem so komplexen und innovativen Produkt ist die Nähe zu unserem Entwicklungszentrum in Weissach. Die Entscheidung für Zuffenhausen hat eine Signalwirkung für den gesamten Markt, für die Zulieferer und für das Land als Hochtechnologiestandort selbst. In Zuffenhausen schlägt das Herz von Porsche. Was wäre ein besserer Standort für ein Fahrzeug, das am Anfang einer neuen Porsche-Ära steht?

AUTOMOBIL PRODUKTION: Über Osnabrück gibt es gerade viele Gerüchte, ob es eventuell an Magna verkauft wird. Bleibt der Boxster dort?
Der Boxster wird zu 100 Prozent in Zuffenhausen gebaut. In Osnabrück fertigen wir derzeit noch den Cayman. Mit der neuen Generation des Boxster ziehen wir auch den Cayman nach Zuffenhausen. Das machen die Produktivitätsfortschritte möglich. In Osnabrück fertigen wir dann noch den Überlauf vom Cayenne; die Kapazitäten, die wir in Leipzig nicht abwickeln können.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie viele sind das?
Rund 20.000 Einheiten pro Jahr.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wäre das Entfallen der Produktion in Osnabrück für Sie dann denkbar oder nicht?
Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen. Osnabrück ist eine Fabrik, die sehr gut zu Porsche passt. Dort ist sehr viel Tradition, hohes handwerkliches Können vorhanden und ich habe sowohl in meiner Volkswagen- als auch Audi-Zeit hervorragende Erfahrungen mit Osnabrück gemacht.

Dr. Oliver Blume (48)

  • seit dem 1. Oktober 2015 Vorstandsvorsitzender Porsche AG

  • 2013 Vorstand Produktion und Logistik bei Porsche

  • 2009 Leiter Produktionsplanung der Marke Volkswagen

  • 2004 Leiter Planung und Vorseriencenterbei SEAT

  • 2003 Leiter Pilothallen bei Audi

  • 2001 Vorstandsassistent Produktion bei Audi; davor verschiedene Funktionen in Karosseriebau und Lackiere

  • Promotion im Bereich Fahrzeugtechnik an der Tongji Universitat inShanghai (China)

  • 1988 Maschinenbau-Studium an der TU in Braunschweig

 

AUTOMOBIL PRODUKTION: Porsche bildet mit Bentley und Bugatti eine Markengruppe. Bezüglich der Batterietechnologie soll Porsche aber mit Audi zusammenarbeiten. Wie passt das alles zusammen?
In der Markengruppe Sport/Luxus haben wir Plattformgemeinsamkeiten. Den so genannten Modularen Standard Baukasten (MSB) hat Porsche entwickelt, und er wird auch von Bentley künftig eingesetzt. Dadurch können wir viele Synergien nutzen. Das schließt aber nicht aus, dass Technikmodule, die wir für den Konzern entwickeln, auch von anderen Marken genutzt werden. So verhält es sich beispielsweise bei der Batterietechnologie: die ist nicht zwanghaft an Marken gebunden. Die Bildung von Markengruppen hat einen organisatorischen Hintergrund: nämlich Synergien innerhalb ähnlicher Marken zu erschließen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Aber hemmt Sie diese Verstrickung mit den verschiedenen Marken nicht? Meist wird durch die Komplexität alles auch schwerfälliger…
Wir sind aktuell dabei, mit den Bentley- und Bugatti-Kollegen diese Markengruppe zu strukturieren. Dabei konzentrieren wir uns auf Gemeinsamkeiten. Ein paar Beispiele: Wir definieren Qualitätsmethoden so, dass wir alle drei Marken mittels standardisierter Prozesse vorantreiben können, beispielsweise bei Fahrzeugerprobungen. Techniker, die an gleichen Themen arbeiten, können sich so viel schneller austauschen. Synergien gibt es sowohl auf der Produktionsseite als auch bei Vertriebs- bis hin zu Finanzthemen. Beim Aufbau der Markengruppe geht es weniger um ein bürokratisches Gerüst, sondern vielmehr darum, pragmatisch auf operativer Ebene mit den Kollegen von Bentley und Bugatti ein Team zu bilden. Es geht nicht um hierarchische Führung, sondern um eine gleichberechtigte und konstruktive Zusammenarbeit.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Die Medien behaupten, dass Porsche sauer auf Audi sei, weil die ihnen Dieselgate eingebrockt haben…
Von Zwistigkeiten kann keine Rede sein. Ganz im Gegenteil: Wir werden künftig noch enger zusammenarbeiten. Porsche ist immer noch ein verhältnismäßig junges Mitglied im Volkswagen Konzern. Von einer engeren Kooperation können Audi und Porsche nur profitieren.