Porsche CEO Oliver Blume im 911er. Bild: Porsche
Porsche CEO Oliver Blume im 911er. Bild: Porsche

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie haben angekündigt, die Fertigungstiefe wieder etwas zu erhöhen und manche Umfänge wieder inhouse zu machen. Außerdem wollen Sie künftig 90 Prozent der Außenhautteile aus Aluminium fertigen. Können Sie so manche hohe Investition künftig stemmen, weil Sie im Verbund agieren?
Ja, wir erhöhen die Fertigungstiefe dort, wo es Sinn macht. Wir haben im Sommer 2015 die Werkzeugbau-Sparte von Kuka übernommen. Das war ein ganz wichtiger Schritt im Hinblick auf die Entwicklung der Alu-Außenhautteile. Und es unterstreicht unsere konsequente Linie in Bezug auf den Leichtbau in der Zukunft. Ohne diese Übernahme hätten wir das nicht umsetzen können. Die Kapazitäten sind extrem begrenzt auf dem Markt und wir sehen eine enorme Chance. Die Fronthaube des Macan ist so ein komplexes Außenhautteil, das kann man nicht mehr mit klassischen Werkzeugen produzieren; da steckt sehr viel digitale Technik drin. Es werden intelligente Werkzeuge benötigt, weil sich die Aluminiumteile innerhalb des Pressprozesses durch den Wärmeeintrag verändern. Das lässt sich mit Sensorik steuern. Der Werkzeugbau ist für mich eine Zukunftstechnologie.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Da merkt man gleich wieder Ihre Leidenschaft für Produktionsthemen. Sie haben auch Investitionen angekündigt – insgesamt eine Milliarde Euro. Alles nur für Mission E?
Ja, 700 Millionen Euro fließen allein in den Standort Zuffenhausen. Der Rest in unser Entwicklungszentrum in Weissach und in die Umgebung.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und die genannten Pläne im Karosseriebau kommen obendrauf, richtig?
Im Rahmen der Standortsicherungsvereinbarung haben wir im Sommer 2015 eine weitere Milliarde Euro an Investitionen in den Standort Zuffenhausen beschlossen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Es kommen also weitere Investitionsentscheidungen in Kürze?
Die Investitionen sind bereits entschieden. Es geht jetzt vielmehr darum, die Investitionen für Zukunftsprojekte umzusetzen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie hoch sind die Investitionen für den neuen Panamera?
Diese belaufen sich auf rund 500 Millionen Euro.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was machen Sie im Vergleich zu Ihrem Vorgänger Matthias Müller ganz anders?
Auch wenn wir unterschiedliche Typen sind und mit unterschiedlichen Erfahrungen an Dinge herangehen, werde ich natürlich viele Themen fortführen, die Matthias Müller begonnen hat. Ich habe nicht den Zwang etwas zu ändern, nur damit es geändert wird. Zwei Schwerpunkte, um die ich mich verstärkt kümmern werde, sind Strategie und Innovationen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ihnen wird nachgesagt, Sie seien ein starker Teamplayer. Das war Matthias Müller eher nicht?
Das war bei ihm ganz genauso. Und da sind wir uns auch sehr ähnlich. Aber jeder hat seinen eigenen Arbeitsstil.

AUTOMOBIL PRODUKTION: War nicht auch sein Auftrag ein anderer?
Matthias Müller ist damals angetreten, um die Integration in den Volkswagen-Konzern zu gestalten und sich wieder auf das Produkt zu fokussieren. Mein Auftrag für die Zukunft ist es, die Tradition der Porsche-Produkte mit der Zukunft zu verbinden – hinsichtlich Elektromobilität, Digitalisierung und Konnektivität. Sprich: Die Tradition der Marke Porsche zu stärken und gleichzeitig mit all dem weiterzuentwickeln, was in Zukunft erforderlich ist.