Kerstin Meyer

Vor allem Autohersteller hätten es in der Hand, Materialen, Lieferkette und Fertigung von Batterien möglichst kilmafreundlich zu gestalten, meint Expertin Kerstin Meyer. Bild: Agora Verkehrswende

| von Michael Vogel

Frau Meyer, wen sehen Sie bei der nachhaltigen Batterie in der Pflicht?

Alle Akteure der Wertschöpfungskette – die Hersteller von Materialien und Komponenten, die von Zellen und Batterien und natürlich auch die OEMs.

An welchen Stellschrauben können vor allem die Autohersteller drehen?

Auch OEMs machen sich Gedanken, wie sie langfristig klimaneutral werden können. Sie haben einen Einfluss auf die Lieferkette der Batterie, welche Materialien verwendet werden und wie die Fertigungsprozesse ausgelegt sind, um möglichst effizient und klimafreundlich zu produzieren. Für die OEMs geht es beim Thema aber auch um die Qualität ihrer Produkte: Elektrofahrzeuge stehen für klimaschonende Mobilität. Dieses Versprechen müssen die OEMs für das gesamte Produkt einlösen, also auch für die Batterie.

Setzen die OEMs das bereits in ausreichendem Maße um?

Viele sind bestrebt, Verantwortung für die Umwelt und in der Lieferkette zu übernehmen. Nun liegt ja der Vorschlag der Europäischen Kommission für eine überarbeitete Batteriegesetzgebung auf dem Tisch. Er ist ein wichtiger Impuls, um das Thema weiter voranzubringen.

 

Sehen Sie weiteren Regulierungsbedarf?

Die erwähnte Vorlage spricht wichtige Aspekte an, wie den CO2-Fußabdruck der Batterie, das Recycling und die Verantwortung in der Lieferkette. Eine Regulierung auf europäischer Ebene hat allein schon deswegen Sinn, weil damit Investitionssicherheit fürs Recycling entsteht und sich Wettbewerbsverzerrungen verhindern lassen.

Die EU hat inzwischen in Sachen Batterie ein milliardenschweres Förderprogramm aufgelegt, auch mit Blick auf eine Kreislaufwirtschaft. Deutschland fördert das Thema nachhaltige Batterie unter anderem im Rahmen der Kompetenzcluster. Reicht das?

Zum jetzigen Zeitpunkt ist das schwierig zu beurteilen. Man muss auf die Ergebnisse warten. Die gestarteten Projekte sind zweifellos zu begrüßen.

Wann muss eine Sammel- und Recyclinginfrastruktur operativ sein?

Sicherlich in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts, denn in dem Vorschlag der EU sind bereits ab 2026 materialspezifische Recyclingziele vorgesehen. Dann sollte das System funktionieren und skalierbar sein.

Wie dezentral sollte es angelegt sein?

An den Details der Antwort arbeiten wir derzeit noch. Aber es ergibt auf jeden Fall Sinn, eine Recyclinginfrastruktur in den einzelnen Märkten zu etablieren, etwa in Europa. Dafür müssen auch die Sammelsysteme funktionieren. Studien zeigen, dass eine Kreislaufwirtschaft im Jahr 2030 bis zu zehn Prozent der Nachfrage nach wichtigen Batteriematerialien durch Recycling bereitstellen könnte. Allerdings sehen wir beim Sammeln von Gerätebatterien bislang eher ein ernüchterndes Bild. Auch bei Altfahrzeugen und Batterien besteht daher die Gefahr, dass sie aus Europa exportiert werden und nicht in den Kreislauf eingehen.

Zur Person:

Kerstin Meyer ist seit 2016 für den Projektbereich Antriebe und Fahrzeuge beim Think Tank Agora Verkehrswende verantwortlich. Unter anderem betreut sie hier das Thema Elektromobilität und dessen Rolle bei der Dekarbonisierung des Verkehrs. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Soziologin war vor ihrer Zeit bei Agora von 2014 bis 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bundestagsabgeordneten und verkehrspolitischen Sprechers der Grünen, Stephan Kühn. Davor arbeitete Meyer unter anderem als Referentin beim European Environmental Bureau (EEB) in Brüssel und als Senior Campaigner bei Transport & Environment (T&E), wo sie die Regulierung der CO2-Emissionen von Pkw begleitete.

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