Christian Neyrinck, Manager Innovation Europe bei Faurecia Seating

"Bei einem typischen Autositz mit Stoffbezug ist Stahl der größte CO2-Verursacher", sagt Faurecia-Experte Christian Neyrinck. Bild: Faurecia

Herr Neyrinck, bei Faurecia machen Kunststoffe einen Großteil der CO2-Emissionen aus. Im Rahmen des Projekts „Seat for the Planet“ arbeitet Faurecia Seating an neuen Materialien und einem ganzheitlichen Ansatz. Um welche Materialien handelt es sich dabei und wie nehmen diese Einfluss auf die Produktionsprozesse?

Die für den Autositz wichtigste Gruppe ist die der Polyurethan-Schäume. Sie machen neben Stahlstruktur und aus Stahl bestehenden Mechanismen den größten Beitrag zur CO2-Gesamtbilanz aus. Wir ersetzen die chemischen Ausgangskomponenten, wie etwa das Polyol, durch solche, die nicht Erdöl-basierend sind, sondern zum Beispiel aus Nahrungsmittelresten stammen. Wir sind in der Lage, Schäume zu produzieren, die einen Anteil von bis zu 20 Prozent an nicht Erdöl-basierten Rohstoffen haben und wir werden mittelfristig bis zu 80 Prozent erreichen. Mit einigen Kunden haben wir bereits konkrete Entwicklungsaktivitäten. Natürlich ist bei einem solch stark vernetzten Produkt wie dem PU-Schaum auch das Recycling von großer Bedeutung. Hierfür arbeiten wir an verschiedenen Projekten, unter anderem zur chemischen Aufarbeitung. Außerdem sind wir auch bei der Verwendung von PET-Fasern sehr weit fortgeschritten. Dieses Material kommt in hohem Maße in Getränkeflaschen vor, ist also verfügbar und kann in manchen Bereichen im Innenraum gute Dienste leisten.

Unter dem Überbegriff Kunststoffe findet man bei Autositzen vor allem Bauteile, die zur Verblendung des Sitzes dienen. Hier sehen wir einen Trend zum Einsatz von Granulaten mit einem hohen Rezyklat-Anteil. Hersteller haben sich darauf eingestellt und bieten bereits eine Auswahl solcher Güten an. Aus unserer Sicht ist der Einsatz von Naturfasern in Kunststoffen besonders interessant. Diese haben einen positiven Einfluss auf die CO2-Bilanz unserer Produkte, da beim Wachstum der Pflanzen CO2 gebunden wird.

Zu den Rohstoffen des Interieurs und speziell von Sitzen zählen weitere Materialien wie etwa Stahl. Welche Fortschritte kann Faurecia auf diesem Gebiet melden?

Stahl ist, wie bereits erwähnt, eine wichtige Komponente zur CO2-Reduzierung. Bei einem typischen Autositz mit Stoffbezug ist Stahl der größte CO2-Verursacher. Nur bei Ledersitzen ist der Sitzbezug für noch mehr CO2 verantwortlich. Die Stahlhersteller haben eine klare Roadmap zur CO2-Reduzierung: Bei den meisten ist CO2-neutraler Stahl bis 2050 das Ziel. Dabei gibt es, wie immer in der Branche, einige die schneller zum Ziel kommen werden als andere. Durch geschickte Auswahl unserer Lieferanten und Qualifizierung ihrer Güten sind wir in der Lage, die CO2-Bilanz der eingesetzten Stähle überdurchschnittlich zu verbessern. Technisch liefern wir einen signifikanten Beitrag zur CO2-Reduktion, indem wir in unseren Strukturen immer mehr hochfeste Stähle einsetzen. Dies erlaubt es uns, dünnere Bleche zu verwenden und so den Materialeinsatz signifikant zu reduzieren. Wir werden bereits in diesem Jahr erste gewichtsoptimierte Strukturen auf den Markt bringen und damit einen wichtigen Beitrag zur CO2-Einsparung leisten.

Wo kommen die Rohstoffe her und wie beziehen Sie - auch ganz generell - die Lieferketten mit in Ihre Überlegungen ein und wann werden wir erste Produkte aus diesen neuen Materialien erleben?

Darauf gibt es aufgrund der Heterogenität der Rohstoffe keine allgemeingültige Antwort. Wo es Sinn ergibt, haben wir bereits Verträge mit Material-Lieferanten und teilweise entwickeln wir auch gemeinsam mit Ihnen die nächsten Materialgenerationen. In anderen Fällen gibt es bereits gut entwickelte Rohstoffgruppen mit einer etablierten Lieferantenbasis, auf die wir unkompliziert zurückgreifen können. Es gibt auch Fälle, in denen wir in einem sehr frühen Stadium der Prozessentwicklung einsteigen. Zudem setzen wir auf Kooperationen mit universitären Partnern.

Zur Person

Christian Neyrinck, Manager Innovation Europe bei Faurecia Seating

Der studierte Maschinenbauer Christian Neyrinck blickt auf eine langjährige Erfahrung im Bereich Fahrzeug-Interieur zurück. Auf dem Gebiet der Front- und Rücksitze erstreckt sich seine Expertise von den frühen Konzepten bis zur Massenproduktion. Neyrinck war unter anderem Lead Engineer Structures Front & Rear Seats für die BMW Mini-Baureihe R56/55/57 und zeichnet sich für zahlreiche Erfindungen und Patentfamilien verantwortlich oder mit verantwortlich. Die Position des Manager Innovation Europa bei Faurecia hat er seit Juli 2018 inne.

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