| von Götz Fuchslocher

AUTOMOBIL PRODUKTION: Beim Rundgang durch die Herstellung waren E-Maschinen bekannnter Hersteller zu sehen. Ist es für GKN auch denkbar, E-Maschinen selber zu produzieren?
Wir werden bei der Elektromobilität unsere Fähigkeiten weiter ausbauen, so dass wir bei den Themen Elektromotoren, Inverter und Software 100 Prozent abdecken können. Technisch können wir dies schon heute, was uns natürlich bei sehr vielen Programmen helfen wird. Wir werden uns auf Technologien konzentrieren, bei denen wir die aktiven Teile eines Elektromotors direkt in unser Gehäuse mit einbauen, sodass wir dadurch nicht nur Vollteile bei der gesamten Systemkonfiguration haben - also was Kühlung, Montage, Gewichten und Baurahmen betrifft -, sondern auch mit Blick auf die Kostenseite, weil wir ein Gehäuse sparen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie sehen Sie bei GKN das Thema Wasserstoff? Woran arbeiten Ihre Ingenieure?
Früher oder später wird Wasserstoffe in der Mobilität eine geänderte Rolle spielen. Eines der Themen, die es bei Wasserstoff zu bewältigen gilt, ist der Speicher und da wir der Weltmarktführer im Pulvermetalbereich, dem Sintern sind, ist es naheliegend, dass wir uns um solche Produkte kümmern. Wir haben Prototypen gebaut für stationäre Anlagen, das sind so genannte Metall- Hydrid-Speicher, wo sie in verschiedenen Zyklen Wasserstoff speichern und wieder herausnehmen können. Diese Metall-Hydrid-Speicher arbeiten sehr gut und man kann in ihnen etwa die doppelte Menge Wasserstoff speichern wie im flüssigen Zustand, wobei natürlich die Betriebsbedingungen im Bezug auf Druck und Temperatur viel, viel einfacher zu handeln sind, wie beispielsweise mit Flüssigwasserstoff. Insofern glauben wir, dass dies ein weiterer Baustein für die Mobilität sein wird, wenn es darum geht, Brennstoffzellen zu verwenden. Für die Mobilität sehr interessant in den nächsten zehn, 15 Jahren.

GKN Driveline Werk Bruneck von oben
In Südtirol werden die neuen Produkte für den Antriebsstrang industrialisiert. Zudem ist dort auch das zentrale Datenmanagement ansässig. Bild: GKN Driveline

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wo sehen Sie mit Blick auf die Mobilität die größten Herausforderungen der kommenden Jahre? Ist es das Weiterpflegen des klassischen Verbrenners, ist es schon der E-Antrieb oder ist es das automatisierte Fahren?
Ich denke, dass der Weg zu einer wirklich nennenswert starken Reduktion von CO2 neue Technologien und neue Möglichkeiten bringen wird, mit denen jeder OEM und jeder Zulieferer umzugehen lernen muss. Dabei wird es dem einen leichter fallen, als dem anderen. Auf diesem Weg gibt es vorhandene Kapazitäten, Realitäten, die man nicht ganz so gerne aufgibt. Aber trotzdem: Es ist eine mordsmäßige Herausforderung für die gesamte Industrie, diese Chance zu nutzen und die gesamte Mobilität viel umweltfreundlicher, viel persönlicher und viel ethischer zu machen. Die Technologie ist schon sehr weit fortgeschritten. Sie zu industrialisieren und sie der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, ist sicherlich die größte Herausforderung.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie sehen Sie sich als Zulieferer denn beim Stichwort Ethik in der Pflicht?
Je mehr Stückzahlen sie produzieren und je mehr sie verkaufen, desto erfolgreicher sind sie im Markt. In der Zukunft wird dies aber vielleicht nicht mehr die einzige Messlatte sein. Womöglich wird es ja eine Einheit für Erfolg sein, wie viele Kilometer man elektrisch gefahren ist, oder wie viele Kilometer man Autos vermietet hat? Alle OEMs und Lieferanten, die Industrie gesamt, ist gefordert, vernünftige Antworten zu finden. Wir bei GKN freuen uns jedenfalls, dass wir da ein bisschen mitgestalten dürfen.

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