Seit 2007 ist German Wankmiller Vorsitzender der Geschäftsführung der Grob-Gruppe. Bild: Grob-Werke

Seit 2007 ist German Wankmiller Vorsitzender der Geschäftsführung der Grob-Gruppe. Bild: Grob-Werke

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Wankmiller, wer hinter die Kulissen weltweiter Motorenwerke für den Automobilbau blickt, begegnet oftmals Bearbeitungszentren mit dem Grob-Logo. Wie hat sich das Automotive-Geschäft in den vergangenen fünf Jahren entwickelt?
Die Firma Grob hat sich in den letzten fünf Jahren sehr stark entwickelt. Im Zeitraum von 2010 bis 2015 konnten wir die Leistung auf zuletzt über eine Milliarde Euro verdoppeln. Der Automotive-Anteil daran macht nach wie vor circa 90 Prozent aus. Das Wachstum war regional stark aus Asien getrieben. Unser Umsatzanteil in Asien und speziell in China hat im vergangenen Jahr circa 40 Prozent betragen, das heißt 40 Prozent aller Systemmaschinen verbleiben in China – meist sind das Joint Venture Unternehmen von VW und General Motors, aber auch eigenständige chinesische Hersteller wie beispielsweise Great Wall, Geely, Foton oder auch Chery.
Viele Anwender unserer Universalmaschinen wiederum sind Teil der Automobil -Zulieferindustrie und somit entstehen darauf auch wieder Automotive-Bauteile. Das entspringt auch häufig Empfehlungen der OEMs. Die wollen ihre etablierten Fertigungsprozesse dann auch bei der Vergabe etwa von Zylinderköpfen und Motorblöcken an Zulieferer auf gleichem Niveau abgesichert wissen. Und so kommen wir da als Lieferanten doch immer sehr schnell ins Gespräch.

 

AUTOMOBIL PRODUKTION 5/2016
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AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie integriert sich Grob in das internationale Marktgeschehen?
Wir sind weltweit vertreten und der Automobilindustrie mit Produktionsanlagen und Produktionswerken sukzessive in die Märkte vor Ort gefolgt. Aktuell produzieren wir neben dem Stammwerk in Mindelheim in drei Auslandswerken: in Brasilien (Sao Paulo), USA (Bluffton) und China (Dalian). Andere Standorte der Automobilindustrie begleiten wir durch Service- und Vertriebsniederlassungen. Die ziehen sich von Mexiko über die USA, nach England, Ungarn, Russland, Indien, China mit drei Standorten bis Südkorea. Das sind unsere Standorte, aus denen heraus wir mit entsprechender Mannschaft und mit Serviceleistungen die Automobilindustrie versorgen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Rolle spielt die Systemfähigkeit?
Der Automobilbau braucht stabile Fertigungsprozesse und Maschinen mit hoher Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit – und dies vor allem als Teil eines funktionierenden Systems. Deswegen sind kompetente Systempartner weit mehr gefragt als reine Maschinenlieferanten. Bei den Aufgabenstellungen sind etwa klimatische Bedingungen genauso zu berücksichtigen wie das Ausbildungsniveau und die Flexibilität der Mitarbeiter auf dem Shopfloor.
Wir machen aus konkreten Anfragen ein Komplettangebot und das erstreckt sich von den Maschinen und Spannvorrichtungen auch auf die Werkzeuge und periphere Automation. Dazu betrachten wir den jeweiligen Bearbeitungsprozess in seiner Gesamtheit. Das heißt, Grob ist im Entstehungsprozess eines Projektes vom Anfang bis zum Ende gesamtverantwortlich mit dabei. Und deswegen pflegen wir natürlich auch einen sehr guten Kontakt zu den Werkzeugherstellern. Oft fahren wir hier in Mindelheim, aber auch weltweit bei unseren Anwendern direkt vor Ort Versuche mit dem Ziel, Optimierungen zu erreichen.

Zur Person: Vollblut-Techniker
Der diplomierte Maschinenbauer German Wankmiller begann seine Laufbahn bei den Grob-Werken in Mindelheim 1989 als Assistent der Produktionsleitung. 1995 wurde er dort Montageleiter, drei Jahre später Betriebsleiter Produktion und 2003 schließlich Geschäftsführer Technik. Seit 2007 ist Wankmiller Vorsitzender der Geschäftsführung der Grob-Gruppe. German Wankmiller engagiert sich zudem im Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken VDW, im Fachverband Werkzeugmaschinen und Fertigungssysteme sowie der Forschungsvereinigung Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik.


AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Trends des Motorenbaus diktieren Ihren Entwicklern generell das Tagesgeschäft und welches Anforderungsprofil müssen sie bedienen?
Der Trend zum Downsizing plus Turboaufladung hält immer noch an. Die Automobilindustrie investiert zum Beispiel so gut wie gar nicht mehr in Produktionsanlagen für Achtzylinder-Motoren. Auch das Thema Gewichtsreduzierung beeinflusst den Motorenbau weiter. Es ist die Tendenz da, immer mehr Kurbelgehäuse von Grauguss auf Aluminiumausführung umzustellen. Darüber hinaus weisen die Aluminiumkurbelgehäuse keine eingegossenen Graugussbüchsen mehr als Lauffläche auf, sondern erhalten durch ein spezielles, komplexes Fertigungsverfahren eine beschichtete Lauffläche. Als sich der Technologiewandel an dieser Stelle abzeichnete, haben wir eine derartige Beschichtungsanlage entwickelt und auch gebaut. Das ist ein Paradebeispiel für kurze und schnelle Entscheidungswege in einem Familienunternehmen. Inzwischen haben wir bereits auch eine Anlage an einen Kunden in den USA verkauft und auch andere Automobilhersteller signalisieren Interesse an diesem Technologie-Konzept.