Avtodiesel, Jaroslavl, Motorenbau
Motorenbau bei Avtodiesel im russischen Jaroslavl. Grob zeichnet dort für den gesamten Bearbeitungsprozess verantwortlich. Bild: Jürgen Wolff

AUTOMOBIL PRODUKTION: Beunruhigt Sie das abflauende Wirtschaftswachstum in China?
Auch mit reduziertem Volumen ist China nach wie vor für uns der größte und wichtigste Partner. Was sich hingegen besser als erwartet entwickelt hat, ist der nordamerikanische Markt. Die „Big Three“, vor allem aber General Motors und Ford hatten nach der Krisensituation aus den Jahren 2008 und 2009 in der Folgezeit einen erhöhten Investitions-Nachholbedarf, der immer noch anhält.
Die US-Hersteller investieren überraschenderweise in den USA sehr viel in die Entwicklung neuer, kompakter Antriebsaggregate und neuer Antriebsstränge. Für deren Produktion waren durchweg neue Fertigungslinien notwendig, gekoppelt auch mit neuen Fertigungsverfahren. Das hat uns zahlreiche Neuaufträge beschert. Es wurde ja auch die Getriebegeneration komplett erneuert. In den USA sind ja Automatik-Getriebe sehr gefragt und die Automatik-Getriebe wurden umgestellt auf 8- und 9-Gang-Varianten in Kombination mit neuen Motoren. Die OEM-Aktivitäten in den USA strahlen auch immer ab auf Mexiko als verlängerte Werkbank beziehungsweise Zuliefererregion, ganz gleich ob es sich dabei um GM, Ford, VW oder Audi handelt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wann kommt die Meldung, dass Grob in Mexiko ein Werk baut?
Wir sind in Mexiko mit einer Vertriebs- und Serviceniederlassung mit circa 25 Mitarbeitern vertreten und haben in USA und in Brasilien zwei leistungsstarke Werke. Damit sehen wir uns auf dem amerikanischen Kontinent ausreichend vertreten. Nach China und nach USA steht für uns planungsseitig Indien als drittwichtigster Markt klar im Fokus.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Auch als Produktionsstandort?
Die Errichtung eines Grob Produktionswerks wird derzeit geprüft.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Nicht nur Märkte verändern sich, sondern auch Antriebskonzepte. Wie stellt sich Grob auf die erkennbaren Veränderungen im Antriebsstrang ein?
Für uns ist ganz klar erkennbar, dass sich ein Anteil alternativer Antriebe etablieren wird. Das sind vordergründig natürlich Elektroantriebe oder auch die Brennstoffzellentechnik. Damit einher geht ein anderes Spektrum an Bauteilen und Komponenten und für dieses Spektrum werden wiederum andere Maschinen und Herstellungsprozesse benötigt.
Die Firma Grob stellt sich ganz konkret auf die Elektromobilität ein und Elektromobilität heißt, dass entweder eine Kombination von Verbrennungsmotor mit E-Antrieb oder ein reiner E-Antrieb zum Einsatz kommt. Der Elektromotor erfordert natürlich Fertigungsverfahren, die ganz anders sind als Zerspanungsanlagen. Für die Herstellung des Elektromotors werden Einzugs- und Wickelmaschinen benötigt. Das heißt, der Stator eines E-Antriebs hat ein Gehäuse, in welches Kupferwicklungen eingebracht werden müssen. Für den Gesamtprozess der E-Motor-Herstellung benötigt man Montagelinien. Und eine weitere starke Kompetenz von Grob sind vollautomatische Montageanlagen. Auch da reichen unsere Referenzen zum Beispiel von Daimler über BMW und Volkswagen, bis zu General Motors und Ford. Und diese Anlagen sind für die Bedürfnisse einer Elektroantrieb-Montage in gewisser Weise vergleichbar. Der Elektromotor benötigt vollautomatische Montageanlagen und das ist eine Zukunftstechnologie, die Grob konsequent weiterverfolgt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Haben Sie konkrete Investitionspläne im Montageanlagenbereich?
Ja. Zum Beispiel fließen Investitionen in ein spezielles Entwicklungsteam, das sich nur mit der Elektrokomponente und den dazugehörigen Montageanlagen beschäftigt. Das heißt, diese neuen Maschinen werden in diesem Entwicklungsteam komplett entwickelt. Außerdem sind wir zu dieser Thematik auch mit Kooperationspartnern in Verbindung.
Hier in Mindelheim investieren wir ja auch in Produktionsfläche und dazu gehört eine große Montagehalle, die speziell für diese Montageanlagen vorgesehen ist, so dass wir auf einer Fläche von circa 15.000 Quadratmetern solche Montageanlagen komplett aufbauen und Kunden aus der internationalen Automobilindustrie im Detail live vorführen können.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Kommen die erwähnten Partner aus der Industrie oder auch aus dem Bereich der Institute und Hochschulen?
Beides ist der Fall. Wir haben Industriepartner für die Technologie, aber wir haben gerade im Bereich der Entwicklung und in der Einschätzung für die zukünftigen Anlagen einen sehr intensiven Austausch mit Universitäten, beispielsweise mit München oder Aachen.
Auch stehen wir in gutem Kontakt zum Fraunhofer-Institut. Das sind alles ganz wichtige Institutionen, die in der Forschung und Entwicklung Industriebetriebe wie uns unterstützen können.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wäre es denkbar, dass Grob auch einmal Know-how zukauft, also ein Unternehmen übernimmt?
Nein, das gehört nicht zur Strategie und Philosophie des Familienunternehmens Grob. Wenn wir eine neue Technologie oder eine neue Branche identifiziert haben, die für uns wichtig ist, wurde die Entwicklung für diese Maschinen oder Anlagen immer aus eigenen Kräften bewerkstelligt. Die Firma Grob hat noch nie ein anderes Unternehmen zugekauft und dann integriert. Das Wachstum von Grob erfolgte immer organisch, aus eigenen Ressourcen heraus – sowohl finanziell wie auch personell. Das bleibt auch in Zukunft so.

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