| von Frank Volk

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das bedeutet aber, dass es sich um kein total variables Verkehrssystem handelt?
Zumindest in den nächsten zehn, 15 Jahren wird es Beschränkungen geben. Ansonsten müsste ich ja, wenn ich wollte, mit dem Luftmodul auf dem Münchner Marienplatz landen können. Was aber sehr gut vorstellbar ist und das System insgesamt doch völlig variabel macht: sie landen an einem definierten Punkt und dann geht es mit dem Bodenmodul auf Rädern weiter.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Von welchen Geschwindigkeiten gehen Sie aus?
Sie müssen sich nochchmal verdeutlichen, dass wir von einem Konzept für Megacities sprechen. Das bedeutet ein Einsatzgebiet mit einem Radius von etwa 40 Quadratkilometern. Eine Geschwindigkeit von 100 Kilometern ist hier absolut ausreichend, ebenso in der Luft. Die Flugzeiten werden bei zirka 15 Minuten liegen. Dafür wären selbst die beschränkten Reichweiten heutiger Batterien ausreichend.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das heißt, die Kapazitäten sind heute schon ausreichend?
Wenn man auf die relativ kurzen Flug- und Fahrzeiten blickt, würde das ausreichen. Für einen wirtschaftlichen Betrieb ist es aber notwendig, längere Reichweiten darzustellen, um nicht nach jeder Tour nachladen zu müssen.

Vita von Jörg Astalosch
Vita von Jörg Astalosch. Bild: WP Steinheisser

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wo liegen aus technologischer Sicht die größten Herausforderungen?
Wenn Sie an einem sogenannten EV TOL-Fahrzeug  (electric vertical take-off and landing vehicle) entwickeln, hat man das Thema der  Landeplattform, der Sicherheitsvorschriften und nicht zu vergessen den regulatorischen Rahmen: Wir sprechen ja von vollautonomem Fahren in der Stadt, das dann absolut zuverlässig und sicher funktionieren muss. Wir möchten nichts unterstützen, was nicht 100-prozentig sicher ist. Deshalb haben wir bei der Bekanntgabe des Projekts in Genf mit Airbus von einem Realisierungszeitrahmen von sieben bis zehn Jahren gesprochen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ist die Partnerschaft mit Airbus auf die Projektphase beschränkt oder umfasst diese bereits eine spätere Industrialisierung des Pop-UP?
Wir sprechen aktuell von einer Forschungspartnerschaft und stecken in einem sehr fruchtbaren Austausch. Was kommt? Warten wir ab! Ich freue mich auf die weitere Entwicklung.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie ist aus Ihrer Binnensicht das Projekt überhaupt entstanden. Ist der VW-Konzern auf Italdesign zugekommen und hat gesagt: schaut Euch im Rahmen neuer Projekte zur Mobilitätszukunft diesen Punkt an oder kam der Anstoß von Ihnen?
Die Initiative ging von uns aus. Uns ging es darum aufzuzeigen, dass wir nicht nur die Automotive-Prozesse in unserer Rolle als Engineering-Dienstleister beherrschen, sondern dass wir auch in die Zukunft voraus denken und hier konkrete technologische Lösungen anbieten. Da bin ich sehr dankbar, dass der VW-Konzern mit Matthias Müller oder auch unser Präsident Herr Dr. Martens sehr offen für solche Initiativen ist. Wir haben dann sehr schnell realisiert, dass wir sehr viel besser und schneller in einem Netzwerk voran kommen und haben uns nach einem Partner umgesehen, der etwas vom Fliegen versteht. Der Weg zu Airbus als führendes Unternehmen war dann nicht mehr weit.