JLR-CEO Ralf Speth und AP-Redakteur Frank Volk
JLR-CEO Ralf Speth (li) und AP-Redakteur Frank Volk im Interview. Bild: Nick Dimbleby/JLR

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ein Schachbrettfeld – um im Bild zu bleiben – haben sie früh besetzt mit dem rein elektrischen I-Pace. Während andere solche Autos für 2019/2020 ankündigen, starten sie 2018. Ist das ein Coup für die Marke?
Ja. Ich denke schon. Vom gesamten Fahrzeugkonzept her sind wir der erste Hersteller, der ein solches Fahrzeug in dieser Konsequenz umsetzt. Wir haben das Konzept und das Package des I-Pace rein auf den Elektroantrieb ausgelegt, um die Freiheitsgrade dieser neuen Technologie zu nutzen. Ein zusätzlicher Gepäckraum vorne, langer Radstand, kürzere Überhänge, eine neue Designsprache -  und wir bieten ein größeres, eine Klasse höheres Raumangebot für die Fahrgäste speziell im Fond.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Rolle trauen Sie dem I-Pace zu?
Eine bereichernde - für den Kunden. Die gegenwärtige Situation im Bereich der Elektroautos sieht ja so aus, dass, wer Elektromobilität mit einem gewissen Premiumanspruch verbindet, nur eine sehr eingeschränkte Wahl hat. Jaguar ist die erste Alternative eines Herstellers mit Heritage. Ich bin sehr gespannt, wie sich das entwickelt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie bauen das Auto bei Magna in Graz. Ist produktionstechnisch die Struktur so angelegt, dass sie einen elektrischen Antrieb sukzessive auf weitere Modelle ausrollen oder ist der I-Pace erst einmal ein Einzelstück?
Ich glaube, dass die globale Mobilität noch für sehr lange Zeit parallel fahren wird.  Der Übergang von ICE zu ACE - von dem Internal Combustion Engine zum Autonomous, Connected und Electric System braucht es Zeit.  Das ist eine Herausforderung für alle Hersteller.  Gleichzeitig muss die heute konventionelle Technik mit den verbrennungsmotorischen Konzepten, Diesel oder Benzin verbessert und die Elektrifizierung und Hybridisierung entwickelt werden. Elektrifizierung wird über die Hybridisierung dann letzten Endes eingeführt werden. Wir gehen alle diese Wege, aber eben sehr spezifisch. Was für uns aktuell kein Thema ist, ist Wasserstoff. Die well-to-wheel Öko-Bilanz ist nicht gut genug.  Unsere Linie ist: über Hybrid zu batterieelektrischen Fahrzeugen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Aber geben es denn die genutzten Plattformen so wie sie demnächst im neuen Werk in Nitra/Slowakei eingesetzt werden her, parallel Fahrzeuge mit herkömmlichem und elektrischem Antrieb zu bauen oder setzen Sie in dem Bereich auf eine Vertragsfertigung bei Magna?
Unsere Fertigungsstätten sind so flexibel, dass wir auch in unseren bisherigen Werken in Großbritannien elektrische bzw. Hybridfahrzeuge bauen können.


AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie dringend brauchen Sie als Hersteller von höher motorisierten Luxus-Sportwagen (Jaguar) und Geländewagen (Land Rover) Elektromodelle, um künftige Flottenverbrauchswerte und Emissionsgrenzen zu treffen?
Insgesamt ist es so, dass für jeden Automobilhersteller, gleich welcher Couleur oder welcher Größe ohne die Hybridisierung und batteriegetriebene Fahrzeuge weder die in Brüssel noch in Kalifornien gesetzten Werte erreicht werden können. Dieser Druck würde noch stärker, sollte es, ausgelöst durch den Abgasskandal, zu einer Bewegung weg vom Diesel Richtung Benziner kommen.


AUTOMOBIL PRODUKTION: Ist der Diesel noch zu retten? Vor allem der Druck aus der gesellschaftspolitischen Ecke ist enorm. 
Ich bin nach wie vor überzeugt, dass ein Diesel, ein moderner Diesel mit einer modernen Abgastechnologie auch zukünftig eine Rolle spielen wird, weil er im Vergleich zum Benzinmotor nach wie vor CO2-Vorteile bei ähnlichen Leistungen bietet. In der Tat ist es aber so, dass Diesel durch Dieselgate massiv ins Gerede gekommen ist und darunter leidet; und damit die gesamte Automobilindustrie. Als Konsequenz erleben wir eine Bewegung weg vom Diesel. Ich glaube aber auch, dass der Diesel sich wieder stabilisieren wird und damit auch weiter einen wichtigen Beitrag zur Co2-Reduzierung leisten wird. Die Diskussionen sind angesichts der Ereignisse verständlich. Es ist aber weder volkswirtschaftlich sinnvoll noch  hilft es der Umwelt, wenn man die Luftverschmutzung ausschließlich auf einen Verkehrsträger abwälzt.


AUTOMOBIL PRODUKTION: In Ihrer Strategie zur Effizienzsteigerung spielt Leichtbau eine große Rolle?
Leichtbau ist für uns alle wichtig. Wir alle lernten einmal eine physikalische Formel. Diese gilt auch heute. Und, gleichgültig ob Leichtbau im Chassis oder im Motor oder in der Karosserie – eine Massenreduzierung reduziert den Energiebedarf. Wir leben das bei Jaguar Land Rover natürlich besonders, weil wir über eine langjährige Erfahrung mit Aluminium verfügen. Aluminium wird ein wichtiges Thema bei uns bleiben und das Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft.