AUTOMOBIL PRODUKTION: Haben Sie, wenn in Nitra die Produktion hochgefahren wird, das Netzwerk, um ihre Wachstumsziele zu unterstützen. Es war ja mal die Rede von 800.000 Einheiten jährlich?
Ach, ich kann mir Zahlen so schlecht merken. Aber im Ernst: Produziert Nitra, sind wir zunächst gut aufgestellt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Bei der Grundsteinlegung dort waren Sie sich mit Werksleiter Alexander Wortberg nicht ganz einig, was den Produktionsstart anbelangt. Wortberg hatte von einem Start im September 2018 gesprochen. Sie lächelten und sagten, Sie hoffen, dass es früher wird. Wie läuft es denn im Moment.
Ausgesprochen gut. Wir sind im Plan, und deswegen bin ich auch vorsichtig optimistisch, dass wir die Ziele erreichen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Also früh im Jahr 2018?
Früher, als im damals ausgerufenen Herbst. Aber bestimmend ist die Qualität. Eine Produktion in einem neuen Werk mit einer neuen Mannschaft anlaufen zu lassen bedeutet für mich, dass wir bedacht anfahren und nicht gleich auf Kammlinie am ersten Tag sein wollen, sondern stufenweise hochfahren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das sind dann 150.000 Einheiten.
Wir sind kein Massenhersteller und verkaufen von einem Fahrzeug 150.000 Einheiten. Deswegen brauchen wir natürlich mehrere Fahrzeuge um das Werk auszulasten. Damit wird sich natürlich auch das Hochfahren des Werkes ein bisschen länger hinziehen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Modelle werden in Nitra gebaut?
Das kündigen wir zu einem späteren Zeitpunkt an.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Eine unbestritten dominante Rolle spielt schon heute China. Wie sieht der Weg von JLR dort aus?
Das Geschehen dort ist für uns entscheidend. Im letzten Jahr wurden in China ca. 2 Millionen Premiumfahrzeuge verkauft. Wenn man den Vorhersagen glaubt, wird man im Jahr 2020, 2022 in China zirka 3,5 Millionen Premiumfahrzeuge verkaufen können. Der Markt ist heute ohnehin bereits der größte in der Welt und wird weiterwachsen. Deswegen ergeben sich in China ungemein viele Möglichkeiten. An dieser Entwicklung wollen wir natürlich teilhaben – allerdings immer abhängig von politischen und ökonomischen Themen, von denen niemand voraussagen kann, wie sich diese denn so entwickeln werden.


AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie haben in Qin Pang erstmals einen Chinesen zum China-Chef. Ist das auch ein Zeichen für die wachsende Bedeutung, die Sie dem Markt beimessen?
Ja. Dahinter steckt die ganz klare Absicht, dass wir die Kultur besser verstehen, und noch näher am Händler und am Kunden sein wollen. Wir wollen deren Bedürfnisse noch besser lesen und vor allem Trends früher verstehen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Als zentraler Faktor für den Erfolg in China gilt die lokale Fertigung. Wie ist JLR hier aufgestellt?
Wir haben erst vor wenigen Jahren angefangen in China eine Produktion mit unserem Partner Chery aufzubauen. Innerhalb von 28 Monaten lieferten wir mehr als 100.000 Fahrzeuge aus. Und das mit hoher Qualität. Das Team hat unsere Erwartungen übertroffen. Insofern sind wir ausgesprochen zuversichtlich, dass dieses Wachstum weiterhin anhalten wird. Heute bauen wir den Range Rover Evoque, den Discovery Sport und den XFL (LWB, Long-Wheel-base) hier. Der XFL ist übrigens unser erstes Fahrzeug, das explizit für den chinesischen Markt entwickelt wurde, hier gebaut und ausschließlich in China verkauft wird.

Vita von JLR-Chef Dr. Ralf Speth

AUTOMOBIL PRODUKTION: Mit dem was Sie in den letzten Jahren erreicht haben, sind Sie schon da, dass Sie sagen: wir sind eine echte Alternative zu den Premiumherstellern oder vielleicht sogar mehr?
Wir bieten für den Kunden bestes Britisches Design und solide Ingenieurleistung; schon ganz besondere Autos, sowohl auf der Jaguar - als auch auf der Land Rover-Seite. Wir machen die automobile Welt einfach ein bisschen bunter.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Machen Sie die Welt auch im Bereich des autonomen Fahrend bunter?
Wir arbeiten intensiv an Fahrer-Assistenzsystemen. Und natürlich würde ich mich gerne im Ruhestand von einem vollautonomen Fahrzeug zum Restaurant und zurückfahren lassen. Ich habe es bei meinem Vater erlebt, der den Führerschein abgab und erlebte, dass sich damit sein soziales Netzwerk drastisch reduzierte. Auch deshalb bin ich überzeugt, dass das autonome Fahren realisiert werden sollte. Das setzt jedoch absolute Sicherheit voraus. Um aber gerade diese Sicherheit für unsere Kunden und alle anderen Verkehrsteilnehmer wirklich zu gewährleisten muss noch sehr viel passieren. Völlig autonomes Fahren, wie es eigentlich Level 5 definiert, ist heute nicht möglich. Deswegen bin ich lieber auf der konservativen, aber sicheren Seite für unsere Kunden; weniger marktschreiend. Lassen Sie uns zunächst mal hochautomatisierte Assistenzsysteme auf die Reihe kriegen, dann sehen wir weiter.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie wichtig ist für das Image-Building von JLR Ihr Engagement in der Formel E. Ist das nur Spielerei oder ist das wirklich eine ernsthafte Geschichte, um sich im E-Feld zu positionieren?
Wir entschieden sehr früh mit dem I-Pace konsequent in die neue Elektro-Technologie zu investieren. Jaguar hat zudem eine starke Rennhistorie. Was lag näher, als beide Elemente zu verbinden und uns in dieser zukunftsorientieren Rennsportszene zu engagieren. Inzwischen hat die Attraktivität weiter zugenommen, also scheint der Schritt wohl nicht ganz verkehrt gewesen zu sein. Außerdem ist der Rennsport ein sehr interessantes Experimentierfeld für technologische Entwicklungen und unsere jungen Talente. Ich bin begeistert von deren Engagement. Da entsteht eine eigene Dynamik. Also, das ist schon eine ernsthafte Geschichte.