Leichtbau-Türe aus Organoblech von Brose
Leichtbau für die Tür: Eine erhitzte Matte aus glasfaserverstärktem Polypropylen (Organoblech) wird in der Spritzgießmaschine in Form gepresst. Zeitgleich werden Funktionselemente angespritzt. Bild: Brose

AUTOMOBIL PRODUKTION: Weshalb wurde der Standort Hallstadt mit dieser „Pilot-Rolle“ bedacht?
Hallstadt ist gleichzeitig Sitz des Geschäftsbereichs Türsysteme und ein wichtiger Fertigungsstandort. Wenn Experten aus Entwicklung und Produktion so nahe beieinander sind wie hier, ist das die perfekte Schnittstelle, um innovative Themen voranzutreiben. Außerdem haben wir in Hallstadt die Kernkompetenz für den Herstellungs-Prozess. Das hilft zu verstehen, wie die Organo-Teile großserientauglich produziert werden können. Als wir 2006 die ersten Kunststoffmodule in Serie gebracht hatten, haben wir eine große Spritzgussanlage für Kunststofftürsysteme installiert, um diese zusätzliche Kompetenz zu erlangen. Das hat sich auch ausgezahlt. Dafür steht Hallstadt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche weiteren Anwendungen für Organobleche werden bei Brose diskutiert?
Das Organoblech hat das Potenzial, in der Tür noch mehr Aufgaben wahrzunehmen. Es kann grundsätzlich mehr leisten, weil die Materialeigenschaften besser sind als beim Kunststoff. Und deswegen können wir uns vorstellen, die Materialeigenschaften vom Organoblech gezielt zu nutzen, um etwa im Brüstungsbereich einen noch höheren Beitrag zu leisten. Es gibt außerdem mit Sicherheit noch einige Möglichkeiten, Stahlteile durch Organobleche zu ersetzen. Mit unserer klappbaren Durchlade für die Rücksitzbank sind wir einen ersten Schritt gegangen. Hier starten wir schon in diesem Jahr mit der Serienfertigung. Der Vorteil bei diesem Produkt ist, dass es im Vergleich zur herkömmlichen Variante aus Stahl nicht aus 17 einzeln verschweißten Komponenten sondern nur aus einem Bauteil besteht – und nebenbei noch rund 40 Prozent der üblichen vier Kilogramm Gewicht spart.

45% Gewichtsvorteil für Organobleche im Vergleich zu herkömmlichen Kunststoffsystemen

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wird Organoblech auf lange Sicht weitere Kunststoffanwendungen substituieren?
Das hängt stark davon ab, wie sich die Kosten für das Organoblech entwickeln. Momentan ist es für uns eine attraktive Leichtbaulösung, die aber keine Kosten spart. Und natürlich gibt es heute Kunden, die nicht bereit sind, für Leichtbau Geld auszugeben. Aber auch die OEMs, die eher mit günstigeren Lösungen unterwegs sind, spüren einen zunehmenden Druck zur Gewichtsreduzierung. Am Ende des Tages ist aus unserer Sicht das Material ja eigentlich das Gleiche wie bei herkömmlichen Kunststoffsystemen. Die Grundbestandteile sind Glas und Polypropylen oder andere Thermoplaste - nur eben besonders verarbeitet. Der Kostenunterschied kommt nicht aus den Rohstoffen, sondern vom Herstellungsprozess, und den muss man auf große Stückzahlen bringen. Organobleche werden sich bei den Preisen nach unten entwickeln und so bei einigen Anwendungen zur ernsten Konkurrenz für herkömmliche Kunststoffe.

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