Karlheinz Hell, VW, Leiter Baureihe Compact

Karlheinz Hell, Leiter Baureihe Compact: "Die Baureihenleiter sind für ihr Produkt verantwortlich: Rendite, Termintreue bis zur Kundenorientierung." Bild: VW

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie sehen die Teams in den Baureihen aus - wie groß sind sie, was ist genau die Aufgabe?
Die neue Organisationsstruktur von Volkswagen ist eine Matrix-Struktur. Zusätzlich zu den bisherigen Fachbereichen wurden als Querschnittsfunktion die Baureihen eingeführt. Die Baureihen haben neben dem Baureihenleiter für jede Modellfamilie einen Modellreihenleiter. Ich habe zum Beispiel für den Golf, den Tiguan, den Jetta und weitere Fahrzeuge einzelne Modellreihenleiter. Diese sind für ihr Produkt verantwortlich – angefangen von der Rendite, über die Termintreue bis zur Kundenorientierung. Die Modellreihenleiter werden durch die Projektleiter unterstützt. Sie sind Fachexperten, die der Baureihe helfen, gemeinsam mit den Fachbereichen die Projektziele zu erreichen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie viele Mitarbeiter sind in der Baureihen-Organisation?
Momentan haben wir in den vier Baureihen zirka 450 Mitarbeiter aus verschiedenen Geschäftsbereichen integriert. Die vier Baureihen sind Small, Compact, Mid-/Fullsize und e-Mobilität.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Nur 450 Personen für vier Baureihen?
Die Größe der Baureihe ist abhängig von Anzahl der verantworteten Fahrzeuge und Umsetzungsstand, daher sind die Baureihen momentan unterschiedlich groß. Meine Baureihe, die Compact, umfasst ungefähr 170 Personen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was ist die Zielsetzung dieser neuen Struktur?
Wir wollen verschiedene Ziele erreichen. Das Thema Kundenorientierung steht dabei an oberster Stelle. Durch die Matrixorganisation sollen Entscheidungen schneller und auf Fachebene getroffenen werden. Dadurch können wir flexibler auf Kundenwünsche reagieren und diese schneller in die technische Entwicklung integrieren und damit in die Serie bringen. Grundsätzlich verbessert die Baureihenorganisation den Gesamtprozess – gerade an wichtigen Schnittstellen. Zudem stärken wir damit den unternehmerischen Blick und können Produktportfolios fokussierter auf Märkte ausrichten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wir erhoffen uns ausgewogenere Produkte, die den Spagat zwischen Kundenbedürfnis, Innovation und Rendite noch besser meistern. Ich hörte, Sie planen die Entwicklungszeit von derzeit 48 Monaten auf 36 zu reduzieren…?
Eine konkrete Verkürzung in Monaten möchte ich an dieser Stelle nicht kommentieren. Richtig ist, wir machen unsere Produktentstehung an verschiedenen Stellen zukunftsfähiger und schneller.

Auf der einen Seite optimieren wir den klassischen Produktentstehungsprozess, kurz PEP. Wir werden verstärkt neue Technologien im Sinne der fortschreitenden Digitalisierung einsetzen: wir greifen in der Entwicklung künftig mehr zur Virtualisierung und ersetzen einen Teil der Erprobungen wie branchenüblich durch virtuelle Berechnungen.

Auf der anderen Seite integrieren wir die Umsetzung digitaler Inhalte wie Connectivity oder Apps in unserer Produktentstehung. Die Entwicklungszyklen für diese Produkte sind viel schneller und dynamischer als klassische Fahrzeugproduktzyklen. Um unsere Fahrzeuge für den Kunden modern und interessant zu halten, verknüpfen wir diese schnellen digitalen Zyklen und unsere klassische Produktentstehung.