Rosalind Hungerland, Leiterin von Xpertiso

Rosalind Hungerland, Leiterin von Xpertiso. Bild: ROI Management Consulting AG

Frau Hungerland, welche Trends beobachten Sie derzeit im Lean Management?
Ein Trend ist Lean Digital, also die Verknüpfung von Lean Management mit dem Thema Industrie 4.0. Hier geht es oft um die Frage, ob ein Unternehmen zuerst schlank aufgestellt werden muss, bevor es sich mit dem Thema Industrie 4.0 befassen kann. Ein anderer Aspekt des Lean Managements, der immer mehr in den Fokus rückt, ist die Führungsrolle. Diesbezüglich spielt das Shopfloor Management eine wichtige Rolle.

Warum ist die Führungsrolle im Lean Management so wichtig?
Nur wenn die Umsetzung der Lean-Management-Konzepte von den Führungskräften eingefordert und vorgelebt wird, ist sie langfristig nachhaltig. Beim Shopfloor Management ist eine besonders gute Zusammenarbeit der Führungskräfte und Mitarbeiter gefragt, denn es geht darum, dass Mitarbeiter und Führungskräfte Verbesserungspotenziale direkt am Ort der Wertschöpfung erkennen und gemeinsam umsetzen.

Zu Ihren Kunden gehören viele mittelständische Unternehmen. Welche Rolle spielt hier das Lean Management? Ist der Fokus stark auf die Produktion ausgerichtet oder wird der „Lean-Gedanke“ auch in anderen Unternehmensbereichen umgesetzt?
Der Hauptfokus liegt bei vielen Unternehmen in der Produktion. Lean Management wird mittlerweile jedoch in fast allen Unternehmensbereichen umgesetzt. Lean Office/Lean Admin werden zum Beispiel bei immer mehr Unternehmen umgesetzt. Ein weiteres interessantes und herausforderndes Thema für unsere Kunden ist es, Lean Development erfolgreich umzusetzen.

Die Themen Digitalisierung und Industrie 4.0 sind derzeit in aller Munde. Wo sehen Sie dabei Anknüpfungspunkte zum Lean Management? Wo überschneiden sich beide Themen?
Lean Management und Digitalisierung ergänzen sich sehr gut. Auch wenn nicht alle Prozesse perfekt nach Lean-Prinzipien ausgerichtet sein müssen, um die Elemente von Industrie 4.0 umzusetzen, empfiehlt es sich trotzdem, die Elemente des Lean Managements – wie die Minimierung von Verschwendung – bei der Umsetzung der Industrie-4.0-Ansätze im Fokus zu haben. Es darf aber nicht vergessen werden, dass einige Prozesse durch die Digitalisierung komplett entfallen und andere ganz neu entstehen.

Wenn ein Unternehmen Lean Management und die Industrie 4.0 einführen bzw. vorantreiben will, wie kann es vorgehen?
Weit verbreitet ist der Ansatz: Erst schlanke Prozesse installieren, dann die Digitalisierung. Aber auch die umgekehrte Vorgehensweise hat Vorteile: Wie oben schon gesagt, fallen nämlich bei der Digitalisierung oft schon ganze Prozesse weg oder es entstehen komplett neue Prozesse.

Ihre Empfehlung dazu? Ist es sinnvoll beide Themen parallel umzusetzen?
Ja, ich würde empfehlen, beide Themen parallel anzugehen. Beim Thema Digitalisierung zählt es, frühzeitig dabei zu sein und herauszufinden, welche Ansätze von Industrie 4.0 und IoT/IIoT für das eigene Unternehmen hilfreich sein können. Wenn man zu lange wartet, ist das Risiko hoch, dass die Konkurrenz schneller ist und man wesentliche Wettbewerbsvorteile einbüßen muss.

Der Leitsatz von Xpertiso heißt "Lernen durch Erleben". Was darf man sich darunter vorstellen? Was bedeutet das am Beispiel einer Lean-Management-Schulung?
Aus unserer Sicht können nachhaltige Lernerfolge nur sichergestellt werden, wenn die Teilnehmer die Theorie auch "erleben" können. Das bedeutet, dass die Teilnehmer die erlernte Theorie schon im Training anhand von Simulationen selbst direkt umsetzen. In unseren Lean-Management-Trainings werden hierzu zum Beispiel Montageprozesse mit Hilfe von Lego-Bausteinen nachgebildet. Die Teilnehmer lernen Verschwendung zu erkennen, sie erarbeiten im Team Optimierungsideen, setzen diese um und überwachen die Prozessverbesserungen mithilfe von vorher definierten Kennzahlen. Das Lernen wird über den Ansatz des Game Based Learnings so zum Erlebnis.

Die Umsetzung der Lean-Management-Idee ist ein langfristiger, ja fortdauernder Prozess. Können Sie Unternehmen bei diesem Prozess unterstützen?
Ja, wir stellen für unsere Kunden ganzheitliche und individuelle Qualifizierungskonzepte zusammen. Zuerst wird der Qualifikationsbedarf ermittelt. An diesem orientiert sich der Inhalt und Ablauf der Trainings. Üblicherweise setzen die Teilnehmer nach der ersten Schulung in ihrem Unternehmen das Gelernte um und sammeln erste Praxiserfahrung. Es folgt ein Coaching, in dem das weitere Vorgehen detaillierter besprochen werden kann. Auf Kundenwunsch werden die Trainings durch Wissenstest und E-Learning-Module ergänzt. Unsere Kunden werden also langfristig begleitet und erhalten maßgeschneiderte Lösungen.

Was macht das Angebot von Xpertiso aus? Wie positionieren Sie sich?
Wir decken mit unserem Trainingsangebot auf dem Weg zur Operational Excellence die gesamte Wertschöpfungskette über alle Hierarchieebenen ab. Dabei gliedert sich unser Angebot in die drei Säulen Prozesse, Digitalisierung und Leadership. Wir unterstützen Unternehmen dabei, ihre Prozesse – u. a. in Produktion, SCM und F&E – nach Lean-Prinzipien auszurichten, optimale Rahmenbedingungen durch die Digitalisierung zu schaffen und den Erfolg durch Führungskompetenz sicherzustellen.

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