| von Lorenz Winter, Sao Paulo
Mercedes-Benz-Werk Iracemápolis bei Sao Paulo
Das Pkw-Werk Iracemápolis bei Sao Paulo wurde im März 2016 eröffnet und gilt als Referenz-Anlage für die Premium-Fabrikation in Schwellenländern. Bild: Daimler do Brasil

AUTOMOBIL PRODUKTION: Nutzte Mercedes-Banz do Brasil eigentlich die noch unter den Rousseff seinerzeit aufgelegten Programme PPE und Inovar-Auto?
Das Lkw-Werk nahm in der Tat von September 2015 bis Mai 2016 an dem von Ihnen erwähnten Programm zum Erhalt von Arbeitsplätzen (PPE) teil. In seinem Rahmen wurden die tägliche Arbeitszeit um 20 sowie die Löhne und Gehälter um 10 Prozent gekürzt. Inzwischen lief dieses Programm aber aus. Seinerseits konnte Iracemápolis für die Pkw-Produktion die steuerlichen Anreize von Inovar-Auto nutzen, weil Mercedes-Benz do Brasil sämtlichen Anforderungen dieses Programms hinsichtlich Fertigungstiefe, lokaler Zulieferung, Investitionen in die technische Ausrüstung usw. genügte.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Auf welchen Wert beliefen sich die Investitionen?
Zum derzeitigen Wechselkurs gaben wir für Iracemápolis etwa 150 Millionen Euro aus und schufen damit rund 600 direkte Arbeitsplätze. 20 lokale First-Tier-Zulieferer arbeiten mittlerweile für die Anlage.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche technischen Innovationen bringt Mercedes-Benz auf kurze und mittlere Sicht in seine brasilianische Pkw-Produktion ein?
Die in Brasilien gebauten Fahrzeuge befolgen die gleichen Standards hinsichtlich Komfort, Qualität und Mobilität wie alle Pkw der Daimler-Benz-Gruppe weltweit.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Also zum Beispiel Leichtbau, luxuriöse Innenausstattung, digitale Vernetzung usw.?
Ja, genau. Aber ich denke beim Stichwort Innovation auch an die Herstellprozesse, wo wir ebenso wie in technisch höher entwickelten Ländern das Lean Manufacturing (MPS) praktizieren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was bedeutet das für die Konfiguration des neuen Werkes? Könnten dort zum Beispiel bei einer nachhaltigen Verbesserung der Wirtschaftslage auch weitere Modelle von den Bändern laufen?
Iracemápolis spielt in der globalen Strategie der Daimler-Benz-Gruppe bis 2020 eine Schlüsselrolle für das Segment der Premium-Automobile. Ein besonderes Merkmal dieses Werkes bildet seine Ausrüstung mit zwei Plattformen innerhalb der gleichen Montagelinie: eine für Fahrzeuge mit Hinterrad-Antrieb wie die C-Klasse und eine zweite für den Vorderrad-Antrieb wie beim GLA. Deswegen reichen schon geringfügige Anpassungen, um auf jeder der beiden Plattformen beliebige weitere Modelle herzustellen. So gesehen, stellt das Werk sogar eine Art von Referenz-Anlage der Marke dar.



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