AUTOMOBIL PRODUKTION: Würden Sie sagen, das ist kein Auto für den kleinen Geldbeutel mehr?
Nein, das ist es nicht. Das ist kein Auto für jemanden, der gerade mal 8.000 Euro hat und dann noch den Preis  runterhandeln will.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie verkaufen es für 8.000 Euro?
Nein. Ich denke an Menschen, die ein Budget von 8.000 Euro haben und zu ihrem Autohändler gehen, um zu sehen, was sich noch machen lässt. Es ist also nicht allein für diese Art von Käufer gedacht. Wir haben sehr viel Technologie in dieses Auto gesteckt. Aber haben wir deswegen einen Premium-Preis? Erwarten wir, dass die Leute das bezahlen, wofür sie bezahlen müssten, wenn sie ein Auto im B-Segment von, sagen wir, Mercedes oder Audi kaufen? Nein. Den genauen Preis werden wir Ende des Jahres bekanntgeben. Aber ohne den Preis zu nennen, kann ich sagen, dass er im Wettbewerb mit den anderen vergleichbaren Angeboten des B-Segments sehr gut mithalten kann.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Die Zielgruppen, die Sie angesprochen haben, ist neu für Nissan? Oder ist nur für den Micra?
Nehmen wir den Juke als Beispiel. Wenn Sie einen Juke an die Straße parken und vorbeigehende Menschen fragen, wer ihrer Meinung nach dieses Auto kauft, dann wird die Antwort lauten „junge, verrückte Leute“. Aber wenn Sie sich den durchschnittlichen Kunden anschauen, und unsere Marktforschung stützt diese Angaben, dann ist das eine 55-jährige Frau. Das hätte man nie gedacht. Aber sie lieben den Juke einfach. Diese Frauen haben wahrscheinlich beruflichen Erfolg, sie haben Kinder, also lange Zeit immer nur an Andere gedacht, haben den Großteil der Erziehung und den Haushalt übernommen usw. Jetzt sagen diese Frauen „In diesem Lebensabschnitt möchte ich ein Zeichen setzen. Ich will Spaß haben“.

Und sie lieben dieses Auto. Ich habe Frauen gesehen, die Sticker auf das Auto geklebt haben, die verrückte Farben gewählt haben, orangefarbene Einsätze in die Räder usw. Unglaublich. Und sie haben sehr viel Spaß damit, sie sind sehr stolz darauf, sie sprechen gerne darüber und wenn man sie zu Veranstaltungen einlädt, zeigen sie sich begeistert.
Wir haben viel daraus gelernt. Die Autobranche ist besessen von der Jugend. Und seien wir ehrlich, ein 25-Jähriger hat nicht viel Geld. Er kann sich kein Auto leisten. Er kauft ein anderes Fahrzeug, bekommt vielleicht eins von seinen Eltern, leiht sich eins bei Freunden. Uns war es wichtig, die Bedürfnisse von Menschen, die sich jung fühlen und dies auch ausdrücken möchten, zu befriedigen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Planen Sie, den Micra auch als Elektrofahrzeug anzubieten?
Ich würde sagen, jede Option muss geprüft werden, aber zwei Dinge muss man beachten: Wenn man ein Fahrzeug von Anfang an als Elektrofahrzug plant, dann trifft man grundlegende Entscheidungen entsprechen, etwa was die Karosserie angeht, die Plattform, wo die Batterie hinkommt. Dieses Fahrzeug ist darauf ausgelegt, mit einem Verbrennungsmotor betrieben zu werden.
Dementsprechend wurde die Gewichtsverteilung angelegt, wie dies auch für Diesel- und andere Motoren gemacht wird, und da ist nicht mehr sehr viel Platz, um eine Batterie unterzubringen. Dennoch hat sich Nissan der Elektrifizierung verschrieben. Wir suchen über die gesamte Produktlinie hinweg nach Möglichkeiten, Elektrifizierung einzusetzen. Vielleicht wird dies über den Hybrid als Brücke zwischen dieser und der nächsten Generation passieren. Das könnte dann zu Elektrifizierung führen.
Aber wir liegen bei weniger, sogar deutlich weniger, als 100 Gramm CO2 pro Fahrzeug. Hinsichtlich CO2-Emissionen streben wir das Ziel der 80-100 Gramm an.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ich dachte, dass Sie für Produktplanung verantwortlich sind und dass Sie daher sagen können, wie viele Fahrzeuge geplant sind und in welchem Werk sie produziert werden?
Nein, die eigentliche Fertigungsplanung liegt nicht in meinem Verantwortungsbereich. Ich definiere das Produktportfolio für die europäischen Kunden und meine Marktperspektive. Vice President, Corporate Planning & Program Management Office Catherine Perez, die in Japan arbeitet, ist dafür verantwortlich. Sie analysiert die Informationen weltweit. Wenn wir eine Anzahl Fahrzeuge für Europa produzieren müssen, dann ist es sinnvoller, dies direkt in Europa zu tun.
Der Micra wird in Frankreich produziert, etwa eine Stunde westlich von Paris, in dem Werk, in dem auch der Renault Clio produziert wird. Dies spart letztlich Kosten, wodurch alle profitieren.

Farbkombinationen

AUTOMOBIL PRODUKTION: Aber Sie sind nicht nur für die kleinen Plattformen verantwortlich?
Nein, für das gesamte Portfolio Europa und für Russland.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ist die Micra-Plattform die gleiche Plattform, die auch Renault nutzen wird?
Nein, das ist nicht die gleiche Plattform. Im Grunde haben wir die bestehende Plattform des Micra genommen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie lautet der Code für diese Plattform?
Es ist die V-Platform (V steht für Versatile).

AUTOMOBIL PRODUKTION: Planen Sie weitere Fahrzeuge mit Stuttgart?
Auf jeden Fall. Das ist ein laufender Prozess und eigentlich sehr effizient. Ein Projekt wird einem Partner zugewiesen. Das Projekt wird ausgeführt und alle Pflichtergebnisse werden geliefert. Wenn das Ergebnis überzeugend war, wird das nächste Projekt begonnen.
So einfach ist das. Die beiden CEOs verstehen sich super. Es herrscht eine Atmosphäre von gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Bewunderung. Und das merkt man auch, wenn man die Geschäftsführer und die Menschen, die für sie arbeiten, fragt. Diese Synergie ist nötig, denn die Branche hat global gesehen einen hohen Kapazitätsüberhang. Deswegen gilt: je mehr wir zusammenarbeiten und trotzdem unsere Marktdifferenzierung beibehalten können, das ist das Ideal. Eine Kooperation mit einer Firma wie Daimler ist äußerst sinnvoll, denn sie sind im Premium-Bereich vertreten, wohingegen wir eine Marke sind, die im Volumen-Segment angesiedelt ist. Wenn man sich dann die Details am Truck ansieht, dann sieht man, dass sie etwas, das im Grunde von Nissan entwickelt wurde, einer ganz neuen Kundenbasis zugänglich gemacht haben. Ich denke, das ist eine folgerichtige Entwicklung.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was sind ihre Top-Prioritäten neben dem Micra in diesen Tagen?
Der Micra ist nur das neue Auto, das wir vorstellen, aber die Top-Priorität bleibt die Senkung der CO­2-Emissionen. Bis 2020 müssen wir das unternehmensinterne Ziel von 95 Gramm erreichen. Da sind wir auf einem guten Weg. Aber noch wichtiger ist, dies weiter zu reduzieren. Bis 2025 werden wir wohl bei 74 Gramm liegen.
Aber unser Ziel ist es, noch viel weiter zu gehen und einen hohen Grad an Elektrifizierung in unser Portfolio zu bekommen. Aber es geht nicht nur um Elektrifizierung, sondern auch darum, was der Kunde möchte. Elektroautos müssen genügend Reichweite bieten, hohe Geschwindigkeit ermöglich und sich in kurzer Zeit aufladen lassen. Die größte Herausforderung für mich ist es, von den Antrieben der Gegenwart in die CO2-freie Zukunft zu kommen.

Ponz Pandikuthira von Nissan Europe
"Für uns ist der neue Micra der Qashqai des B-Segments.", meint Ponz Pandikuthira von Nissan Europe.

Welches Fahrzeug haben Sie noch nicht im Portfolio?
Ein Auto aus dem A-Segment. Die Philosophie ist die folgende:
Wenn man jedes weiße Feld füllen möchte, dann heißt das Wachstum um jeden Preis. Aber unser CEO hat ganz klar gesagt, dass Wachstum nur erreicht wird, wenn wir unser Gewinnziel erreichen: 8 Prozent Nettobetriebsmarge global. Und jede Region muss mitziehen. Wenn Sie also sagen, wir können 30.000 bis 40.000 Einheiten basierend auf dieser Plattform im A-Segment machen, das aber zu viel Geld kostet, dann entscheiden wir uns dagegen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was war die Zweite 8?
Marktanteil. Aber er hat ganz klar gesagt, dass der Nettobetriebsgewinn die treibende Kraft sein wird und wenn wir dafür beim Marktanteil Einbußen haben, dann müssen wir das verkraften.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Haben Sie die 8%-Marge erreicht?
Ich denke, wir liegen da leicht zurück, aber das ist kein großes Problem für uns.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und die 8% Marktanteil?
Ich denke, wir liegen da leicht zurück, aber das ist kein großes Problem für uns.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Werden Sie dann anschließend eine Strategie „Nissan 2025“ haben?
Ja, Nissan 2022 um genau zu sein. Dieser Plan steht schon. Nach dem Erreichen dieser Ziele im Geschäftsjahr 2017, werden neue Ziele gesteckt. Der nächste 5-Jahresplan wird dann auf 2022 gerichtet sein. Der Kernaspekt hier ist ein hoher Grad an Elektrifizierung.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Haben Sie da eine Ziel-Zahl?
Nein, noch nicht. Die wird noch entwickelt.

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