| von Frank Volk
Lohscheller Hand
28% hat Opel im ersten Jahr unter PSA die Fixkosten gesenkt. Einen Großteil davon in der Produktion. Bild: Alexander Heimann/Opel

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wo verzeichnen Sie die größten Fortschritte?
Am besten vorangekommen sind wir in unserem Werk in Zaragossa in Spanien. Und wir würden nicht in Luton/Großbritannien investieren, wenn wir nicht sehen würden, dass das Werk dort mit der neuen Fahrzeuggeneration absolut wettbewerbsfähig ist.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was ist mit den deutschen Werken?
Die Antwort ist: Wir investieren auch in deutsche Werke. Nehmen Sie Eisenach, wo wir uns auf die Fertigung des Grandland X vorbereiten. Dass dort schon bald der Plug-in-Hybrid gefertigt wird, ist ein klares Zukunftssignal. Vorangegangen ist der Zukunftsvertrag mit der IG Metall. Wir konnten uns auf einen freiwilligen Abbau von Stellen in Deutschland einigen, den wir im Grunde jetzt abgeschlossen haben. In Summe ist das Paket so geschnürt, dass die deutschen Werke wettbewerbsfähig werden können. Wie schnell das geschieht, hängt natürlich auch von den neuen Fahrzeugen und der Umstellung auf die neuen Plattformen ab. Der Fahrplan steht. Wir werden in alle deutschen Werke investieren – und uns zu gegebener Zeit zu den Details äußern.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Also die Aussage, dass man mit allen Werken in die Zukunft geht, hat Bestand?
Wir stehen selbstverständlich zu unserem Wort. Wir wollen unseren Strategieplan umsetzen, ohne Werke zu schließen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wenn man in einem Jahr eine Verbesserung bei den Fixkosten von 28 Prozent erreicht, ist das eine tolle Leistung. Umgekehrt kann man sich fragen: Was haben eigentlich die Vorgänger getrieben?
Heute konzentrieren wir uns konsequent auf die Performance und handeln sehr entschlossen. Vorher hat unsere ehemalige Muttergesellschaft intensiv versucht, globale Synergien zwischen Nordamerika, Europa und China zu heben. Der Gedanke hat ja auch etwas für sich. Aber: Durch die Bedienung von Märkten mit sehr unterschiedlichen Ansprüchen ist ein hohes Maß an Komplexität entstanden. Nehmen Sie als Beispiel die Abschleppöse am Corsa. Die war deutlich größer, schwerer und teurer als bei PSA. Und warum: weil dieselbe Öse in Pickup-Trucks in Nordamerika und für einen Opel Corsa in Deutschland verwendet wurde. Oder die vielen Varianten von Lenkrädern, Infotainment-Lösungen oder Farben in unserem Angebot, für die sich nur selten Kunden entschieden haben. Die Reihe der Beispiele ließe sich noch erweitern. Am Ende war das für das globale Ergebnis vielleicht gut, nicht aber für Opel in Europa.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Hört sich so an, als würden Sie sich bei PSA besser aufgehoben fühlen als bei GM?
Ja. Viel, viel besser, weil Paris uns viel näher ist als Detroit es jemals war. Das hat nicht nur damit zu tun, dass die Dienstreisen kürzer sind, sondern wir sind wirklich gut aufgehoben im Rahmen eines europäischen Unternehmens. Wir fühlen uns sehr gut verstanden. An Carlos Tavares schätze ich die ganz klare, transparente Kommunikation. Man weiß immer, woran man ist. Und in einem Punkt liegen wir absolut auf einer Wellenlänge: Wir sind sehr fokussiert auf die Performance des Unternehmens. Denn Performance ist die beste Absicherung für die Zukunft – insbesondere in einer solch disruptiven Branche wie der unseren.

Zur Person

Michael Lohscheller übernahm kurz nach dem Verkauf der Traditionsmarke von GM an PSA im Juni 2017 als Chief Executive Officer (CEO) der Opel Automobile GmbH. Zu dem Zeitpunkt kannte der studierte Diplom-Kaufmann Opel und seine Probleme bis hinter die dritte Stelle des Kommas, war er doch bereits seit 2012 für die Finanzen bei Opel verantwortlich. Vor seinem Eintritt bei Opel war der 1968 geborene Lohscheller CFO bei der Volkswagen Group of America. Zu seiner Kompetenz als Finanzexperte verfügt der passionierte Langstreckenläufer auch über reichlich Erfahrung in den Bereichen Einkauf und Logistik – für den Turnaround-Plan ein wichtiger Faktor.

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