| von Bettina Mayer und Götz Fuchslocher

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wer fordert wen heraus: Die Zulieferer die Automobilhersteller oder die Automobilhersteller die Zulieferer?
Es ist ein bisschen von beidem. Die OEMs wollen Lösungen. Sie suchen nach Wegen und Möglichkeiten, attraktiv zu bleiben. Die Aufgabe von Continental ist es, attraktive und innovative Lösungen zu liefern. Deshalb befinden wir uns in einem Prozess der ständigen Innovation. Ganz einfach, weil wir es müssen. Ein großer Markt für uns sind aber auch die Bestandsfahrzeuge. Deshalb sagen wir den Autoherstellern auch, werft mal einen Blick auf eure 800 Millionen Bestandsfahrzeuge und vernetzt sie‘. Wir machen das mit Software; dafür brauchen wir keine umfangreiche Hardware im Fahrzeug. Wir können diese Fahrzeuge vernetzen und umfangreiche Datenpakete empfangen oder senden. Kein Problem.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie sehen zukünftige Services aus, Sie haben beispielsweise von Ideen wie einer mobilen Ladestation für Elektrofahrzeuge gesprochen…?
Ja. Diese Ladestation funktioniert durch Roaming. Sie verfügt zwar noch nicht über die Intelligenz, um zu wissen, wann der Ladezustand Ihres Autos niedrig ist. Deshalb müssen Sie der Ladestation sagen: ‚Ich weiß, dass mein Auto nur noch 20 Meilen fahren kann‘. Ihr Auto startet eine App und sagt der mobilen Ladestation, wo es sich befindet oder wo das Endziel des Navigationsauftrages ist. Dann kommt die mobile Ladestation dorthin und der Fahrer kann das Auto dort anstecken und laden. In Zukunft könnte es so gehen: Durch Roaming fragt die mobile Ladestation einen Sensor im Auto, wie der Ladezustand ist. Bei niedrigem Batterie-Ladezustand sendet die mobile Ladestation eine Alarmmeldung an den Autofahrer und fragt: ‚Wir haben festgestellt, dass sich Ihre Ladung dem Ende zuneigt, sollen wir Energie einspeisen‘?

AUTOMOBIL PRODUKTION: An solchen Produktionen und Ideen arbeitet Continental ITS?
Ja! Wir müssen an all diesen Lösungen arbeiten. Es ist extrem wichtig, 100-prozent zielgerichtet zu arbeiten, um innovative Produkte auf den Markt zu bringen. Wir entwickeln gerade eine Software-Release-Funktion, mit der wir testen. Aktuell haben wir zum Beispiel in China einen Test laufen, bei dem wir an 100 Mitarbeiter von Continental ein Gerät ausgegeben haben. Das Gerät protokolliert deren Fahrten und erhebt die Daten und wir vernetzen uns mit dieser Flotte. Funktioniert das, könnten wir einen Schritt weitergehen und  die Daten von den 22.000 Mitarbeitern von Continental in China erheben. Dann ist das mal eine Flotte, die ihren Namen verdient.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Continental hat sich gerade bei der Smart City Challenge engagiert. Warum?
Es ist sehr wichtig, dass wir Netzwerkfähigkeit schaffen. Die Systeme des Fahrzeugs müssen mit den Ampeln, mit Kreuzungen, mit Parksystemen kommunizieren. Deshalb gibt man in Amerika richtig Gas. Das US Department of Transportation, kurz USDOT, schreibt 40 Millionen US-Dollar aus für die Stadt, die das beste ‚Smarte City‘ Konzept vorlegt. Es haben sich 78 US-Städte beworben und ihre Ideen vorgelegt, wie man innovative Technologien installieren müsste, um selbstfahrende Autos und ein vernetztes öffentliches Transportsystem, möglich zu machen. Das schließt die Vernetzung von Fußgängern, Radfahrern, White Label-Flotten für Besucher, Busse, Taxis und auch Parkplätze ein. Von den 78 Städten kamen 7 Städte in die engere Wahl. Gewonnen hat letztendlich Columbus, Ohio. Das ist keine sehr große Stadt. Warum wurde diese Stadt ausgewählt? Zum einen weil das Wetter dort gut ist und es nicht jeden Tag schneit. Und zweitens, weil die Stadt den besten Ansatz vorlegte. Die Führungsriege der Stadt Columbus hat sich richtig ins Zeug gelegt und ist sehr engagiert. Und so fängt es doch immer an, nicht wahr? Mit 1 oder 2 Leuten, die eine Vision haben. Meiner Meinung nach ist es total wichtig, dass diese City Challenges vom Staat unterstützt werden. Nur so kann der Weg bereitet werden für die nächste Generation autonomer Fahrzeugtechnologien.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Idee führte zum Sieg?
Das ist nicht nur eine Idee. Es ist das Konzept, wie man eine Stadt verändern muss. Die Stadt der Zukunft soll Ihren Bürgern nicht nur Wasser und Strom zur Verfügung stellen, sondern könnte beispielsweise auch eine monatliche Gebühr verlangen – ähnlich wie die Gebühr für Kabelfernsehen – um Premium-Transport-Dienste zu ermöglichen. Die Gebühr richtet sich nach dem Radius, in dem sich der Nutzer dann bewegen kann; zum Beispiel einem Radius von fünf Meilen rund um seine Wohnung. Wenn er einen 10-Meilen-Radius bevorzugt, erhöht sich die monatliche Gebühr. Ich denke, so könnte der Einstieg in die Stadt der Zukunft beginnen.

Seval, Oz, CEO, Continental, Conti
Seval Oz, CEO Continental ITS: "Aber plötzlich sehen wir eine Art Interessens-Fusion, die aufzeigt, dass alles viel schneller gehen könnte." Bild: WP Steinheißer

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