Open Mind, Brambs Peter

Peter Brambs: "Die Daten aus der Praxis zeichnen ein durchweg positives Bild." Bild: Open Mind

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Brambs, der Werkzeug- und Formenbau wird bei mehr und mehr OEMs zur Chefsache erklärt. Wie nehmen Sie diesen Trend wahr?
Es lässt sich feststellen, dass der Werkzeug- und Formenbau in der Automobilindustrie und bei deren Zulieferern wieder vermehrt als eigene Kompetenz definiert wird. Das betrifft vor allem den Prototypenbau und den Werkzeugbau für erste Serien sowie neue Produkte. Das aus Kostengründen praktizierte Outsourcing - beispielsweise nach China – hat sich eben auch oft als ein Outsourcing von Know how herausgestellt. Wird die Produktion ausgegliedert, dann geht oftmals auch das Entwicklungs-Know-how zu einem Großteil verloren. Jetzt ist zu beobachten, dass Produktionsstätten wieder zurückverlagert werden.  

So hat ein Open Mind Kunde, ein bekannter Smartphone-Hersteller, die Produktion zurück in das eigene Land geholt und fräst jetzt die Gehäuse sowohl für Prototypen als auch für die Serie in Eigenregie. Auch Kunden aus der Automobilbranche gehen diesen Weg und versuchen auf diese Weise, Schritt für Schritt Fertigungskompetenz aufzubauen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Open Mind besetzt ja nun genau die Schnittstelle, wo es darum geht Ideen und Vorstellungen aus der virtuellen Welt fertigungsstrategisch in die Realität zu überführen. Die Industrie verlangt für diesen Prozess auch noch ein Maximum an Effizienz. Wie können Sie diesem Anspruch gerecht werden?
Wir haben als erster CAM-Hersteller mit der Strategie Fünfachs-tangentiales Ebenenschlichten eine Strategie entwickelt, mit der steile und flache Ebenen hocheffizient geschlichtet werden können. Diese innovative Methode bietet ein Einsparpotenzial von 70 Prozent bis zu 90 Prozent und mehr gegenüber konventionellen Bearbeitungsmethoden mit Kugelfräsern – und das auch bei schwer zugänglichen Flächen. Speziell für diese Strategie haben wir einen besonderen Werkzeugtyp entwickelt - den konischen Tonnenfräser. Am Fräser wird ein Ausschnitt des Kreisumfanges abgebildet, dadurch lassen sich am Werkzeug sehr große Radien von 250 bis 1 500 Millimeter realisieren. Die besondere konische Werkzeuggeometrie verleiht den Fräsern große Stabilität und mit ihrer kleinen Spitze erreichen sie sehr gut die Eckradien. Durch das optimale Zusammenspiel von Werkzeug und Strategie kann das volle Potenzial dieser Methode ausgenutzt werden. So lassen sich mit fünfachsigen Maschinen große Zeilensprünge von 3 bis 8 Millimeter anstelle von nur 0,2 bis 0,4 Millimeter bei gleicher oder besserer Oberflächengüte erzielen. Das eröffnet dem Formenbau ein immens großes Potenzial. Die Werkzeuganstellung erfolgt automatisch und kollisionsgeprüft. Für scheinbar einfache 2D-Fertigungsaufgaben nutzt das CAM-System Hypermill Fünfachs -Simultanstrategien, wodurch selbst tiefste Taschenwände enorm effizient gefräst werden können.

AUTOMOBIL PRODUKTION: War der erwähnte Fräser als Standardwerkzeug am Markt verfügbar?
Der Fräser ist erst mit der Idee für die Methode entstanden. Unser Partner war in diesem Fall der Werkzeughersteller Emuge-Franken. Dieser hat als erster Hersteller die Werkzeuge auf den Markt gebracht. Die Grundform und die Parametrisierung der Werkzeuge entstanden bei Open Mind.

AUTOMOBIL PROUKTION: Jetzt ist diese Strategie seit Mitte vergangenen Jahres im Einsatz bei einem großen deutschen Automobilhersteller. Welche Erfahrungen gibt es da bisher und was zeichnet sich ab als Trend?
Die Daten aus der Praxis zeichnen ein durchweg positives Bild. So lässt sich beispielsweise die Produktivität mindestens um den Faktor Fünf steigern. Die Bearbeitungszeit einer Formaufnahmeplatte für eine große Spitzgussform, die in ihrer Geometrie sehr viele Ebenen beinhaltet, konnte von 16 Stunden auf zwei Stunden reduziert werden. Das liegt wesentlich an den konstanten und stabilen Schnittbedingungen. Mit dem 5Achs tangentialen Ebenenschlichten werden Genauigkeiten von weniger als 0,02 Millimeter erzielt - deutlich präziser als bei Verwendung eines Kugelfräsers. Die Oberflächengüte liegt unter 0,0046 Millimeter. Demnächst werden wir bei unserem Referenzkunden die Technologie sukzessive um die Bearbeitung von gewölbten Flächen und von Bodenflächen erweitern.