Porsche-Produktionsvorstand Albrecht Reimold, Exklusiv-Interview

Albrecht Reimold, Produktionsvorstand Porsche AG: "Ein eigener Werkzeugbau macht unabhängig von Marktkapazitäten und eröffnet mehr Freiräume in der Design-Umsetzung." Bild: Porsche/Marco Prosch

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Reimold, Sie sind seit Februar 2016 neuer Porsche-Produktionsvorstand und bringen ein ganzes Paket an Praxis-Know-how mit. Von welchen Ihrer bisherigen Erfahrungen in verantwortlichen Positionen des VW-Konzerns wird die Produktion bei Porsche am stärksten profitieren?
Produktionsseitig stand und steht Porsche blendend da. Aus meiner Zeit bei Audi bringe ich nun auf der fachlichen Ebene reichlich Erfahrungen mit dem Fahrzeug-Leichtbau mit. Ganz besonders wichtig ist für mich, dass der Mensch immer entscheidend ist, um Neues zu entwickeln, Probleme gemeinsam konstruktiv zu lösen und Kreativität freizusetzen. Teamplay ist essenziell, sowohl für erfolgreiche interne Abläufe als auch für das Funktionieren des Netzwerks im Konzern, und bezieht den Austausch mit allen Lieferanten mit ein.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Nun hat Porsche nicht nur mit einem neuen Produktionsvorstand, sondern auch mit einem neuen Panamera überrascht. Was musste am Standort Leipzig getan werden, damit die neueste Sportlimousine Anfang Oktober 2016 auf dem Auto-salon in Paris Premiere feiern kann?
Porsche und auch der Konzern setzen sehr viel Vertrauen in diesen Standort. Wir haben erneut über 500 Millionen Euro in die jetzt vierte Ausbaustufe dieses Werks investiert –  den Löwenanteil davon in einen gänzlich neuen Karosseriebau. Das hat ganz wesentlich mit der Materialmix-Auslegung der Karosserie des neuen Panamera und den dafür erforderlichen speziellen neuen Fügetechniken zu tun. In Bezug auf die weiteren Gewerke, wie etwa der Lackiererei und Montage, profitieren wir von der Weitsicht der Planer, die den Ausbau des Standorts Leipzig zum Vollwerk 2014 nicht nur für den Macan konzipierten, sondern bereits die Weichen für die Fertigung weiterer Modelle gestellt haben.
Zusammengefasst heißt das: neuer Karosseriebau, plus Integration, plus Kapazitätserhöhungen an den richtigen Stellen. Natürlich haben wir auch das Materialflusskonzept und die Logistik innerhalb des Werks modifiziert und die logistische Anbindung von Lieferanten an die Fabrik den neuen Erfordernissen angepasst.

Qualitätszentrum Größe

AUTOMOBIL PRODUKTION: Man könnte es auch weitsichtig nennen, dass Porsche vor gut einem Jahr von Kuka Systems die Werkzeugbausparte mit Standorten im sächsischen Schwarzenberg und im slowakischen Dubnica übernommen hat. Wie stark profitieren Sie von einem eigenen Werkzeugbau?
Ein eigener Werkzeugbau macht ein Stück weit unabhängig von Marktkapazitäten und eröffnet mehr Freiräume in der Umsetzung von kreativen Designideen – insbesondere beim Umgang mit neuen Werkstoffen und dem großflächigen Einsatz von Aluminium. Damit profiliert man sich auch im Wettbewerb. Als gelernter Werkzeugmacher macht es mich zudem stolz, dass Porsche nun seinen eigenen Werkzeugbau hat. Ich kenne die Materie und Bedeutung in allen Details auch aus der „Innensicht“.