Albrecht Reimold, Produktionsvorstand Porsche, Götz Fuchslocher, Christian Klein
Albrecht Reimold im Gespräch mit den AUTOMOBIL PRODUKTION Redakteuren Christian Klein und Götz Fuchslocher (v.l.). Bild: Porsche/Marco Prosch

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das neue Karosseriekonzept stellt auch neue Anforderungen an die Produktqualität insgesamt. Was ist hier wichtig?
Mit Blick auf die geforderten Festigkeiten, Steifigkeiten und das Crashverhalten ist es entscheidend, einen intelligenten Materialmix mit dem richtigen Material in der richtigen Menge an der richtigen Stelle umzusetzen. Alle Werkstoffe verfügen ja über ganz bestimmte Eigenschaften und Parameter. Die Konstrukteure bei uns im Hause haben dies intelligent und kosteneffizient kombiniert. Was die Verbindungstechnik angeht, erfordert dieser Multi-Materialmix die Beherrschung anderer Technologien. Dazu gehört hier etwa das Flowdrill-Screwing, also Fließlochschrauben, das Stanznieten, Clinchen und  Reibelementschweißen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Worin bestand der größte Lernprozess beim Einsatz dieser neuen Technologien?
In der Qualifizierung der Mitarbeiter.  Jeder musste das Bewusstsein dafür entwickeln, dass wir es mit unterschiedlichen Materialien zu tun haben. Das ist ganz wichtig. Aluminium reagiert beispielsweise auf Temperaturen anders als Stahl. Das Thema der Wärmeausdehnungskoeffizienten ist auch über die Prozesskette in der Lackiererei präsent. Die Verbindungstechnikverfahren als solche sind ja nicht neu. Aber in der hier angewandten Vielzahl im Zusammenspiel mit dem Materialmix, da hat sich der Panamera sicher schon im Spitzenfeld des europäischen Automobilbaus positioniert. Es ist für das Produktionsergebnis wichtig, dass die Mitarbeiter auch dieses Verhalten kennenlernen und verstehen, dass sie die Maschinen entsprechend programmieren können, um die Qualität zu steuern. Heute kann man etwa durch Hüllkurvenüberwachungen beim Stanznieten Eindrücktiefen und Fügekräfte präzisieren. Die Anforderungen an die Mitarbeiter sind enorm. Früher ging es nur darum, einen Schweißpunkt oder Niet korrekt zu setzen. Das ist heute beim neuen Panamera deutlich komplexer.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wann wollen Sie auf Kammlinie sein?
Ende des Jahres. Die volle Kammlinie wird dann gefahren, wenn auch die diversen Länder- und Motorvarianten eingetaktet sind.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was waren die wichtigsten Stellschrauben, um die Anlaufkosten für den neuen Panamera zu senken?
Ein erster maßgeblicher Faktor, die Anlaufkosten geringer zu halten, resultiert daraus, dass wir jetzt die komplette Prozesskette in unserem Werk in Leipzig abgebildet haben. Auf der anderen Seite haben wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit eingehenden Qualifizierungen auf dieses Produkt vorbereitet und intensiv mit unseren Anlagen- und Teilelieferanten kooperiert. Eingeflossen sind auch Erfahrungen aus bisherigen Modellanläufen wie dem des Macan.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wir sitzen hier an einem Ort, den es im Werk Leipzig noch gar nicht so lange gibt, im Qualitätszentrum. Welche Botschaft an den Markt ist mit dieser Einrichtung verbunden?
Bei der Qualität unserer Fahrzeuge gehen wir jedem noch so kleinen Detail auf den Grund. Und da sprechen wir nicht nur von reiner Funktionsqualität, sondern auch von Anmutungsqualität. Um höchste Qualität zu gewährleisten, bündeln wir  alle Bereiche der Fahrzeugoptimierung in diesem neuen, etwa 6.000 Quadratmeter großen Qualitätszentrum. Rund 150 Mitarbeiter sind hier tätig. Dazu gehört der Bereich Meisterbock/Cubing, wo Blechteile der Karosserie und Anbauteile – auch von Zulieferern – geprüft, abgestimmt und für den Serieneinsatz vorbereitet werden. In das neue Qualitätszentrum ist auch eine Pilothalle zum Aufbau von Baustufenfahrzeugen integriert. Im neuen Karosseriebau haben wir zudem ein neues Oberflächenzentrum errichtet. Hier werden für die Modelle Panamera und Macan alle Außenhautbleche optisch beurteilt und bewertet. Zur Sicherstellung der Maßhaltigkeit der Karosserien verfügt das Werk Leipzig über insgesamt 23 Inlinemessmaschinen und zwei Serienmessräume. 

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