| von Bettina Mayer
Exklusiv-Interview mit Porsche-Produktionsvorstand Albrecht Reimold.
Bilder: Porsche

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und diesen E-Motor können die anderen Marken bei Porsche einkaufen?
Grundsätzlich ja, wie das auch schon beim V8-Motor der Fall ist. Mit einer Einschränkung: Wenn wir die notwendige Produktionskapazität haben.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie verpasst man denn einem E-Motor die Porsche-Gene?
Mit Blick auf die technischen Daten lassen sich zahlreiche Punkte ausmachen. Hohe Dauerleistung, Beschleunigungsreserven sowie die Reproduzierbarkeit beim Leistungsabruf sind wesentliche Eigenschaften der Porsche E-Motoren. Effizienz und Performance sind Charakteristiken, die über eine entsprechende Hochleistungselektronik gesteuert werden. Auch elektrifiziert bleibt der Antrieb ein Differenzierungsmerkmal für Porsche.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und auch die Zellchemie differenziert, oder?
Ganz klar. Wie oft kann ich beispielsweise der Batterie die maximale Leistung abverlangen? Wir haben genügend Ideen, wie wir die Porsche-typischen Gene auch unseren Mission-E-Kunden anbieten können.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie planen momentan eine Jahresproduktion des Mission E in Höhe von 20.000 Einheiten, korrekt?
Wir haben die Gewerke zunächst einmal so ausgelegt, dass wir rund 20.000 Einheiten produzieren können. Natürlich haben wir noch ein bisschen Spielraum nach oben eingeplant.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Haben Sie schon erste Bestellungen?
Das Interesse ist groß und wir haben praktisch seit Präsentation der Konzeptstudie auf der IAA 2015 Kundenanfragen. Angenommen haben wir bis heute allerdings noch keine.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Angeblich liegt auf dem ganzen Projekt ein enormer Kostendruck - insbesondere auf dem Projekt E-Antriebe…
In Summe liegt auf allen Projekten ein enormer Kostendruck. Und natürlich haben wir gegenüber einer Planung auf der grünen Wiese wesentlich höhere Aufwendungen. Allein die Räumung der bestehenden Baufelder, also die Abbrucharbeiten, lag in der Größenordnung von mehr als 50 Millionen Euro. Jetzt ziehen wir die neuen Gebäude wieder hoch – und zwar im laufenden Betrieb. Das kostet einfach mehr Geld. Ergo, dieses „mehr Geld“ ist so weit wie möglich zu reduzieren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wo liegen Sie in Ihrer Kostenplanung?
Mein Chef ist mit mir zufrieden.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie arbeiten auch an der Zero Impact Factory.
Das Thema Nachhaltigkeit war mir schon immer ein ganz besonderes Anliegen. Für mich ist das kein Feigenblatt, sondern eine gesellschaftliche Verpflichtung. Auf mein Betreiben hin nutzen wir seit Januar 2017 an allen Porsche-Standorten regenerativen Naturstrom. In Zuffenhausen werden wir ab 2020 die Wärmeversorgung auf Biogas umstellen und so pro Jahr bis zu 5.000 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid vermeiden. Wir haben schon viele Entscheidungen in die richtige Richtung getroffen, um die CO2-Neutralität unserer Fabriken zu erreichen. Wir sind noch nicht am Ziel, aber auf einem guten Weg.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was ist der Unterschied zwischen CO2-neutral und Zero Impact Factory?
Im Mittelpunkt der Zero Impact Factory steht die Produktionsweise „von der Wiege zur Wiege“ (cradle to cradle). Diese kennt keinen Abfall, keinen Verzicht und keine Einschränkungen. Im Gegensatz zu heutigen Materialströmen, die häufig ohne Rücksicht auf Ressourcenerhaltung errichtet werden, sieht das Konzept die Umgestaltung in zyklische Nährstoffkreisläufe vor. Mit dem Ziel, dass einmal geschöpfte Werte für Menschen und Umwelt erhalten bleiben.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und das ist Ihr Ziel über alle Werke bis 2025?
Das Konzept steht bis 2025. Auf dem Weg dorthin gibt es zahlreiche Zwischenziele, die nicht zu vernachlässigen sind. Künftig müssen wir uns noch früher mit dem Produkt auseinandersetzen: Welche Materialien werden verwendet? Wie führen wir sie wieder dem Kreislauf zu? Alles, was wir an Energie und an Materialien einbringen, muss zum Schluss wieder in einem Kreislauf erhalten werden.

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