Luca de Meo, Seat

Für den VW-Konzern zu arbeiten ist, als spiele man als Fußballer für Real Madrid oder den FC Barcelona, sagt Seat-CEO Luca de Meo im Interview mit AUTOMOBIL PRODUKTION. Bild: Oriol Segon / Seat

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr de Meo, vor einigen Tagen wurde in der Redaktion ein im Premium-Style gemachtes Buch zum neuen Ateca angeliefert. Ist das schon ein erster Fingerzeig zu einem offensiveren de-Meo-Style, der nun bei Seat einzieht?
Der "de-Meo-Style" ist vielleicht zu hoch gegriffen. Wenn Sie darin aber ein Zeichen sehen wollen, dann sicher das: Wenn ich etwas mache, dann richtig oder ich lasse es bleiben. Das ist meine persönliche Einstellung, aber auch mit Blick auf Seat denke ich, dass wir halbe Sachen vermeiden sollten. Wir haben jetzt eine sehr solide Startbasis, die durch meine Vorgänger gelegt wurde. Die haben einen wirklich guten Job gemacht. Meine Aufgabe sehe ich nun darin, das Markenprofil von Seat zu schärfen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie gelten als Mann mit einem sicheren Gespür für Trends. Was fehlt Seat um trendy zu sein?
So ganz einfach lässt sich diese Frage nicht beantworten. Mein Eindruck nach den ersten Wochen ist, dass die Qualität der Marke sehr viel stärker ist als deren Wahrnehmung in den Märkten. Wir haben eine sehr solide Organisation mit sehr fähigen Mitarbeitern. Da ist ganz klar die Handschrift des Volkswagen Konzerns zu erkennen. Die Deutschen gelten zu Recht als sehr stark im Strukturieren und Organisieren. Das Team ist sehr motiviert und wartet nach meiner Wahrnehmung nur darauf, dass ihnen das Management die Möglichkeit gibt, den Sprung auf das nächsthöhere Level anzugehen. Aus dem Überlebenskampf sind wir raus, die Konsolidierung wurde unter Jürgen Stackmann bewältigt. Die Basics sind in Ordnung, das Werk in Martorell ist produktionstechnisch auf höchstem Level und wir haben starke neue Produkte in der Pipeline. Nun ist die Zeit da für den Sprung nach vorn.

ZUR PERSON: Der Trendschnüffler

Luca de Meo, am 13. Juni 1967 in Mailand geboren, steigt bald nach dem Studium 1992 bei Renault als Produktmanager ein, wechselt 1998 zu Toyota Europa und ist dort für die Edelmarke Lexus verantwortlich. 2002 geht es zum Fiat-Konzern. Dort steigt er in kurzer Zeit zum globalen Marketingchef auf. 2009 folgt der Wechsel zum Volkswagen-Konzern, für de Meo der Eintritt in die Champions-League der Autowelt. Als er 2012 Vorstand Marketing und Vertrieb bei Audi wird, gilt er längst als Mann mit feinem Gespür für Trends. Diese Fähigkeiten kann er seit Ende September 2015 als CEO der VW-Tochter Seat beweisen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wo setzen Sie zum Sprung an – etwa mit Blick auf die Märkte?
Auch da gibt es derzeit ein sehr differenziertes Bild, denn Seat hat drei oder vier unterschiedliche Positionierungen in Europa. Es gibt Märkte, da ist Seat zwar relevant, aber so etwas wie die Marke jugendlicher Raser wie etwa in Frankreich; es gibt Märkte wie Deutschland, wo wir mit über 90.000 verkauften Autos gut etabliert sind. Es gibt Spanien, wo wir als größtes Industrieunternehmen eine wichtige Rolle spielen und es gibt Märkte, da liegen wir unter der Wahrnehmungsschwelle – in Italien zum Beispiel...