| von Frank Volk

AUTOMOBIL PRODUKTION: …schmerzvoll für Sie als Italiener?
Oh ja! 16.000 verkaufte Einheiten in Italien. Das ist definitiv zu wenig. Aus diesen unterschiedlichen Positionierungen gibt es verschiedene Handlungsansätze: In Italien müssen wir es hinkriegen, überhaupt wahrgenommen zu werden. In Frankreich müssen wir aufpassen, nicht in eine Ecke geschoben zu werden. Sie sehen, es gibt nicht den einen Lösungsweg für Europa, wir müssen sehr differenziert vorgehen. Was für mich allerdings der gemeinsame Nenner ist: Seat ist auf der Qualitätsseite eine Marke des Volkswagen Konzerns, aber mit südländischem Design, mehr Emotionalität und das zu Preisen, die auch jungen Kunden den Kauf eines Autos ermöglichen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und wo möchten Sie konkret mit Seat hin?
Es wäre etwas überheblich, wenn ich nach vier Monaten behaupten würde exakt zu wissen, wohin  ich die Marke führen möchte. Ich habe meine Vorstellungen und die werde ich mit meinem Team diskutieren und daraus Maßnahmen entwickeln. Was ich Ihnen aber sagen kann, ist: gute Marken haben normalerweise drei Dinge: 1. Gute Marken verstehen besser als andere, was Kunden möchten. 2. Gute Marken haben einen ganz eigenen Charakter, das heißt, sie machen Dinge anders und besser als die anderen. Und 3. Gute Marken genießen hohes Kundenvertrauen. Das sage ich auch ganz bewusst in der Reihenfolge. Denn genau in der Reihenfolge baut man eine gute Marke auf, nicht andersherum.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was bedeutet das in der Praxis?
Es genügt nicht - beispielsweise in Italien - heraus zu streichen, dass Seat Teil des Volkswagen Konzerns ist, um Vertrauen in die Marke aufzubauen…

Die Frage nach der Existenzberechtigung von Seat im VW-Konzern stellt sich nicht mehr: De Meo (re.),
Die Frage nach der Existenzberechtigung von Seat im VW-Konzern stellt sich nicht mehr: De Meo (re.), Vorgänger Stackmann (li.), Aufsichtsratschef Gracia Sanz (Mitte). Bild: Oriol Segon / Seat

AUTOMOBIL PRODUKTION: …das dürfte momentan aber auch ein schwieriges Thema sein…
Sicherlich, aber man muss die Dinge langfristig betrachten. Ich bin sehr stolz darauf bei Volkswagen zu sein.  Für diesen Konzern zu arbeiten, ist so, als spiele man als Fußballer für FC Barcelona oder Real Madrid. Als ich zu Volkswagen gekommen bin, war das für mich Champions League. Aber um auf Italien und Seat zurück zu kommen: Allein zu Volkswagen zu gehören, ist nicht genug. Wichtig ist, dass wir verstehen, welche Autos die Italiener brauchen und dann Produkte bringen, mit denen wir uns abheben und so unsere Identität schärfen. Das ist harte Arbeit und das braucht Zeit. Es gab in der Geschichte nicht viele Marken, bei denen eine Neupositionierung wirklich gelungen ist. Eines der seltenen Beispiele ist Audi.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wenn das so schwierig ist, was macht Sie dann zuversichtlich, dass das Unterfangen mit Seat gelingen wird?
Es ist ja nicht so, dass nichts da ist. Es sind wichtige Zutaten vorhanden, auf denen eine starke Marke wachsen kann – das südländische Temperament, die Emotion in Kombination mit den günstigen Preisen, die junge Käufergruppe.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Werden Sie einen neuen Claim für die Marke entwerfen?
Das ist ein Mittel, zu dem viele greifen. Aber warum tun sie das? Weil es der einfachste Weg ist, um schnell Aufmerksamkeit zu erreichen. Darum geht es mir nicht, ich möchte die Markenschärfung substanzieller angehen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welche Rolle spielt dabei auf der Produktseite das SUV Ateca?
Eine ganz zentrale. Bei aller Bedeutung der Markenstrategie darf man eins nicht vergessen: 70 Prozent des Erfolgs oder mehr hängen von den richtigen Produkten ab. Da bin ich in der glücklichen Lage, genau zum richtigen Zeitpunkt zu Seat zu kommen. Wir launchen neue Produkte und wir launchen neue Produkte, wie wir sie nie zuvor hatten. Das ist eine Riesenchance für uns. Und gerade mit dem Ateca können wir uns aus der Nische heraus in die Mitte des europäischen Marktes bewegen. Das Segment wächst sehr dynamisch und mit dem Ateca können wir ein Maß an  Aufmerksamkeit auf die Marke lenken wie wir das noch nicht hatten. Sie dürfen nicht vergessen: Seat hat eine junge Käuferschaft. Ich habe in meinem Managerleben bestimmt 20 Strategien entwickelt, wie man Marken für junge Käufer attraktiver machen kann. Seat hat die. Nun geht es darum, die jungen Käufer, die im Alter von 19 oder 20 Jahren einen Ibiza gekauft haben und jetzt eine Familie haben, für den Ateca zu begeistern. Früher waren diese Käufer für uns weg, jetzt haben wir ein Angebot, um sie zu halten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Es bleibt ja nicht beim Ateca. Sie wollen ja recht schnell ein kleineres SUV nachschieben. Ist der Beschluss schon gefallen?
Ja. Wir werden das Angebot im Bereich der SUV verstärken und 2017 ein weiteres Modell, einen kleineren Geländewagen, auf den Markt bringen.

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