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Annette Winkler ist seit 2010 Smart-Markenchefin. Sie sorgt dort mit ihrer erfrischenden Art seither nicht nur für gute Stimmung, sondern neuerdings für schwarze Zahlen. Bild: Daimler

AUTOMOBIL PRODUKTION: Fr. Dr. Winkler, Smart hat 2015 einen kräftigen Absatzsprung hingelegt. Kann man sagen: die neue Generation hat voll eingeschlagen? Ja, auf jeden Fall. Wir haben weltweit 33 Prozent zugelegt, in Europa 72,5 Prozent und das obwohl wir den Vergleich zu 2014 ziehen, einem Jahr, in dem wir noch das cabrio und den E-Smart der Vorgängerbaureihe hatten. Die rund 120.000 Autos, die wir 2015 verkauft haben, sind schon eine sehr gute Absatzzahl.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Mit welchen Maßnahmen wollen Sie in diesem Jahr die Schlagzahl beim Absatz hoch halten. Was kommt von Smart 2016? 2016 bringen wir weltweit viele weitere Modelle auf den Markt, die für weiteres Wachstum sorgen. Im Frühjahr dürfen sich Kunden auf das neue  Cabrio freuen. Im Sommer kommen die neue Brabus Modelle des fortwo, fortwo cabrio und forfour zu den Händlern. Zum Jahresende werden die batterieelektrischen Versionen des Zwei- und Viersitzers und des Cabrios vorgestellt. Damit ist Smart dann die einzige Automarke, die ihr gesamtes Portfolio sowohl mit Verbrennungsmotor, als auch batterieelektrisch anbieten kann.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was waren die großen positiven Faktoren, die 2015 so erfolgreich gemacht haben? Die neuen Autos, weil sie einfach ideal dafür sind, in der Stadt unterwegs zu sein. Außerdem ist es noch mehr "Premium" als zuvor, mit mehr Platz im Innenraum, neuem Chassis und einem hervorragenden Getriebe. Nach dem, was uns zurück gespielt wird, begeistert das Auto in sehr vielen Facetten. Und ein smart ist eben mehr als ein Fahrzeug das man kauft, um von A nach B zu kommen. Für viele steckt ein Stück positive Lebenshaltung dahinter.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und über das Produkt hinaus? Die Gründe, für die die Marke einst erfunden wurde, treffen in der Mobilitätswelt immer stärker zu. Die Zahl der Millionenstädte mit hoher Verkehrsdichte und Platzmangel steigt unaufhaltsam, und die Menschen haben immer weniger Zeit und keine Lust, diese für Parkplatzsuche zu verschwenden. All das zahlt auf die Marke ein. Und es gibt eine Neudefinition von Luxus, die sich nicht über Größe, sondern über Individualität ausdrückt. Immer mehr jungen Menschen geht es nicht so sehr darum, einfach ein Auto an sich zu besitzen, sondern sie wollen ihre Persönlichkeit zeigen und einen Mehrwert für den Alltag durch die Verknüpfung des Autos mit intelligenten Services in der Stadt haben.

Dr. Annette Winkler - Die Querdenkerin
  • Als Schülerin will Annette Winkler Pianistin werden, sie übernimmt aber nach Lehre und BWL-Studium mit 27 Jahren das elterliche Bauunternehmen.
  • Als frisch gekürte Unternehmerin des Jahres hält sie einen Vortrag bei Mercedes-Benz und wird 1995 mit 36 Jahren vom Fleck weg engagiert. Entdecker: der damalige Entwicklungschef Dieter Zetsche.
  • Winkler wird Kommunikationschefin bei Mercedes, leitet später die Niederlassung Braunschweig und übernimmt 2010 als Smart-Markenchefin. Sie sorgt dort mit ihrer
    erfrischenden Art seither nicht nur für gute Stimmung, sondern neuerdings für schwarze Zahlen.
 

AUTOMOBIL PRODUKTION: Urbane Mobilität ist ein gutes Stichwort. Große Hoffnungen setzten Sie ja auf das Konzept Smart Cities, das heißt die Fokussierung des Absatzes auf weltweite Metropolen. Wie läuft das an? Wir sind bereits in einer Phase, in der wir dieses Konzept kontinuierlich ausbauen. Es geht im Kern darum, smart aus den bereits genannten Gründen gezielt in Metropolregionen zu etablieren. Wir haben Städte identifiziert, die besonders gut zu unserer Marke passen, wobei wir nicht nur rein funktionale Aspekte betrachten, sondern auch kulturelle.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was bedeutet das... Die typischen Smart-cities sind Städte mit hoher Verkehrsdichte, Parkplatznot, vor allem aber auch Städte mit einer ganz positiven offenen Kultur, diesem besonderen positiven Lebensgefühl. Dazu zählen beispielsweise Rom, San Francisco, Nanjing oder Wien. In Deutschland ist Köln eine unserer ganz besonders erfolgreichen Smart Cities. Wir haben mit zehn solcher Metropolen angefangen und sind jetzt bei zwanzig, in denen wir ganz gezielte Marketingaktivitäten durchführen, spezielle Parkmöglichkeiten und Konditionen für Smart-Fahrer anbieten und so immer mehr Autos der Marke  ins Stadtbild bringen. In Nanjing haben wir so innerhalb kurzer Zeit 1.000 Fahrzeuge verkauft – in einer Stadt, in der fünf Jahre zuvor noch kein einziger Smart unterwegs war!