| von Christian Klein
Bosch, Stefan Aßmann
Stefan Aßmann,Bosch Innovation Cluster Connected Industry: "WLAN-fähige Schrauber ermöglichen es, Fehler zu erkennen, bevor sie womöglich schwerwiegende Folgen haben." Bild: Bosch

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie verändern smarte Produktionsstrukturen die Supply Chain und das Verhältnis OEM / Zulieferer?
Wir sind ja selbst Teil der Lieferkette, ob mit Blick auf unsere eigenen Zulieferer oder als OEM-Partner. Wir sehen bereits viele Verbesserungen und weitere große Chancen. Wir können durch die Digitalisierung die gesamte Logistikkette optimieren, beispielsweise Materialtransporte. Dazu haben wir ein konkretes Projekt an unserem Standort in Homburg gemeinsam mit Opel auf der Endkundenseite umgesetzt. Zusammen mit unseren Zulieferern konnten wir innerhalb eines Jahres die Bestände innerhalb der Gesamt-Versorgungskette um 30 Prozent reduzieren. Die Logistikeffizienz haben wir um zehn Prozent gesteigert.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Die Logistik rückt also vermehrt in den Fokus?
Eine neue Anwendung von Bosch nennt sich Track Quality und erlaubt die permanente Geo-Lokalisierung von Transportgut. Die physikalischen Parameter der Ware lassen sich ebenfalls monitoren. Zum Beispiel sollten beim Transport von Dieselinjektoren bestimmte Transportbedingungen hinsichtlich maximaler Beschleunigung, oder bei empfindlichen Medikamenten hinsichtlich Temperatur und Luftfeuchtigkeit eingehalten werden. Wird beispielsweise erkennbar, dass der Lkw im Stau steht und sich die Lieferung verspätet, kann darauf reagiert werden, und im ERP-System des Kunden entsprechend umgeplant werden. Wir wenden Lösungen an, die die ganze Logistikkette optimieren im Sinne von Transparenz, Bestandsreduzierung, Vermeidung von Kosten und Diebstahlvorsorge. Die Supply Chain kann als Ganzes intelligent vernetzt werden, mit neuen Geschäftschancen für alle Beteiligten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie sind im November Keynote-Speaker auf dem Automotive Lean Production Kongress. Wie muss Lean Production eigentlich im Zeitalter von Industrie 4.0 definiert werden?
Industrie 4.0 bietet die hervorragende Chance, dass man Grundprinzipien von Lean wie Fehlervermeidung oder Transparenz noch besser umsetzen kann. Wir sehen das als sich ergänzende Ansätze. Das Lean Production System bei Bosch etwa wird durch Industrie-4.0-Lösungen ganz wesentlich unterstützt. Es geht um Technologie, mit der man Lean-Prinzipien noch besser umsetzen kann. Das beginnt bei der Transparenz: In der Lieferkette wissen wir durch RFID-Chips sekundengenau, wo sich welche Kiste befindet und welcher Bestand gerade vorhanden ist. So können die Verantwortlichen bei Bedarf den Warenfluss verbessern. Ähnliches gilt für die Fehlervermeidung: Eine Maschine kann über Sensordaten erkennen, dass eines ihrer Lager eine überproportionale Vibration aufweist und uns dies mitteilen. So können wir präventive Maßnahmen einleiten, noch bevor es zu Stillstand oder Ausschuss kommt.
Es tun sich also Riesenchancen für uns auf, das Produktionssystem durch Industrie 4.0 weiter zu verbessern. Deswegen lautet mein Befund: Industrie 4.0 richtig angewendet ermöglicht „Lean reloaded.“

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das Bosch Werk Homburg gilt als beispielhaft dafür, wie sich mit dem Instrumentarium von Industrie 4.0 Komplexität managen lässt. Was hat sich verändert?
In unserem Werk in Homburg ist es durch vernetzte Lösungen gelungen, die bislang auf sieben unterschiedliche Produktionslinien verteilte Fertigung von über 200 verschiedenen Industriehydraulikventilen aus 2.000 Einzelteilen über nur noch eine einzige Linie laufen zu lassen. Trotz dieser Komplexität auf einer Linie haben wir es sogar noch geschafft, die Ausbringung um zehn Prozent zu steigern und die Bestände um 30 Prozent zu reduzieren.

Infokasten Stefan Aßmann

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