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Renault-Topmanager Müller, neuer Koleos: weiteres Wachstum mit SUVs. Bild: A. Détienne/Renault

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Müller, die Renault-Gruppe hatte als Zielsetzung heraus gegeben, erstmals die Marke von drei Millionen verkauften Autos knacken zu wollen. Wie liegen sie auf Kurs?
Sehr gut, wir werden dieses Ziel voraussichtlich erreichen. Bis Ende August haben wir als Renault Gruppe unseren Markanteil weltweit um 0,3 Prozent gesteigert, in Europa um 0,4 Prozent. Mit der Marke Renault sind wir aktuell die am zweitstärksten wachsende Marke. Dacia gewinnt in Europa – und das ist wirklich bemerkenswert – weiter Marktanteile, obwohl wir seit zirka eineinhalb Jahren kein neues Produkt eingeführt haben. In Summe sind wir voll auf dem 2012 ausgegebenen Zielpfad.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was stimmt Sie zuversichtlich, dass es positiv  weiter laufen wird?
In erster Linie unsere Modellpalette. Wir haben es geschafft, in den letzten Jahren 11 komplett neue Autos und 15 Facelifts zu bringen. Und es kommen ganz wichtige Modelle. In Paris haben wir den neuen Grand Scénic gezeigt, das Facelift des Clio, den neuen Koleos  und den elektrischen Zoe mit 400 Kilometern Reichweite gemäß NEFZ. Wir haben die jüngste Modellpalette in Europa und wir haben noch nie so viele neue Autos in einem so kurzen Zeitraum auf den Markt gebracht.

Dieses Interview und viele weitere Themen finden Sie in der aktuellen Ausgabe der AUTOMOBIL PRODUKTION.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Europa erlebt ein überraschend starkes Autojahr 2016, so wird es aber nicht weiter gehen…
…wir wachsen natürlich auch außerhalb von Europa, insbesondere in den Märkten, wo wir neue Produkte eingeführt haben. Nehmen wir Indien, wo wir über 200 Prozent zugelegt haben und erstmals ein ernsthafter Wettbewerber für Maruti sind. Der Auftragseingang  für den Kwid liegt bei 150.000 Einheiten seit Markteinführung,. Darauf werden wir aufsetzen und um den Kwid eine Familie aufbauen, um zu den Top Playern in Indien zu gehören. Traditionell sehr stark ist unsere Position in Südamerika. Natürlich hat der Markt dort sehr gelitten, aber er wird wieder zurückkommen. Unser Ziel ist auch dort, in den wichtigsten Märkten, insbesondere in Brasilien, Mexiko, aber auch Argentinien, Kolumbien zu den Top 3-Playern zu gehören. Das wird uns langfristig auch gelingen. Wir sehen, dass wir in allen relevanten Märkten in Südamerika an Marktanteil zulegen. Strategisch liegt der Schwerpunkt auf den SUV, eine wichtige Rolle in unserer Offensive spielen die beiden neuen Pickups, der Alaskan und der Oroch. Ein weiterer für uns ganz wichtiger Zukunftsmarkt ist der Iran. Dort haben wir derzeit eine Kapazität von 200.000 Fahrzeugen; langfristig wollen wir über 400.000 Fahrzeuge pro Jahr verkaufen und zu einem Major Player mit etwa 20 Prozent Marktanteil werden. Den Grundstein dazu haben wir durch unser kürzlich vereinbartes Joint Venture mit IDRO gelegt, das uns eine Verdoppelung der Produktionskapazität ermöglicht.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ein Major-Player ist Renault bereits in Russland. Das dürfte ihnen kaum Freude bereiten...
In Russland hat sich der Markt dramatisch reduziert, mehr oder weniger halbiert seit 2008, mit den entsprechenden Konsequenzen und Folgen. Wir haben uns engagiert bei Autovaz und werden uns in Zukunft noch stärker engagieren. Unser Ziel ist es, Avtovaz zu Beginn des nächsten Jahres mehr zu integrieren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was bedeutet das konkret?
Näher an Renault heranzuführen, mehr Synergien zu realisieren. Wir sind im Moment dabei, einen Rekapitalisierungsprozess durchzuführen. Am Ende dessen wird ein deutlich höherer Anteil für Renault stehen, wenn die Rekapitalisierung so läuft, wie wir sie uns vorstellen. Der russische Markt wird – davon sind wir überzeugt – zurückkommen. Natürlich hängt der Zeitpunkt des Comebacks von den ökonomischen Rahmenbedingungen ab. Aber es gibt  keine Veranlassung zu glauben, dass der russische Markt auf diesem niedrigen Niveau für ewig bleiben wird. Wir rechnen damit, dass wir bis 2019 die Marke von zwei Millionen Neuzulassungen wieder erreichen werden. Darauf bauen wir unsere Planung auf. Wir haben die Krise genutzt und nutzen sie weiter, um Avtovaz Lada in seiner Effizienz voranzubringen. Und das betrifft alle Bereiche: das Engineering und natürlich vor allem das Manufacturing. Aber auch alle anderen internen Abläufe und Prozesse bis hin zum Vertrieb und Marketing. Dazu mussten wir in den vergangenen Jahren viele Mitarbeiter entlassen und liegen jetzt bei ca. 50.000 Beschäftigten. Im Gegenzug sind bereits zwei sehr erfolgreiche neue Modelle im Markt, der Lada Vesta und der Xray. Unser Marktanteil ist auf 20 Prozent gestiegen und wir haben jetzt einen soliden Plan, um nicht nur unser Volumen deutlich zu steigern, sondern um auch in einem sehr überschaubaren Zeitraum mit der Profitabilität von Avtovaz in den grünen Bereich zu kommen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Viel zu tun gibt es auch noch in China. Renault ist dort sehr spät, wie kommen Sie voran?
Sicher werden wir für die Entwicklung einige Zeit brauchen. Wir haben in China bei Null begonnen mit einer Marke, die derzeit weitgehend unbekannt ist und das in einem Markt, in dem die Wettbewerbsintensität erheblich zugenommen hat. Aber: wir sind zu Beginn des Jahres mit unserer ersten Fabrik gestartet, können dort 150.000 Autos bauen und problemlos auf 300.000 erweitern. Der Kadjar ist sehr positiv aufgenommen werden und mit dem Koleos legen wir zum Ende des Jahres ein zweites Modell in dem am stärksten wachsenden Segment, den SUVs nach. Natürlich sind wir in China ein kleines Licht, aber mit unserem Partner Dongfeng wollen wir langfristig eine große Flamme werden.