AUTOMOBIL PRODUKTION: Ein großes Licht in einem bislang kleinen Markt ist Renault bei der Elektromobilität. Sie haben sich sehr früh am Markt positioniert. In der jüngeren Vergangenheit ist modellseitig aber nicht mehr viel passiert, andere OEM haben auf- und sie vielleicht überholt. Ist die Euphorie um das Thema Elektromobilität etwas verflogen?
Ganz im Gegenteil. Das Thema Elektromobilität hat eine große Zukunft. Und wir sind natürlich froh, dass wir durch unseren frühen Einstieg in die Thematik im Rahmen der Allianz Renault-Nissan über 50 Prozent Weltmarkanteil haben. Wir sind in Europa mit der Allianz Renault-Nissan ebenfalls bei über 50 Prozent und Renault ist Marktführer in Europa für Batterie-elektrisch betriebene Fahrzeuge. Und wir begrüßen es natürlich sehr, dass viele auf den Zug aufgesprungen sind und noch viel mehr werden – das hilft der Entwicklung der Elektromobilität enorm weiter.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie sieht denn der nächste Schritt von Renault aus?
Ein ganz wichtiger Step war in Paris zu sehen: unser Zoe mit einer erhöhten Reichweite auf 400 Kilometer. Man muss da ja unterscheiden zwischen Ankündigung und Realität. Es gibt viele Versprechen von vielen Herstellern. Wir sind sehr froh, sagen zu können: unser Auto ist fertig, bestell- und lieferbar und das mit 400 Kilometer laut NEFZ, was im Alltag eine Reichweite von etwas über 300 Kilometer bedeutet. Und damit haben wir beim Thema Reichweite ein Angebot auf dem Markt, was für 95 Prozent aller Kunden diese Hürde aus der Welt schaffen sollte. Insofern ist das ein Meilenstein für den Markt der elektrobetriebenen Fahrzeuge und ein Meilenstein für Renault.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Werden weitere rein elektrische Modelle kommen?
Ja, es sind weitere Modelle geplant, darüber konkret zu sprechen, dazu ist es noch zu früh.

Müller, Renault, Interview, Volk, Paris
Renault-Topmanager Müller, AP-Redakteur Frank Volk (links im Bild): Sieht sehr gut aus beim Ziel, 2016 erstmals mehr als drei Millionen Autos zu verkaufen. Bild: A. Détienne/Renault

AUTOMOBIL PRODUKTION: Interessant ist ja, dass sich Renault und Nissan in der Allianz in allen Bereichen eng verzahnt haben. Ausgerechnet beim sehr kostenintensiven Entwicklungsthema macht jede Marke ihr eigenes Ding. Warum?
Wir haben in der Tat zwei unterschiedliche Fahrzeuge – ich rede von den Hauptfahrzeugen, also vom Leaf und vom Zoe. Konkrete Antwort auf Ihre Frage: ja, da sind enorme Potenziale, die wir heben können, indem wir in Zukunft viel mehr Dinge gemeinsam machen. Und genau das existiert nicht nur in der Planung, sondern bereits in einer Umsetzungsplanung.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und wie sieht diese aus?
Darüber kann ich natürlich jetzt konkret nicht sprechen. Was ich sagen kann: in Zukunft werden wir Wert darauf legen, dass alle Innovations-schweren Themen, alle kostenintensiven Themen, ob das nun Plattformen sind, ob das Steuerung ist, ob das Aggregate sind, aus einer Hand entwickeln und tatsächlich teilen. Dies ist beschlossen und wird umgesetzt. Das ist auch einer der Gründe, weshalb wir für die Zukunft noch optimistischer sind, weil wir sehen, dass wir damit tatsächlich die Profitabilität deutlich nach oben bringen. Aber das ist eben nur der eine Faktor. Der andere Faktor ist das Volumen. Wir erleben, dass Menschen, wenn sie einmal ein E-Fahrzeug gefahren sind, viel zufriedener sind, als die vergleichbare Zielgruppe mit ihrem Verbrenner. Das zweite was wir erleben werden, ist eine Änderung im Nutzungsverhalten. Die Elektroautos werden jetzt alltagstauglich.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Renault-Nissan könnte den Bereich Langstreckenfahrten auch über Plug-in-Hybride abdecken. Immer noch keine Lust auf die antriebsseitige Zwitterlösung?
Wir sind fest davon überzeugt, dass es mehr Sinn macht, nur eine Technologie an Bord zu haben und nicht zwei. Ganz einfach, weil das Fahrzeug dadurch wesentlich komplexer, wesentlich teuer und wesentlich schwerer wird. Natürlich wird es allein schon um in einer Übergangsphase die diversen Emissions-Richtlinien, vor allem ab 2020, zu erfüllen, Elektrifizierung aller Art geben. Auch bei Renault werden wir voraussichtlich ein Plug-in-Hybrid Angebot haben. Langfristig wird aber das Thema batterie-elektrisch angetriebene Fahrzeuge das wichtigste Thema bleiben und für uns klar den Schwerpunkt darstellen. Wir sind überzeugt, dass der Markt genau dahin geht. Wenn Sie sich anschauen, wie sich Batterie-Reichweiten entwickelt haben, wie sich Batteriekosten entwickelt haben, wie die Ladeinfrastruktur voran kommt und wenn man dahinter noch die kommenden gesetzlichen Regelungen legt, dann wird klar, dass das Thema batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge tatsächlich eine große Zukunft hat.