Sven Gabor Janszky
Sven Gabor Janszky: "Beim Verbessern bestehender Produkte sind die Deutschen top, super. Das reicht aber nicht." Bild: R. Walczyna/2b Ahead Thinktank

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie sagen „gerade noch die Kurve bekommt“. Das hört sich nach großem Rückstand an…
Der ist auch da, ohne Frage. Und um es nochmal klar zu sagen: der Rückstand existiert nicht nicht auf dem Gebiet der Sensorik oder bei der Entwicklung von Assistenzsystemen. Da sind die Deutschen nach wie vor gut. Der Rückstand besteht im digitalen Feld, dort, wo es um die Entwicklung eines intelligenten, digitalen Betriebssystems geht, das über das gesamte Straßennetz des Landes und darüber hinaus ausgerollt ist. Über das Daten gesammelt werden die wiederum in Prognosen münden, wie die Mobilitätssituation an jedem Punkt dieses Straßennetzes in 20 Minuten sein wird und auf dieser Basis wiederum die Autos, die sich auf diesem Straßennetz bewegen, kommunizieren und gesteuert werden.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Nun sagen die Hersteller an der Stelle ganz gerne: Ja, Google und andere IT-Unternehmen mögen die besseren Datensammler sein, wir aber können die Autos bauen…
Ja, das ist die typische Hybris des Erfolgs der Vergangenheit. Ein Auto zu bauen, das ist doch heute kein relevantes Problem mehr. Die in den Markt drängenden Konzerne haben so viel Kapital, die werben sich die besten Leute ab und dann bauen sie Fabriken hin, im Zweifel kopieren sie die Fabrik einfach nur.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das heißt, die Autobauer, die ihr Geschäft weiter so betreiben wie bisher, werden in Zukunft keinen Erfolg mehr haben?
Der wird keinen Erfolg haben, weil er nicht beachtet, dass die strategischen Roadblocks, also die Punkte, die ich in der Hand haben muss, um die Macht über den Markt zu haben, nicht mehr Produktivität in den Fabriken, Technologie, Patente und Design sein werden. Dieser strategische Wechsel von „ich habe die Macht über Produktionsmittel, über Vertriebswege und Händlernetz“, was bisher zentrale Punkte waren verschiebt sich in dieses digitale System. Nach meinen Beobachtungen, haben das sehr viele in der Branche einfach nicht verstanden, oder wollen es nicht verstehen. Hier die Augen zu verschließen wäre fatal. Gerade jetzt, wo noch viel Geld in der Autoindustrie verdient wird, wäre es wichtig, mit den Mitteln entsprechende Kompetenz aufzubauen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wer wird im Jahr 2025 die Mobilitätswelt beherrschen?
Es wird ein Konglomerat sein aus den digital intelligenten Anbietern von Mobilitätssoftware, die sich zusammen getan haben – auch mit Akteuren aus anderen Mobilitätsbereichen. Ich denke an Airlines, Autovermieter, die Bahn und den öffentlichen Nahverkehr. Die Vernetzung ist ja kein Exklusivthema des Autos. Alle werden auf einem Betriebssystem arbeiten, das entweder von einem der großen Akteure wie Google hergestellt wird, oder von einem Konsortium, wo durchaus die Automobilhersteller immer noch eine Rolle spielen können. Und es wird auf diesem Betriebssystem in großer Fülle Autos geben, die selbst fahren. Für die Autobauer bedeutet das, dass sie ihre Autos in Mehrzahl nicht mehr für Privatpersonen produzieren, sondern für Flotten. Jeder der Akteure, ob Lufthansa, Deutsche Bahn, Sixt, der öffentliche Nahverkehr oder wie sie alle heißen, wird solche Flotten anbieten. Aber auch kleinere Firmen. Der Kunde drückt da nur noch auf den Knopf, dann fährt ein Auto vor und man sagt dem System, wo man hin möchte und man wird vom Auto gebracht. Der private Besitz von Autos wird auf die Ebene eines schönen Hobbies zurück fallen. Das ist natürlich keine ganz schöne Prognose für die Automobilhersteller, aber das ist aus unserer Sicht, die zwangsläufige Folge der Entwicklungen. Es werden schon noch Autos verkauft und auch Autos mit Lenkrad, die man als Person selbst fahren kann, aber das wird der Premium-Bereich sein, das wird nicht mehr der Massenbereich sein.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das hört sich nicht an, als würden Sie gerade in die Autoindustrie investieren wollen?
Moment! Die Mobilitätindustrie ist gerade durch diese Umbruchsituation extrem interessant und es fließen ja nicht ohne Grund enorme Summen in den Bereich. Ich selbst habe gerade in ein kleines Start-up investiert, das sich mit der Entwicklung von Innenraumkonzepten für selbstfahrende Autos befasst. Pessimistisch bin ich nur für die Hersteller, die glauben, ihr Geschäft im traditionellen Sinn weiter betreiben zu können.

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