CEO Kirchhoff, Arndt Kirchhoff

Arndt Kirchhoff, CEO Kirchhoff Holding: "Durch die Digitalisierung in der Produktion können wir personalunabhängiger produzieren." Bild: Kirchhoff Automotive

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was unternimmt Kirchhoff Automotive, um bei der Digitalisierung mitzuhalten?
Wir setzen die Digitalisierung zuerst in der Produktion ein. Dadurch werden unsere Produkte qualitativ besser und wir können personalunabhängiger produzieren - das heißt, die Lohnkosten gehen zurück. Sie zieht damit unmittelbar in den Fertigungsprozess ein: wir bekommen die Daten vom Hersteller und nutzen unser Know-how über das Material und unsere Maschinen dazu, Bauteile noch leichter und den Prozess noch stabiler zu gestalten. Selbstverständlich nutzen wir die Daten  auch für die vorbeugende Instandhaltung und die gesamte Logistik.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Die Hersteller pushen das Thema Digitalisierung, aber die Zulieferer scheinen es schon öfter umzusetzen; korrekt?
Ja, das ist unter dem Strich auch logisch, denn 75 Prozent der Teile und Komponenten eines Fahrzeugs kommen ja von den Zulieferern. Der Wettbewerb beschleunigt das Tempo und so sind wir als Zulieferer aufgerufen, unseren Kunden durch die Vernetzung bessere und kostengünstigere Produkte anzubieten. Wenn es um das eigentliche Bauen des Autos geht, müssten wir Zulieferer eigentlich den höchsten Digitalisierungsgrad der Branche haben.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Auch die Autos selbst werden von der Digitalisierung erfasst. Wem gehören in Zukunft die Daten, die rund ums Autofahren entstehen?
Dieses Thema - wem gehören die Daten - ist das Spannendste aktuell. Da geht es ja um Know-how und um Rechte. In der Autoindustrie versuchen wir, IT zu standardisieren und mit möglichst einheitlichen Standards zu arbeiten. Im VDA haben wir uns darüber so verständigt, dass wir uns die Daten nach einem bestimmten System teilen werden. Dieses Konzept liegt auch schon in Brüssel vor, denn das ist ja mindestens ein europäisches Thema. Der Vorschlag sieht so aus, dass die Autoindustrie ihre Daten selbst verwaltet. Wir unterscheiden drei Daten: Daten, die unmittelbar nichts mit dem Autogeschäftsmodell zu tun haben. Die werden wir mit oder ohne Entgelt auch Unternehmen aus dem Silicon Valley zur Verfügung stellen. Die zweite Kategorie sind die sogenannten Sicherheitsdaten, die für Sicherheitsbehörden, Bundesämter oder Feuerwehr und Polizei wichtig sind. Diese hoheitlichen Daten werden wir natürlich zur Verfügung stellen; das muss aber definiert werden. Und die Daten, die im Fahrzeug bei der Nutzung generiert werden, die teilen wir uns mit unseren Kunden. Viele Daten betreffen ja das Gesamtsystem. Hier werden wir ein System nutzen, wo alle wichtigen Daten auf eigenen Servern liegen.. Aber der Gesetzgeber muss die Rahmenbedingungen schaffen, die sicherstellen, dass die Daten, die uns gehören, rechtlich geschützt sind. Der Automobilbau ist für Deutschland der wichtigste Industriezweig und die größte Exportbranche. Wir selbst müssen diese Stellung gegenüber anderen Märkten und Wettbewerbern schützen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Führt die Digitalisierung zu weiterem Preisdruck auf die Zulieferer?
Preisdruck gibt es immer, wenn man im Wettbewerb steht. Die Digitalisierung ermöglicht, dass man manche Produkte preiswerter herstellen kann. Es wird aber auch immer Produkte geben, die ihren Preis haben. Ob das Auto am Ende kostengünstiger wird oder nicht, das müssen Sie die Autohersteller fragen. Die Digitalisierung ermöglicht auf jeden Fall mehr Individualisierung. Die Möglichkeit, den eigenen Geschmack in Losgröße eins zu bekommen, führt dann nicht unbedingt zu Mehrkosten.