| von Bettina Mayer
Roland Villinger,  CSO und CDO bei Audi
Roland Villinger, CSO und CDO bei Audi. Bild: Audi

AUTOMOBIL PRODUKTION: Die neue Baureihen-Aufstellung holt ja auch alle Bereiche der gesamten Wertschöpfungskette an einen Tisch. Wie sind Sie als Chef-Stratege damit zufrieden?
Mit der Baureihenstruktur haben wir eindeutig den richtigen Weg eingeschlagen. Jetzt gehen wir sogar noch einen Schritt weiter und richten eine Digitale Baureihe ein, die sich im Schwerpunkt um die Digitalisierung aller unserer Modelle kümmert. Das bringt dieses strategisch wichtige Thema auf Augenhöhe mit unserem Hardware-Geschäft. Immerhin wollen wir damit 2025 ein Ergebnis von einer Milliarde Euro einfahren. Wir konzentrieren uns auf drei Themen: die Connectivity unserer Produkte, neue digitalisierte Services und eine nahtlose digitale Customer Journey für unsere Kunden innerhalb und außerhalb des Autos. Unser Unternehmen ist im Aufbruch – und unsere Organisation transformiert sich, um die neuen digitalen Anforderungen zu erfüllen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sitzt die Baureihe Digitalisierung jetzt als neuer Player mit am Tisch bei den anderen Baureihen-Meetings?
Ja, denn sie besitzt eine zentrale Querschnittsfunktion für die anderen Baureihen. Das digitale Ökosystem zieht perspektivisch in alle Audi-Modelle ein.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was genau soll dort umgesetzt werden?
Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wir wollen nicht verschiedene Konnektivitätsplattformen in unseren Autos haben. Das Kundenerlebnis muss in punkto Basisfunktionalität und Bedienkonzept vergleichbar sein – vom A-Segment bis ins D-Segment. Das gilt auch für das komplette Portfolio des Volkswagen-Konzerns – von MLB bis MQB. Die digitale Baureihe stellt bei unserer Digitalarchitektur eine Konsistenz über die Fahrzeug-Baureihen hinweg sicher. Gleichzeitig schnürt sie die konkreten Angebote für digitale Services.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Letzte Frage an Sie als Chefstratege: Wie kommt Audi als Marke wieder in die erste Reihe?
In welcher Reihe Audi heute ist, liegt im Auge des Betrachters. 2017 waren wir für 1,88 Millionen Menschen die erste Wahl. Für die Zukunft entwickeln wir unsere Marke weiter, erfinden sie zum Teil sogar neu. Für Audi sehe ich dabei vier Ansatzpunkte, bei denen stets der Kunde im Vordergrund steht: Erstens eine noch stärkere Orientierung am Kundennutzen unserer Produkte, die dank unserer Vorteile im Konzernverbund auch wirtschaftlich machbar ist. Zweitens behalten wir konsequent die User Experience unserer Kunden im Auge. Beispielsweise bei den Infotainment-Systemen, damit die Digitalisierung das Leben unserer Kunden auch tatsächlich leichter und nicht etwa komplexer macht. Drittens bieten wir unseren Kunden zunehmend maßgeschneiderte Lösungen an, die spezifische individuelle Mobilitätsbedarfe adressieren – Stichwort „tailored use cases“. Für uns macht das die Definition von Premium in der Zukunft aus. Und viertens: Das Design. Audi bleibt eine hochemotionale Marke. Sie werden auch weiterhin von uns Automobile erleben, die durch progressives Design überzeugen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was genau verbirgt sich hinter Punkt 1?
Wir setzen sehr stark auf unseren Konzernverbund, um im Sinne der Nutzenmaximierung für unsere Kunden das jeweils optimale Fahrzeugkonzept anbieten zu können. Dazu verfolgen wir eine Split-Plattform-Strategie und nicht eine Multitraktions-Plattform-Strategie. Bedeutet: Sie bekommen das optimale Elektroauto oder das optimale Verbrenner-Fahrzeug. Sie bekommen keinen Kompromiss. Das können wir durch unseren Konzernverbund wirtschaftlich leisten. Wir sind dadurch in einer einzigartigen Position als Premiumhersteller. Die Zusammenarbeit mit Porsche erlaubt uns zum Beispiel Effizienzen in dreistelliger Millionenhöhe – auf beiden Seiten. Quintessenz: Kompromisslos optimierte Fahrzeugkonzepte und trotzdem wettbewerbsfähige Kosten!

AUTOMOBIL PRODUKTION: Jetzt kommen wir zu Ihrer zweiten Position. Welchen Job mögen Sie eigentlich lieber: CSO oder CDO?
Schwer zu sagen, denn die beiden Jobs hängen aneinander: Die CDO-Rolle ist ein Teil der CSO-Rolle, so wie die Digitalstrategie ein Teil der Gesamtstrategie ist. Insofern ist es weniger eine Frage, welche Rolle ich mehr mag. Mich reizt das Zusammenspiel.

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