| von Bettina Mayer
Der MEB-Baukasten
AUTOMOBIL PRODUKTION

AUTOMOBIL PRODUKTION: Als Baureihenleiter holen Sie alle Bereiche an einen Tisch – vom Einkauf bis zur Produktion – und managen diese ganzen Schnittstellen. Das heißt, jeder darf bei der Definition der Fuge mitreden, korrekt?
Das ist genau der Punkt. Es sitzen der Finanzer, die Produktion, der Vertrieb, das Design und der Konstrukteur an einem Tisch wir gehen Thema für Thema durch. Genau das ist die neue Geschwindigkeit, die wir mit der Baureihe erreichen. Wir gehen erst aus dem Raum, wenn jeder wieder weiterarbeiten kann.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie oft kommt dann Ihr Chef Herbert Diess noch bei Ihnen vorbei?
Hr. Dr. Diess ist ein starker Förderer und selbst stark involviert. Wir gehen wöchentlich die Projekte durch.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie verraten weder die normalen, noch die strategischen Lieferanten. Was gibt es sonst zum Baukasten Neues zu sagen?
Wir zeigen den I.D. als ein Auto mit 4,20 Meter Länge. Der I.D. BUZZ hat aber rund 5 Meter Länge. Diese Bandbreite an Abmaßen können wir mit unserem Baukasten abdecken.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Warum deckt der MEB aber erst Fahrzeuge ab dem A-Segment ab? Warum kann der MEB nicht den Polo auch abdecken?
Es ist durchaus so, dass noch eine Stufe darunter technisch vorstellbar ist. Aber vom Business-Standpunkt aus ist es heute unglaublich schwer, selbst mit Verbrennungsfahrzeugen in der Polo- Klasse oder sogar darunter wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Wir brauchen Volumen, um wirtschaftlich zu sein. Das schaffen wir bis 2020 nur im A- oder B-Segment.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Aber ein MEB der zweiten Generation könnte das technisch abbilden?
 Mit dem I.D. setzen wir jetzt einen Kostenanker und produzieren ab 2020 unternehmerisch sinnvolle Autos. In der zweiten Welle werden wir  mehr Märkte abdecken und kommen dann ggf.  am A0-Segment nicht vorbei. Aber bis dahin, so glaube ich, erreichen wir genügend Volumen in der Golf-, Tiguan- und Passat-Klasse.

Kurzer Lebenslauf von Christian Senger, VW, aus der AUTOMOBIL PRODUKTION.
Zur Person

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie skalieren Sie die Komponenten des MEB?
Die Plattform verfügt über einen ausgeklügelten Baukasten-Ansatz. Die Grundkonzepte bleiben immer gleich. Aber ich habe beispielsweise  eine Vorderachse und Hinterachse für den I.D. und eine andere für den I.D. CROZZ. Das Konzept ist identisch, die Anschraubpunkte sind identisch, nur habe ich mehr Spurbreite und kann größere Räder verwenden. Und so ziehen wir das durch den Baukasten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das heißt, Sie gehen zu Continental, ZF oder Bosch und sagen, ich brauche ein Teil in drei verschiedenen Größen?
Grundsätzlich ja. Das Prinzip ist ja unabhängig von der Größe. Entscheidend sind eine gleiche Grundform und gleicher Produktionsprozess.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie sind also jetzt schon an dem Punkt des ganzen Konzepts, wo man nichts mehr ändern kann?
Der I.D. BUZZ kommt 2022, da werden wir natürlich noch Fortschritte reinbringen. Aber in der Grundplattform steht jetzt das Konzept und es wird über den Daumen nur zwei Themen geben, bei denen  alle drei Jahre größere Erneuerungen stattfinden. Zum einen bei den Batteriezellen und der Systemverschaltung und zu anderen bei der Fahrzeugelektronik.

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