| von Stefan Grundhoff

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie wichtig ist für den Neustart der Marke das kommende SUV. Ist das der letzte Schuss für die Marke VW in den USA?
Das Fahrzeug war schon vor der Dieselthematik extrem wichtig und soll jetzt ein noch stärkeres Zeichen pro Amerika setzen. Der hierzulande Midsize SUV genannte 7-Sitzer ist ein Bekenntnis der Marke und des Konzerns zu den USA, da der Wagen in Chattanooga gebaut wird und vieles was darin steckt genau den Wünschen der Region entspricht. Der 5,04 Meter lange SUV spielt in einem zentralen US-Segment; daher ist er sehr wichtig für unsere 652 VW-Händler, die bisher nichts in der SUV-Klasse der 7-Sitzer anbieten konnten. Auf der anderen Seite ist das nach VW Nomenklatur im B-Segment angesiedelte Modell auch sehr wichtig für Volkswagen Kunden, die bisher woanders suchen mussten, wenn z.B. die Familie grösser wird. Zudem ist er der sichtbare Beleg dafür, dass Volkswagen an seinem erfolgreichen Comeback arbeitet und liefert, was es versprochen hat. Wir wollen den amerikanischen Kunden mit amerikanischen Produkten entgegenkommen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Kommt der Marktstart für das SUV nicht etwas zu früh. Wäre es nicht besser, die Aufarbeitung des Abgasskandals wäre weiter fortgeschritten?
Ganz im Gegenteil! Er kommt zu einem perfekten Zeitpunkt. Wir müssen als Weltkonzern in den USA raus aus der Nische. Mitten im Aufwärtstrend der Marke besetzen wir ein wachsendes Segment, das uns so lange gefehlt hat. Das sehen die Händler übrigens genauso, die die Einführung im zweiten Quartal 2017 kaum erwarten können. Das Midsize SUV bietet moderne Triebwerke, Platz für viel Gepäck und bis zu sieben Personen, ist komplett vernetzt und verfügt über die modernsten Sicherheitsausstattungen.

 Hinrich J. Woebcken, VW North America: "Das Vertrauen muss langsam wachsen; man kann es nicht einfach verkünden. Wir sind fest entschlossen, die Dinge jetzt richtig zu machen."

AUTOMOBIL PRODUKTION: Nun markiert das SUV den Start in eine neue Zeit für VW in den USA, welche weiteren Modelle werden folgen? Wo liegt der Schwerpunkt, in der Entwicklung weiterer komplett neuer Modelle oder in der Einführung neuer Antriebskonzepte?
Der Midsize SUV ist in der Tat nicht das einzige neue Auto, das wir bringen. Der Golf Alltrack zielt ab Herbst diesen Jahres genau in die hier populäre Gattung der Lifestylefahrzeuge gepaart mit dem Sicherheitsplus Allradantrieb. Der im dritten Quartal 2017 aus Mexiko eingeführte lange Tiguan bringt neuen Schwung in das am stärksten wachsende Marktsegment der A-SUV. Der bisherige Tiguan ist sehr erfolgreich und verzeichnet steigenden Absatz. Da etwas kompakter als der neue Tiguan mit langem Radstand, gibt es durchaus Überlegungen, mit zwei Fahrzeugen das A-Segment anzugreifen. So wollen wir besonders neue, jüngere Kunden gewinnen. Zudem wirft der neue Jetta seine Schatten voraus. Aber darüber sprechen wir erst Mitte des nächsten Jahres. Weitere neue Modelle sind zu erwarten, vor allem bei den reinen Elektrofahrzeugen, von denen drei Modelle auf dem neuen Modularen Elektrofizierungs Baukasten (MEB) kommen werden. Es wird also beides geben: neue Modelle und neue Antriebskonzepte. Die Kunst besteht darin, die Synergien im Konzern zu nutzen und dennoch ein Angebot anzubieten, dass auf den Kunden in Nordamerika zugeschnitten ist und seine Wünsche erfüllt. Wir sind hier heute in der Wahrnehmung eher eine Kompaktautomarke; das muss sich ändern und hierfür müssen wir ins amerikanische Herz, wo es bei Fahrzeugen nicht zuletzt auch um Familie, Sport, Allrad, etc. geht.