| von Bettina Mayer

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wo steht der Konzern auf seinem Weg der Transformation?
Etwas mehr als ein dreiviertel Jahr nach der Vorstellung von ‚TOGETHER – Strategie 2025‘ stehen wir noch relativ am Anfang unseres Weges. Aber was sich seither an einigen Stellen getan hat, ist doch sehr beachtlich. Zum Beispiel sind wir beim Thema Elektromobilität und MEB bereits unheimlich schnell und auch sehr konsequent unterwegs. Weitere Beispiele sind MOIA, unser neues Unternehmen für Mobilitätsdienste, das wir im Dezember 2016 gelauncht haben oder in China das mit JAC angestoßene Gemeinschaftsunternehmen für preiswerte E-Autos.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Die meisten Experten loben den MEB ebenfalls als sehr konsequente Form der Elektromobilität …
Da haben Sie vollkommen Recht und das freut uns alle auch. Dieses Lob muss man an die Marke Volkswagen weitergeben.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wer ist denn der Vater des MEB – Herr Diess?
Ganz klar: Herbert Diess und Christian Senger. Der MEB (Modularer Elektrifizierungs-Baukasten) ist ein sehr mutiger Schritt und wird ebenso epochal für Volkswagen, wie jener damals vom Käfer zum Golf. Wir haben uns als Konzern zum Ziel gesetzt, dass in 2025 rund 20 bis 30% unseres Fahrzeugabsatzes auf Elektroautos entfallen. Dafür stellen wir jetzt alle nötigen Weichen und entwickeln unter der Federführung der Marke Volkswagen Pkw den MEB, auf dem wir eine ganze Reihe von unterschiedlichen E-Modellen verschiedener Marken aufsetzen können, die den Bedürfnissen und den Preiserwartungen der Kunden entsprechen.  

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das erste MEB-Fahrzeug in Golfgröße soll 2020 für ungefähr 25.000 Euro auf den Markt kommen …
Der I.D. der Marke Volkswagen wird eine neue Ära der E-Mobilität einläuten. Er wird das erste Fahrzeug sein, das auf unserem MEB basiert, bis zu 600 Kilometer Reichweite haben und preislich auf dem Niveau eines Golf TDI liegen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Aber warum kaufen so wenig Menschen ein Elektroauto?
Aus meiner Sicht sind es aktuell drei Faktoren, die den E-Fahrzeug-Absatz noch bremsen: Preis, Reichweite und Ladeinfrastruktur. Aber in dem Maße, in dem der Preis sinken und die Reichweite, sprich Alltagstauglichkeit, steigen wird, werden mehr und mehr Menschen auf die E-Mobilität umsteigen. Eine tragende Rolle dabei spielt natürlich auch die öffentliche Ladeinfrastruktur – diese muss parallel jetzt zügig ausgebaut werden.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Fehlt dafür der Druck oder die finanziellen Mittel?
Wenn man davon ausgeht, dass in naher Zukunft 20 bis 30 Prozent der Fahrzeuge bald elektrisch unterwegs sein sollen, ist eine Ladeinfrastruktur, die den Bedürfnissen der E-Fahrzeug-Nutzer gerecht wird, das A und O. Das Thema Ladeinfrastruktur gehen wir seitens der Automobilindustrie nun aktiv und mit Nachdruck an: Porsche und Audi haben zu diesem Zweck mit anderen OEMs ein Joint Venture für Schnellladestationen entlang von Autobahnen gegründet.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ist das denn bis 2020 zu regeln?
Nein, aber es muss ja nicht alles bis dahin fertig sein.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Haben Sie sich im Konzern schon auf ein paar Standards geeinigt? Welcher Stecker in den Autos konzernweit verbaut wird oder wie das Laden dann bezahlen?
Alle Elektrofahrzeuge des Volkswagen Konzerns werden mit dem „Typ-2-Stecker“ (auch als „Mennekes-Stecker“ bezeichnet) ausgerüstet werden, der auch bei den anderen großen OEMs Einsatz findet. Vor kurzem haben wir uns an Hubject beteiligt, der führenden e-Roaming-Plattform für europaweites Laden von Elektrofahrzeugen. Dieses grenzüberschreitende Bezahlsystem werden wir in unser Ökosystem integrieren und hier können alle unserer Marken teilnehmen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie wollen, besser Sie müssen Geld verdienen. Was ist da die Rolle der Batterie bei der Rendite und wo will Volkswagen als Konzern hin?
Die Batterie ist das Herzstück der E-Mobilität. Gleichzeitig ist sie auch ein sehr großer Kostenbestandteil des Fahrzeugs und wird in hohem Maße die Leistungsfähigkeit und die Qualität des Fahrzeugs bestimmen: Reichweite, Schnellladefähigkeit aber auch Beschleunigung spielen eine Rolle. Wir machen deshalb die Batterietechnologie zu einer Kernkompetenz des Konzerns und schauen uns die gesamte Prozesskette an, um auf Augenhöhe mit den heutigen großen Batterieherstellern kommunizieren zu können. Wir haben als Volkswagen Konzern in absehbarer Zeit einen gewaltigen Batteriebedarf und diesem müssen wir sicherstellen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Gibt es dazu schon eine Entscheidung?
Das Entscheidende im ersten Schritt ist, dass wir intern das Know-how in Sachen Batterie umfassend etablieren. Deshalb haben wir nur entschieden, im Rahmen unsere „Centers of Excellence für Batterie“ eine Pilotfertigung für Lithium-Ionen-Batterien aufzubauen. Ob eine komplette Inhouse-Produktion einmal sinnvoll ist, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt sehen.