| von Frank Volk

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ließe sich das Problem nicht bereits heute durch die Kombination aus Benziner und 48-Volt-Systeme lösen?
Ganz so einfach ist es nicht. Grundsätzlich kann man einen Benziner mit einem entsprechenden Zusatzaufwand, wie einer Hybridisierung beim Verbrauch, auf die Ebene eines modernen Diesels bringen. Letztlich hängt der reale Verbrauch vom Nutzungsverhalten ab. Für Fahrer, die einen hohen Nahverkehrs-, respektive Stadtanteil haben, ist die Lösung gut und kann in diesem Einsatzprofil den Diesel ersetzen. Für Langstreckenfahrer geht die Rechnung nicht auf, weil man das zusätzliche Gewicht der zwei Antriebssysteme mitschleppt. Dadurch ist der Diesel auf langen Strecken beim Verbrauch immer noch um etwa 20 Prozent im Vorteil. Dazu stellt sich die Frage der Wirtschaftlichkeit. Technologisch kann man sehr viel machen, die Frage ist, ob unter dem Strich ein Preis steht, den die Kunden zu zahlen bereit sind. 

AUTOMOBIL PRODUKTION: Bei der IAA in Frankfurt wurde der neue Audi A8 mit 48-Volt-Technologie als Standard gezeigt. Wann kommt das in der Breite?
Konkrete Modellaussagen möchte ich heute nicht treffen.

In Deutschland sind 2017 laut einer Erhebung des Kraftfahrtbundesamt 19 mal mehr Elektroautos unterwegs als noch vor zehn Jahren.
Grafik: AUTOMOBIL PRODUKTION

AUTOMOBIL PRODUKTION: Kann man sagen, dass mit dem Audi A8 der Einstieg in den Serieneinsatz der 48-Volt-Technologie erfolgt ist?
Das kann man. Mit zwölf Volt ist man zu schwach in der Antriebsleistung und entsprechend eingeschränkt in der Hybridisierung. Die 400- und später 800 Volt-Technologie ist dann ein Riesensprung. Deshalb sind 48 Volt ein wirklich sinnvoller Zwischenschritt, speziell für die Mild-Hybridisierung.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Auch VW setzt beim Übergang ins elektrische Zeitalter auf den Dreiklang aus „Mild Hybrid, Plug-in-Hybrid und BEV“. Wenn man auf den wichtigsten Elektroautomarkt China schaut, dann wächst dort unter dem Schub der staatlichen Förderung der Elektroautoabsatz stark, die Verkaufszahlen bei den Plug-in-Hybriden gehen sogar zurück. Haben Sie vor dem Hintergrund dieser Entwicklung Sorgen, mit der Übergangstechnologie auf das falsche Pferd zu setzen?
Nein, da haben wir keine Sorge. Auch bei der Elektromobilität kommt es darauf an, welche Technologie sich in welchen Märkten durchsetzen wird. Das ist abhängig von  Vorlieben der Fahrer, geografischen Gegebenheiten und natürlich ganz stark vom regulatorischen Rahmen. Im Falle Chinas sehen wir die Hybridisierung des Verbrenners und rein elektrische Fahrzeuge vor den PHEVs. Denn in China ist das Auto ein Verkehrsmittel, um in die Stadt rein zu kommen und wieder raus. Lange Strecken werden dort mit dem Pkw nur sehr wenig gefahren, ganz einfach, weil die Strecken sehr lang sind. PHEV-Modelle werden in einem solchen Szenario nach unserer Einschätzung eher eine untergeordnete Rolle spielen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: In China steht ja die Verabschiedung einer NEV-Quote vor der Verabschiedung. Inwieweit setzt Sie das unter Handlungsdruck, entsprechende Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb anzubieten?
Ja, es wird eine sogenannte NEV-Quote in China geben und ganz klar: wir werden diese erfüllen. Die Produktionsplanungen, die Anläufe, die Modelle - das steht alles. Die NEV-Quote kommt. Die Ausgestaltung im Detail ist noch offen, wir sind aber auf alle Varianten vorbereitet.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das hört sich jetzt sehr lässig an…
Nein, das ist alles andere als trivial. Aber wir haben auf dem chinesischen Markt eine langjährige Erfahrung und können uns daher gut auf veränderte Vorgaben einstellen.