| von Frank Volk

AUTOMOBIL PRODUKTION: Der Volkswagen Konzern hat kürzlich in Ehra-Lessin eine unter dem Leuchtturm-Projekt den Vario.Drive gezeigt, eine Technologie für große Autos, bei der der E-Antrieb in das Getriebe integriert ist und das ein Spriteinsparpotenzial von über 20 Prozent verspricht. Wie geht es mit der Technologie weiter?
Das Projekt ist am Ende der Forschungsphase und im Übergang zur Vorentwicklungsphase. Es wird also noch ein paar Jährchen dauern, bis man die Technologie in Serie sehen wird. Worum es uns ging, war in der Tat zu zeigen, dass die Kombination aus Elektroantrieb und Verbrenner auch bei großen Fahrzeugen sehr viel Sinn macht

AUTOMOBIL PRODUKTION: „Ein paar Jährchen vergehen“ ist ein schönes Stichwort. Beim vollautonomen Fahren konnte man den Eindruck gewinnen, dass der Fahrer – überspitzt gesagt – morgen ersatzlos gestrichen werden kann. Inzwischen hören sich die Prognosen vorsichtiger an, oder?
Wir laufen gerade durch den typischen Hype-Cycle. Hätte man vor ein, zwei Jahren noch glauben können, dass man 2019 schon einen Antrag zum manuell Fahren stellen muss, laufen wir jetzt gerade in eine Phase der detaillierten und damit realistischen Betrachtung.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wann erreicht der Volkswagen Konzern denn das produktive Plateau?
Unser Entwicklungsszenario bewegt sich entlang der VDA-Studie. Von Stufe 2, dem automatisierten Fahren, spricht kein Mensch mehr, das ist Realität. Mit dem neuen Audi A8 starten wir Stufe 3, das hochautomatisierte Fahren, das beispielsweise pilotiertes Fahren auf der Autobahn erlaubt. Vollautomatisiertes Fahren sehen wir erst in einigen Jahren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das hört sich in den wesentlichen Schritten aber doch sehr zügig an…
Sie dürfen aber nicht vergessen, dass wir seit über zehn Jahren an dem Thema arbeiten. Wir haben mit einem Fahrzeug namens „Stanley“ vor zehn Jahren das erste Rennen mit einem autonomen Fahrzeug in den USA gewonnen.  Da gab es eine Firma Uber noch gar nicht. Aus diesem Wissen heraus haben wir uns auch nie an der Hype beteiligt. Es ist für ein Start-up und Unternehmen, die neu in der Szene sind, immer leicht, vom Potenzial zu reden, das ja auch ganz ohne Zweifel da ist. Wir müssen aber über die Industrialisierung, das Endprodukt, die Sicherheit, die Zulassungsfähigkeit nicht nur reden, sondern diese Themen auch umsetzen.

Kurzer Lebenslauf von Dr. Ulrich Eichhorn, VW.
Zur Person

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wird einem da nicht mulmig, wenn man daran denkt, dass die Umsetzung auf der Straße vielleicht deutlich später, möglicherweise gar nicht kommt und man möglicherweise Milliarden verbrennt?
Also zunächst einmal verbrennen wir nicht Milliarden, sondern investieren in die Zukunft. Zum zweiten: schon heute sind wir ja technologisch sehr weit in das Terrain des autonomen Fahrens vorgedrungen. Wie gesagt sind wir mit dem Audi A8 in der Serienumsetzung von Stufe 3, das ist eine faszinierende Technologie, die ohne unseren Forschungs- und Entwicklungsaufwand nie Realität geworden wäre. Darüber hinaus sind auch diese hohen Investitionen Teil des Geschäfts wie es das früher auch schon war. Es ist unser Job, Trends zu erkennen und entsprechende Technologien zu entwickeln. Eine Garantie, dass dies letztlich zum Erfolg führt, haben Sie nie.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Apropos Investitionen in die Zukunft. Hat der Volkswagen Konzern eigentlich die Mittel für die Entwicklung des Diesel herunter gefahren?
Da sich für alle Verbrennungsmotoren die Gesetzesanforderungen verschärfen, haben wir leider nicht die Option, die Investitionen herunter zu fahren. Wir versuchen es so hinzubekommen, dass wir nicht erhöhen müssen. Die Mittel für die Entwicklung der Elektromobilität erschließen wir uns aus anderen Programmen. In Summe werden die Investitionen für die Entwicklung des Verbrenners und der Elektromobilität in den nächsten Jahren auf demselben Niveau liegen. 

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ärgern Sie sich eigentlich darüber, wenn Politiker wie Kanzleramtschef Altmaier die deutsche Autoindustrie aufrufen, es mit Tesla aufzunehmen und damit ja durchaus suggerieren, dass die deutschen Autobauer die Entwicklung zur Elektromobilität verschlafen?
Wenn wir alle ein Geschäftsmodell wie Tesla hätten, würden sich manche freuen. Ganz sicher aber nicht unser Finanzchef und gewiss auch nicht der Finanzminister.