Engelmann, CEO Webasto Group

Holger Engelmann, CEO Webasto Group: "Webasto wird die Mobilität von morgen auf jeden Fall aktiv mitgestalten." Bild: Webasto

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie steigen in den Markt der Batteriesysteme ein. Bislang ein völlig unbekanntes Feld für Webasto. Was hat Sie dazu veranlasst?
Wir sind von einigen Hypothesen ausgegangen. Die erste: Die Elektromobilität ist insgesamt ein sehr großer Markt. Die zweite: Es wird viele OEMs geben, die Batterien selbst fertigen und den ein oder anderen Zellenlieferanten, der in die Batteriefertigung einsteigt. Da bleibt viel Geschäftspotenzial mit unterschiedlichen Volumina übrig, das wird uns auch in Gesprächen bestätigt. Auf diese Bereiche zielen wir ab.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie sind im Kern Hersteller von Dachsytemen und sind stark in der Thermo-Sparte. Woher nehmen Sie die Kompetenz für die Batterietechnologie?
Zum einen konnten wir erfreulicherweise Mitarbeiter gewinnen, die auf dem Feld sehr viel Erfahrung haben und aus ihren vorherigen Firmen all die Fehler und Fallstricke auf dem Weg zur Systemfertigung kennen. Das erhöht für uns die Sicherheit, dass wir hier von Anfang an Produkte in der üblich hohen Webasto-Qualität liefern können. Zum anderen bringen wir viel Erfahrung aus der globalen Serienfertigung, der Integration großer Bauteile ins Fahrzeug und wichtige Kompetenz im Thermomanagement mit.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie lange wird es dauern, bis Sie ausliefern? Nach dem Motto: zuerst die Henne oder das Ei?
Wenn Sie so wollen, ja. Eine solche ganz ähnliche Baukastenstrategie hat sich für uns schon einmal in China bei Panoramadächern bewährt. Die gleiche Strategie wenden wir jetzt im Batteriebereich an. Dadurch können wir auch Kunden mit kleineren Stückzahlen bedienen und mit der „vorentwickelten“ Standardbatterie hat der Hersteller, der noch nicht absehen kann, wieviele E-Fahrzeuge er verkauft, ein geringeres Investitionsrisiko. So arbeiten wir uns strategisch und klar fokussiert in den Markt hinein. Wichtig ist, dass wir dabei flexibel bleiben.

Webasto fokussiert sich bei seinen Leistungen im Batteriebereich auf das Engineering des Gesamtsystems.
Webasto fokussiert sich bei seinen Leistungen im Batteriebereich auf das Engineering des Gesamtsystems. Bild: Webasto

AUTOMOBIL PRODUKTION: Haben Sie denn Kunden, die das wagen?
Ja, wir konnten die ersten Kunden von unserer Systemkompetenz überzeugen und freuen uns über zahlreiche Anfragen. Wir haben am Anfang gedacht, wir starten in China, wo wir natürlich sehr großes Potenzial sehen. Wir haben dort auch bereits sehr positive Resonanz erfahren. Der erste Auftrag kam jetzt aber von einem europäischen Hersteller.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welchen Umsatzanteil aus dem Batteriegeschäft erwarten Sie?
Ziel ist, dass dieser Bereich ein weiteres Standbein für Webasto wird. Wir sehen in den nächsten Jahren einen Umsatz in einer Größenordnung von 500 Millionen bis zu einer Milliarde Euro (Anmerkung: Umsatz Webasto Gruppe 2017 3,5 Milliarden Euro).

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie sieht die langfristige Perspektive in diesem Segment aus?
Das soll ein wichtiges Standbein für die Webasto-Gruppe mit den genannten Umsatzerwartungen werden, mehr kann ich bei diesem hochdynamischen Markt aktuell nicht sagen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ihre Aktivität erstreckt sich auf reine Hochvoltsysteme, umfasst nicht den Bereich 48 Volt?
Ja, das stimmt.

AUTOMOBIL PRODUKTION:...und mit Samsung steht der Lieferant für die Batteriezellen bereits fest?
Richtig. Die Zellen für unser Standardbatteriesystem kommen von Samsung.

AUTOMOBIL PRODUKTION: China ist bei den Zell-Lieferanten sehr restriktiv und zwingt die Anbieter in Richtung chinesischer Unternehmen. Ist es da nicht kritisch, auf einen südkoreanischen Lieferanten zu setzen?
Die Batteriezellen aus der Kooperation mit Samsung bieten wir in Europa und den USA an. Wir werden in China andere Zellen einsetzen, die wir in unserem neuen chinesischen Testzentrum in Jiaxing validieren werden.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wenn die Zellen vom Lieferanten kommen, wo liegt dann der Mehrwert, den Webasto beisteuert?
Wir leisten das Engineering des Gesamtsystems. Wir werden Batteriegehäuse selber herstellen und perspektivisch überlegen wir, ob wir auch das Batterie-Management-System (BMS) produzieren. Wir haben mit der Entwicklung gestartet und werden zunächst die Komponenten integrieren. Wo wir gezielt Fertigungstiefen erhöhen, werden wir im weiteren Verlauf entscheiden.